Intel meldete für das zweite Quartal 2026 das stärkste Umsatzwachstum seit mehr als 15 Jahren. Angetrieben von KI-Rechenzentren und der eigenen Auftragsfertigung legte der Konzern um ein Viertel zu. Für europäische Entscheider zählt vor allem, was daraus für die Chip-Souveränität folgt.

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Intel galt lange als der gefallene Riese der Halbleiterbranche, abgehängt von Nvidia bei der KI und von TSMC in der Fertigung. Das zweite Quartal 2026 lieferte ein anderes Bild. Mit 14,0 Milliarden Euro Umsatz und einem Plus von 25 Prozent verbuchte der Konzern den kräftigsten Sprung seit über anderthalb Jahrzehnten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 14,0 Milliarden Euro, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Am schnellsten wuchs das Geschäft mit Rechenzentren und KI-Chips, um 59 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro.
  • Die Auftragsfertigung legte um 31 Prozent zu, die Sparte für PC-Chips um 13 Prozent.
  • Unter dem Strich blieb nach US-Bilanzregeln ein Verlust, bereinigt dagegen ein Gewinn.

Woher kommt Intels stärkstes Wachstum seit 15 Jahren?

Ein Prozessor auf einem Podest mit Notizen vor weißem Hintergrund
Intels drei Kernsparten wuchsen zweistellig, Rechenzentren und KI legten um 59 Prozent zu. Konzernumsatz stieg auf 14,0 Milliarden Euro

Alle drei Kernsparten wuchsen zweistellig, allen voran das Geschäft mit Rechenzentren und KI mit 59 Prozent. Gemeinsam trieben die drei Sparten den Konzernumsatz auf 14,0 Milliarden Euro, ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zahlen stammen aus Intels eigenem Quartalsbericht.[1] Der Umsatz von 14,0 Milliarden Euro, umgerechnet zum Kurs von 0,87 US-Dollar je Euro vom 24. Juli 2026, markierte das schnellste Wachstum seit über anderthalb Jahrzehnten.

Ein Detail bremste die Euphorie. Nach US-Bilanzregeln stand je Aktie ein Verlust von 1,88 Euro, bereinigt um Sonderaufwendungen dagegen ein Gewinn von 0,37 Euro. Die Lücke zwischen beiden Werten zeigt, wie teuer der Umbau zum Auftragsfertiger bleibt. Die Börse honorierte trotzdem den Umsatz, nachbörslich stieg die Aktie um 13 Prozent.

Warum kann Intel die Nachfrage kaum noch bedienen?

Der Hunger der KI-Rechenzentren nach Rechenleistung übersteigt Intels Kapazitäten. Der Konzern kommt mit den Bestellungen nicht hinterher und stockt Ausrüstung, Reinraumflächen und Trägermaterial auf.

Mehrere Kräfte trafen zusammen. KI-Server brauchen immer mehr Prozessoren. Parallel stieß der Abschied von Windows 10 eine Aufrüstwelle bei den Firmen-PCs an, was die Client-Sparte um 13 Prozent wachsen ließ.

Den Fertigungsteil trägt vor allem der neue 18A-Prozess. Erst kürzlich lieferte Intel als erster Hersteller Serienchips aus der High-NA-EUV-Fertigung, einen Schritt, den bislang kein Wettbewerber vorweisen kann.

Konzernchef Lip-Bu Tan brachte den Antrieb auf einen Satz: „KI treibt eine beispiellose Nachfrage nach Rechenleistung, und wir sind gut aufgestellt, um über unser Prozessorgeschäft, ASICs, fortschrittliches Packaging und unser Foundry-Netzwerk nachhaltig zu wachsen.“ Für das laufende Quartal stellte Intel 13,7 bis 14,6 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht.

Intels Wachstum ist echt, der Gewinn noch nicht: Die Aufholjagd in der Fertigung kostet erst einmal Milliarden. Spannender als die Quartalszahl ist für Europa die Frage, ob mit Intel endlich eine westliche Alternative zu TSMC heranwächst.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Intels zweites Quartal 2026 in Zahlen
Das stärkste Umsatzwachstum seit über 15 Jahren, getragen von KI und Auftragsfertigung.
14,0 Mrd. €
Gesamtumsatz
plus 25 % gegenüber dem Vorjahr, stärkstes Wachstum seit über 15 Jahren
+59 %
Rechenzentren & KI
auf 5,5 Mrd. €, die am schnellsten wachsende Sparte
+31 %
Auftragsfertigung
auf 5,0 Mrd. €, das Foundry-Geschäft für externe Kunden
+13 %
PC-Chips
auf 7,7 Mrd. €, angetrieben vom Abschied von Windows 10
−1,88 €
Verlust je Aktie nach US-Bilanzregeln (GAAP)
+0,37 €
bereinigter Gewinn je Aktie (non-GAAP)

Was bedeutet Intels Comeback für Europas Chip-Souveränität?

Ein starker Auftragsfertiger außerhalb Asiens verschafft europäischen Chipdesignern eine zweite Quelle neben TSMC. Genau darauf zielt der EU Chips Act, und erste europäische Kunden lassen bereits bei Intel fertigen.

Europas Halbleiterstrategie krankt an der Abhängigkeit von wenigen asiatischen Fabriken, allen voran TSMC in Taiwan. Ein geopolitischer Zwischenfall in der Region würde die Lieferketten der gesamten Industrie treffen.

Intel positioniert seine Foundry als westliche Zweitquelle. Der Sicherheitsanbieter Fortinet lässt seinen neuen Firewall-Chip bereits bei Intel statt in Asien fertigen, ein frühes Signal für diese Verschiebung.

Der Umbau reicht über Intel hinaus. Auch Aixtron liefert das Werkzeug hinter den KI-Rechenzentren, und Infineon verteidigt seine Galliumnitrid-Patente vor Gericht. Europäische Chipdesigner sollten Intel Foundry neben TSMC und Samsung als Bezugsquelle prüfen und die Fortschritte der 18A-Fertigung im Blick behalten.

Für europäische Entscheider lohnt der Blick über die Quartalszahl hinaus. Ein zweiter großer Auftragsfertiger außerhalb Asiens senkt das Klumpenrisiko der Lieferkette, auch wenn Intels Bilanz vorerst rote Zahlen zeigt.

Quelle

[1] Intel: „Intel Reports Second-Quarter 2026 Financial Results“

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