Qualcomm verteuert seine Chips um einen zweistelligen Prozentsatz und reicht damit gestiegene Einkaufskosten an die gesamte Branche weiter. Der eigentliche Auslöser sitzt nicht in San Diego, sondern in den Rechenzentren der KI-Anbieter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen Aufschlag kündigte Qualcomm laut Bloomberg in einem Brief an seine Kunden an; er gilt für alle Produkte, die nach dem 1. September 2026 ausgeliefert werden.[1] Zur Begründung nannte der Konzern gestiegene Kosten seiner Zulieferer, die er nicht länger auffangen könne. Eine Stellungnahme lehnte Qualcomm ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Qualcomm erhöht laut Bloomberg die Preise für sein Portfolio zweistellig, wirksam für Auslieferungen ab dem 1. September 2026.
- Grund sind die stark gestiegenen Kosten für zugekaufte Bauteile, allen voran Speicherchips.
- Die KI-Rechenzentren binden den Großteil der Speicherfertigung; der DRAM-Preis stieg im ersten Quartal 2026 um rund 90 Prozent.
- Teurer werden am Ende Smartphones, Tablets und Neuwagen, auch bei BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen.
Warum verteuert ein Chiphersteller, der gar keinen Speicher baut?

Qualcomm stellt Logikchips her, keine Speicher. Trotzdem trifft die Verknappung den Konzern voll, weil moderne Systeme auf einem Chip den Arbeitsspeicher direkt einbinden oder im Paket mitverkaufen.
Die Kosten dafür sind zuletzt so schnell gestiegen, dass Qualcomm sie nach eigener Darstellung nicht mehr schlucken konnte. Wie sehr der KI-Ausbau die ganze Lieferkette prägt, zeigt auch der Vorstoß von Google, mit eigenen Chips die KI-Kosten zu senken.
Was hat die KI mit dem Speicherpreis zu tun?
Die KI-Rechenzentren kaufen den Speicherherstellern die Kapazität weg. Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren über 95 Prozent des DRAM-Marktes und lenken ihre Fertigung auf teuren Hochleistungsspeicher (HBM) für KI-Beschleuniger um.
Für Smartphones, Notebooks und Autos bleibt weniger übrig. Der DRAM-Preis stieg im ersten Quartal 2026 um rund 90 Prozent gegenüber dem Vorquartal,[2] und Speicher macht inzwischen 30 Prozent der Materialkosten eines Geräts aus, nach zuvor rund 20 Prozent.
Ein Ende ist nicht in Sicht: SK Hynix rechnet mit Knappheit bis über 2030 hinaus. Denselben Sog kennt der Markt schon von den GPUs, wo die KI-Nachfrage ein Kreislaufgeschäft aus Bestellungen und Finanzierung angetrieben hat. Wie groß der Hunger der Rechenzentren ist, zeigt Metas größtes KI-Rechenzentrum mit fünf Gigawatt Leistung.
Der KI-Boom galt lange als Sache der Rechenzentren. Jetzt landet seine Rechnung im Smartphone und im Neuwagen, weil drei Speicherhersteller entscheiden, wer den knappen Chip bekommt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wohin der Speicher fließt
Wen der Aufschlag am Ende trifft
Was bedeutet das für deutsche Hersteller und Käufer?
Die Aufschläge treffen die deutsche Autoindustrie an einer wunden Stelle. BMW, Mercedes-Benz und der Volkswagen-Konzern setzen Qualcomms Snapdragon-Plattform für Infotainment und Fahrassistenz ein, während Audi seine Gewinnprognose bereits gesenkt hat und Volkswagen einen Gewinneinbruch meldet.
Teurere Bauteile verteuern die Bordelektronik also genau im falschen Moment. Für Verbraucher heißt das: Smartphones, Tablets und Neuwagen dürften spürbar teurer werden, sobald die neuen Preise ab September durch die Lieferketten laufen.
Für Europa legt der Fall die Abhängigkeit von drei asiatischen Speicherherstellern offen, die auch der EU Chips Act bisher nicht auflöst. Einkäufer sollten Bauteile mit hohem Speicheranteil jetzt langfristig kontrahieren, wie die Autoindustrie mit Micron vorgemacht hat, und ihre Produktkalkulation für 2027 auf dauerhaft höhere Speicherpreise einstellen.
Quellen
[1] Bloomberg: „Qualcomm Tells Customers That Prices Are Going Up by Double Digits“ (24. Juli 2026). ↩
[2] IEEE Spectrum: „AI Boom Fuels DRAM Shortage and Price Surge“. ↩
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