Ein Brief mit 17 Unterschriften hat die Debatte über den Digital Networks Act neu entfacht. Die Chefs der großen europäischen Netzbetreiber warnen die EU-Spitze vor einem Kontrollverlust und verlangen eine grundlegende Kehrtwende in der Telekommunikationsregulierung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Der Digital Networks Act soll vier EU-Telekomgesetze zu einer Verordnung bündeln und den Umstieg von Kupfer auf Glasfaser steuern.
- 17 Netzbetreiber-Chefs um Tim Höttges fordern lockerere Fusionsregeln, längere Frequenzlizenzen und keinen regulierten Kupfer-Abschalttermin.
- Die Verbände BREKO, VATM und ANGA warnen vor einem zementierten Oligopol und pochen auf eine Regulierung nach tatsächlicher Marktmacht.
- Für den Mittelstand hängt am Ausgang, wie offen und planbar der Glasfaserzugang künftig bleibt.
Was will die EU mit dem Digital Networks Act?

Ein Rechtsrahmen statt vier. Die EU-Kommission legte den Digital Networks Act am 21. Januar 2026 vor und will damit den Kodex für elektronische Kommunikation, die BEREC-Verordnung, das Funkfrequenzprogramm und Kernteile der Open-Internet-Regeln in einer einzigen Verordnung zusammenführen.[1] Das erklärte Ziel bleibt, den Umstieg von den alten Kupferleitungen auf Glasfaser und Gigabitnetze zu ordnen sowie Europas Netze für KI und Cloud fit zu machen. Wie weit der Entwurf dabei die Netzneutralität antastet, gilt bereits als umstritten.
Warum drängt die Telekom auf weniger Regeln?
Der Brief der 17 Chefs. Tim Höttges und 16 weitere Vorstände europäischer Netzbetreiber warnten die Präsidenten von Kommission, Parlament und Rat vor einem Kontrollverlust über die eigenen Netze, ähnlich wie zuletzt beim gemeinsamen Vorstoß für ein europäisches Satellitennetz. Drei Kurswechsel stehen im Zentrum ihrer Forderungen:
- Marktmacht soll europaweit statt national bewertet werden, was grenzüberschreitende Fusionen erleichtert.
- Funkfrequenzen sollen mindestens 40 Jahre oder unbefristet vergeben werden, um Kapital für Glasfaser und 5G freizusetzen.
- Auf einen von Brüssel verordneten Abschalttermin für das Kupfernetz soll die Kommission verzichten.
Rendite vor Reichweite. Schon zuvor hatte die Telekom ihren eigenen Glasfaserausbau gebremst und die Rendite über die Fläche gestellt. Genau diese Zurückhaltung spielt dem Konzern in einer möglichen Marktkonsolidierung in die Hände.
Eine gelockerte Aufsicht über das Kupfernetz verschiebt Marktmacht, nicht bloß Bürokratie. Genau deshalb entscheidet der Digital Networks Act über die Startchancen der kleineren Anbieter.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was ändert sich für den deutschen Mittelstand?
Planbarkeit beim Anschluss. Für Unternehmen hängt am Digital Networks Act, ob der Zugang zur Glasfaser offen und bezahlbar bleibt oder ob wenige große Betreiber die Konditionen diktieren. In Deutschland steuert die Bundesnetzagentur den geordneten Wechsel von Kupfer auf Glasfaser, der bis 2036 abgeschlossen sein soll.[2] Fällt der regulierte Abschalttermin weg, verlieren Wettbewerber die Kalkulationsgrundlage für den eigenen Ausbau.
Warnung vor dem Oligopol. Die Verbände BREKO, VATM und ANGA fürchten deshalb ein zementiertes Oligopol und verlangen, dass sich die Regulierung weiter an der tatsächlichen Marktmacht orientiert. Bei neuen Glasfaserverträgen lohnt für IT- und Einkaufsverantwortliche der frühe Blick auf Laufzeiten, Preisgleitklauseln und Wechseloptionen, bevor sich der Markt weiter verdichtet.
FAQ: Digital Networks Act
Was ist der Digital Networks Act?
Der Digital Networks Act ist ein Verordnungsentwurf der EU-Kommission vom 21. Januar 2026. Er führt vier bestehende EU-Telekomregeln in einer Verordnung zusammen und soll den Umstieg von Kupfer auf Glasfaser europaweit harmonisieren.
Wann wird das Kupfernetz abgeschaltet?
Ein fester EU-Termin steht noch nicht. In Deutschland steuert die Bundesnetzagentur den Wechsel, angepeilt ist der vollständige Umstieg auf Glasfaser und Gigabitnetze bis 2036.
Was fordern die großen Netzbetreiber?
Die 17 unterzeichnenden Konzernchefs verlangen eine EU-weite statt nationale Bewertung von Marktmacht, Frequenzlizenzen von mindestens 40 Jahren und den Verzicht auf einen regulierten Abschalttermin für das Kupfernetz.
Was bedeutet der Digital Networks Act für Unternehmen?
Für Unternehmen entscheidet der Digital Networks Act mit darüber, wie offen und planbar der Glasfaserzugang bleibt. Bei neuen Verträgen lohnt der Blick auf Laufzeiten, Preisklauseln und Wechseloptionen.
Quellen
[1] Europäische Kommission: „The Digital Networks Act“
[2] Bundesnetzagentur: „Kupfer-Glas-Migration“
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