Zwischen 2013 und 2024 haben Berufswechsel in Deutschland um rund 13 Prozent zugelegt. Der Befund des IAB widerspricht dem Bild vom erstarrten Arbeitsmarkt, das Ökonomen seit Jahren zeichnen. Für Personalverantwortliche verschiebt die Studie gleich zwei Annahmen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBerufswechsel sind in Deutschland deutlich häufiger geworden, quer durch alle Lohngruppen. 2013 arbeiteten 13 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen in einem anderen Beruf als im Jahr zuvor. Elf Jahre später liegt die Wechselquote bei Männern 16 Prozent über diesem Wert, bei Frauen 10 Prozent.
Das Wichtigste in Kürze
- Die berufliche Mobilität stieg zwischen 2013 und 2024 um rund 13 Prozent.
- Männer legten um 16 Prozent zu, Frauen um 10 Prozent.
- Bei Männern erreicht die Umschlagshäufigkeit im untersten Lohnquintil fast 38 Prozent, im obersten knapp 23 Prozent.
- Den Höchststand markierte das Jahr 2023, danach folgte 2024 ein Rückgang.
Warum führt die 13-Prozent-Zahl in die Irre?

Mehrere Meldungen sprechen von 13 Prozentpunkten. Nach dieser Lesart hätte 2024 gut jeder vierte Beschäftigte binnen eines Jahres den Beruf gewechselt, ein Wert, den kein Arbeitsmarkt der Welt erreicht. Die Methodik der IAB-Studie weist dagegen die relative Veränderung gegenüber dem Basisjahr 2013 aus. Aus 13 Prozent Wechslern bei den Männern wurden also gut 15 Prozent. Der Anstieg bleibt bemerkenswert, die Größenordnung aber eine andere.
Welche Lohngruppen bewegen sich am stärksten?
Die Bewegung verteilt sich ungleich über die Lohnskala. Bei Männern liegt die Umschlagshäufigkeit im untersten Fünftel der Berufe bei fast 38 Prozent, im obersten nur noch bei knapp 23 Prozent. Frauen wechseln am häufigsten im mittleren Segment, was die Forschenden unter anderem auf den Wechsel in Teilzeit nach einer Geburt zurückführen. Gegenüber 2015 legte die Umschlagshäufigkeit bei Männern um 3,4 Prozentpunkte zu, bei Frauen um 2,5.
Der Anstieg speist sich fast vollständig aus Wechseln innerhalb der bestehenden Berufe. Eine Verschiebung hin zu ohnehin wechselstarken Berufen erklärt bei Männern nur 0,2 Prozentpunkte, bei Frauen wirkte diese Verschiebung sogar leicht bremsend. Die Dynamik kommt also aus der Breite des Arbeitsmarktes.
Berufliche Mobilität ist damit ein wichtiger Ausgleichsmechanismus.“ — Mara Buhmann, IAB-Forscherin
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Beschäftigten in Deutschland bewegen sich stärker, als die Standortdebatte behauptet. Bremsend wirken vor allem Qualifizierungshürden und langsame Anerkennungsverfahren.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was folgt daraus für Ihre Personalplanung?
Zwischen 1,0 und 1,7 Millionen offene Stellen zählte das IAB je nach Quartal in den Jahren 2023 und 2024, über 40 Prozent der Fachkräftestellen blieben unbesetzt. Beschäftigte wechseln vor allem in verwandte Berufe, weil dort ihre Kenntnisse Wert behalten. Ein Anforderungsprofil, das auf der Berufsbezeichnung beharrt, arbeitet deshalb wie ein Türsteher mit einer Gästeliste von 2013. Wirksamer wird die Ausschreibung, sobald Sie Tätigkeiten statt Titel beschreiben.
Prüfen Sie Ihre offenen Stellen darauf, welche Aufgaben ein Quereinsteiger aus einem verwandten Beruf nach drei Monaten Einarbeitung übernehmen könnte. Ungenutztes Potenzial liegt dabei nicht nur bei Wechselwilligen im Inland, wie die Auswertung zum Fachkräftepotenzial von Zuwanderern zeigt, und auch die MINT-Fachkräftelücke entspannt sich nur scheinbar. Wechselbereitschaft ist im Markt vorhanden, der Zugang zu den Berufen bleibt die Engstelle.
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