iFlytek stellte am 15. September AStudio vor, einen Desktop-KI-Agenten, der Dokumente, Webseiten und Code eigenständig abarbeitet und auf rein chinesischer Rechenleistung läuft. Zeitgleich zeigt der Halbjahresbericht, wie teuer dieser Kurs ist: Der um Sondereffekte bereinigte Verlust im Kerngeschäft wuchs um rund 75 Prozent, während staatliche Zuschüsse mit rund 40 Millionen Euro aushalfen.

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Der Fokus liegt auf einem Werkzeug, das ohne ständige Anweisungen arbeitet. AStudio nimmt ein Ziel entgegen, zerlegt es in Schritte und ruft selbst die passenden Werkzeuge auf. Genau dieser Sprung vom Assistenten zur eigenständigen Arbeitsplattform soll den Konzern aus einer teuren Zwickmühle führen, die er sich mit dem Ausbau der künstlichen Intelligenz eingehandelt hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • AStudio arbeitet Dokumente, Webseiten, Code und Rechercheberichte eigenständig ab, auf Basis des Modells Spark X2.5 und rein chinesischer Rechenleistung.
  • Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 6,5 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro, der bereinigte Verlust im Kerngeschäft aber auf rund 82 Millionen Euro.
  • Staatliche Zuschüsse trugen rund 40 Millionen Euro bei; 2025 machten sie 75,8 Prozent des ausgewiesenen Jahresgewinns aus.
  • Für europäische Entscheider zählen Datenschutz, Betriebssicherheit und die Abhängigkeit solcher Agenten von einem chinesischen Modell.

Was leistet der Desktop-KI-Agent AStudio?

Stempel steht auf Papierstapel, darunter liegt eine 1-Euro-Münze, auf weißem Grund
AStudio arbeitet als Agent auf dem Rechner und erledigt komplexe Aufgaben automatisch: Es zerlegt Ziele, wählt Werkzeuge aus und führt mehrstufige Abläufe ab

Agent statt Assistent. AStudio läuft als Arbeitsplattform auf dem Rechner und erledigt komplexe Aufgaben am Stück: Dokumente, Webseiten, Code und Rechercheberichte, samt einer Prüfung des Ergebnisses.[1] Über einen Plan- und einen Ziel-Modus genügt eine Zielvorgabe, dann zerlegt die Software die Aufgabe, wählt Werkzeuge aus und arbeitet mehrstufige Abläufe ab.

Rein heimische Technik. Im Kern steckt das Modell Spark X2.5 auf einem Agenten-Kern namens ACode Harness. iFlytek betont, dass beides ohne Nvidia auf chinesischer Rechenleistung läuft. Denselben Weg ist der Konzern schon beim Modell selbst gegangen, das bewusst auf Nvidia verzichtet.

Warum bleibt iFlytek trotz Wachstum im Minus?

Wachstum ohne Gewinn. Im ersten Halbjahr 2026 kam iFlytek auf einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro, ein Plus von 6,5 Prozent.[2] Der ausgewiesene Verlust schrumpfte zwar auf rund 26 Millionen Euro, doch der um Sondereffekte bereinigte Verlust im Kerngeschäft wuchs um rund 75 Prozent auf rund 82 Millionen Euro.

Staat und Forschung. Die Lücke erklärt sich aus zwei Posten. In die Entwicklung flossen rund 390 Millionen Euro, mehr als ein Viertel des Umsatzes. Zugleich stützten staatliche Zuschüsse von rund 40 Millionen Euro die Zahlen. 2025 machten solche Hilfen sogar 75,8 Prozent des ausgewiesenen Jahresgewinns aus. Der Preiskampf um Chinas KI-Modelle drückt zusätzlich auf die Margen.

AStudio ist iFlyteks Wette darauf, dass der Agent auf dem Schreibtisch endlich Geld verdient, wo das Modell allein es bisher verbrennt. Solange der Staat die Bilanz stützt, verschiebt sich die Rechnung nur, statt zu verschwinden.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet Chinas teures KI-Rennen für Europa?

Ein Muster, kein Einzelfall. Der Verlust bei vollem Wachstum zieht sich durch Chinas KI-Riege. Bei MiniMax vervielfacht sich der Umsatz, doch der Verlust wächst mit. Auch Zhipu verkauft KI-Guthaben trotz zweistelliger Millionenverluste.

Agenten auf dem Prüfstand. Für europäische Firmen ist AStudio zunächst ein weiterer Anbieter im Rennen um den Arbeitsplatz-Agenten, neben Microsofts Copilot und Alibabas Qwen Office. Ein Agent, der eigenständig Dokumente liest, im Netz recherchiert und Aktionen ausführt, fällt jedoch schnell unter die Transparenzpflichten des EU AI Act. Ein in China gehostetes Modell zieht zudem dieselben Datenschutzfragen nach sich wie zuvor DeepSeek.

Was jetzt zu tun ist. Vor jedem Test solcher Werkzeuge gehört die Datenhaltung geklärt, die Rechte des Agenten auf unkritische Aufgaben begrenzt und jede automatische Handlung dokumentiert. Ant Group baut bereits ein eigenes Betriebssystem für autonome Agenten, der Markt sortiert sich also gerade erst.

iFlyteks Halbjahr 2026 in Euro
Wachstum ja, Kerngeschäft im Minus, Staat stützt. Umrechnung rund 0,129 Euro je Yuan, Stand 16. September 2026.
1,5 Mrd.
Euro Umsatz im ersten Halbjahr, plus 6,5 Prozent
82 Mio.
Euro bereinigter Verlust im Kerngeschäft, rund 75 Prozent mehr
390 Mio.
Euro für Forschung, mehr als ein Viertel des Umsatzes
40 Mio.
Euro staatliche Zuschüsse im ersten Halbjahr
2025 stammten 75,8 Prozent des ausgewiesenen Jahresgewinns aus staatlichen Zuschüssen.

FAQ: iFlyteks Desktop-KI-Agent AStudio

Was ist iFlyteks AStudio?

AStudio ist eine Desktop-Plattform von iFlytek, die als KI-Agent eigenständig Dokumente, Webseiten, Code und Rechercheberichte bearbeitet. Die Plattform baut auf dem Modell Spark X2.5 und einem Agenten-Kern namens ACode Harness auf und läuft auf chinesischer Rechenleistung.

Läuft AStudio ohne Nvidia-Chips?

Ja. iFlytek betont, dass AStudio und das zugrunde liegende Modell Spark X2.5 vollständig auf heimischer, chinesischer Rechenleistung laufen und damit ohne Nvidia auskommen.

Ist iFlytek profitabel?

Nur mit Hilfe. Im ersten Halbjahr 2026 wies iFlytek einen kleineren Nettoverlust von rund 26 Millionen Euro aus, doch der um Sondereffekte bereinigte Verlust im Kerngeschäft wuchs auf rund 82 Millionen Euro. Staatliche Zuschüsse stützen die Bilanz.

Wie viel Staatshilfe erhält iFlytek?

Im ersten Halbjahr 2026 flossen iFlytek rund 40 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen zu. Im Gesamtjahr 2025 entsprachen die Zuschüsse 75,8 Prozent des ausgewiesenen Jahresgewinns.

Dürfen europäische Firmen einen solchen KI-Agenten nutzen?

Grundsätzlich ja, doch ein Agent, der autonom Dokumente liest und Aktionen ausführt, fällt unter die Transparenzpflichten des EU AI Act. Ein in China gehostetes Modell wirft zudem dieselben Datenschutzfragen auf wie DeepSeek. Datenhaltung und Rechte vorab klären.

Quellen

[1] Jiemian (界面新闻): „科大讯飞发布新一代桌面AI生产力平台AStudio“

[2] iFlytek: Halbjahresbericht 2026 (Shenzhen Stock Exchange, 002230)

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