Der chinesische Speicherhersteller CXMT startete am Montag an der Shanghaier Technologiebörse STAR Market und übertraf den Ausgabepreis zur Eröffnung um 471,59 Prozent. Der DRAM-Produzent aus Hefei ist damit an Chinas Festlandbörsen mehr wert als die Großbank ICBC. Den Ausschlag gab weniger die Speichernachfrage als der schmale Streubesitz von 6,73 Prozent.

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Der Börsengang von CXMT brachte dem Hersteller 57,92 Milliarden Yuan ein, umgerechnet rund 7,4 Milliarden Euro. Ausgegeben wurden dafür 6,69 Milliarden neue Aktien, exakt zehn Prozent des Grundkapitals nach der Emission. Handelbar war am ersten Tag noch deutlich weniger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ausgabepreis 8,66 Yuan, Eröffnungskurs 49,50 Yuan, Marktwert zur Eröffnung 3,31 Billionen Yuan oder rund 424 Milliarden Euro.
  • Nur 6,73 Prozent der Aktien waren zum Start frei handelbar, auf die dünne Liquidität weist die Börsenzulassungsmitteilung selbst hin.
  • CXMT setzte 2025 rund 61,8 Milliarden Yuan um, trug zum Jahresende aber einen aufgelaufenen Verlust von 36,65 Milliarden Yuan.
  • Apple prüft laut Bloomberg CXMT-Speicher für Geräte des chinesischen Marktes und fragte dafür beim US-Handelsministerium an.

Wie kommt ein Kurssprung von 471 Prozent zustande?

Waage: RAM und 6,73%-Zettel links, Euroscheine-Bündel rechts. Hintergrund weiß
Nur 6,73 Prozent der CXMT-Aktien waren beim Handelsstart frei handelbar. Die gebündelte Nachfrage trieb den Kurs bis 49,50 Yuan

Zum Handelsstart waren nur 4,5 Milliarden der 66,88 Milliarden CXMT-Aktien frei handelbar, also 6,73 Prozent. Auf diesen schmalen Streubesitz traf die gebündelte Nachfrage eines ganzen Marktes, und ein Gleichgewicht stellte sich erst bei 49,50 Yuan ein.

Die Börsenzulassungsmitteilung benennt dieses Risiko selbst und warnt vor unzureichender Liquidität in der Anfangsphase.[1] Strategische Investoren halten ihre Anteile zwölf bis 36 Monate, von der institutionellen Zuteilung liegen 70 Prozent ein halbes Jahr fest.

Der Eröffnungskurs von 49,50 Yuan galt trotzdem für alle 66,88 Milliarden Aktien und ergab einen Marktwert von 3,31 Billionen Yuan, rund 424 Milliarden Euro.

Was steht in der Bilanz hinter dem Rekordwert?

CXMT setzte 2025 laut geprüftem Abschluss 61,80 Milliarden Yuan um, rund 7,9 Milliarden Euro. Zum Jahresende standen zugleich 36,65 Milliarden Yuan aufgelaufener Verlust in den Büchern, umgerechnet 4,7 Milliarden Euro.

Schon der Ausgabepreis entsprach dem 308,92-Fachen des Gewinns je Aktie, während die Branche im Schnitt der vorangegangenen vier Wochen beim 76,32-Fachen lag.[1] Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen drehte erst 2024 ins Plus.

Den Umsatzsprung verdankt CXMT der Knappheit selbst. Seit dem zweiten Halbjahr 2025 übersteigt die Nachfrage nach DRAM das Angebot, und die Preise ziehen an, wie der Rückblick auf die Speicherpreise seit 1960 zeigt. Die Zulassungsmitteilung führt genau diesen Effekt als Hauptgrund des Wachstums auf und nennt die künftige KI-Nachfrage im gleichen Abschnitt als Risiko.

Damit ruht die Bewertung auf einem Engpass, den der Speicherhunger der KI-Rechenzentren erzeugt hat. Fällt die Sondernachfrage weg, bleibt eine Fabrik mit hohen Abschreibungen.

CXMT: Der teuerste Börsenstart Chinas in Zahlen

Was der Speicherhersteller am 27. Juli 2026 an der Börse Shanghai erlöste, wert war und in den Büchern stehen hat.

7,4 Mrd. €

Emissionserlös aus 6,69 Milliarden neuen Aktien zu je 8,66 Yuan

424 Mrd. €

Marktwert zur Eröffnung, mehr als die Großbank ICBC

6,73 %

der Aktien waren zum Handelsstart frei handelbar, der Rest bleibt gesperrt

4,7 Mrd. €

aufgelaufener Verlust zum 31. Dezember 2025 laut geprüftem Abschluss

Bewertung schon vor dem Kurssprung: Kurs-Gewinn-Verhältnis zum Ausgabepreis

CXMT zum Ausgabepreis von 8,66 Yuan

308,92

Branchenschnitt der letzten vier Wochen vor der Emission

76,32

Ein Speicherhersteller mit 4,7 Milliarden Euro aufgelaufenem Verlust wird an einem Vormittag wertvoller als Chinas größte Bank. Bewertet wurde dabei nicht die Fabrik in Hefei, sondern die Knappheit an handelbaren Aktien.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Börsengang für Käufer in Europa?

An den Speicherpreisen ändert der Börsengang kurzfristig nichts. Die 7,4 Milliarden Euro fließen in Kapazität, die erst in Jahren Module liefert, während höhere DDR5-Preise in Europa längst die Preisschilder von Notebooks und Tablets erreicht haben.

Mittelfristig hängt viel an Washington. Apple bat laut Bloomberg das US-Handelsministerium um die Erlaubnis, CXMT-Speicher für den chinesischen Markt einzukaufen, und um Zusicherungen gegen eine spätere Aufnahme des Herstellers in die Entity List. Auf der Liste chinesischer Militärunternehmen des Pentagons steht CXMT bereits.

Für europäische Einkäufer folgt daraus eine unangenehme Rechnung. Eine vierte große DRAM-Quelle neben Samsung, SK Hynix und Micron würde den Markt entspannen, bliebe politisch aber jederzeit abschaltbar. Micron baut deshalb im großen Stil neue Werke in den USA, und die EU stützt über den Chips Act Zulieferer wie Zeiss in Oberkochen.

Beschaffer in Unternehmen sollten Serverspeicher jetzt vertraglich für zwölf Monate binden und geplante Aufrüstungen auf DDR5 vorziehen. Große Cloud-Anbieter zahlen ihre Speicherwerke inzwischen im Voraus, kleinere Käufer warten dahinter.

Quelle

[1] Shanghai Stock Exchange: „长鑫科技集团股份有限公司 首次公开发行股票科创板上市公告书“ (Börsenzulassungsmitteilung vom 23. Juli 2026)

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