Die Deutsche Telekom baut künftig weniger Glasfaser und vermarktet dafür mehr. Nur 17,9 Prozent der bereits erschlossenen Anschlüsse werden gebucht, bei den Wettbewerbern liegt die Quote bei 30,2 Prozent. Konzernchef Tim Höttges stellt den Ausbau auf Rendite um und setzt damit das Gigabitziel 2030 unter Druck.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Glasfaserausbau der Deutschen Telekom folgt einer neuen Logik: Rendite vor Tempo. Statt möglichst viele Haushalte zu erschließen, will der Bonner Konzern die längst gebauten Anschlüsse endlich zu zahlenden Kunden machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Höttges priorisiert Vermarktung und Kapitalrendite vor der reinen Zahl neuer Glasfaseranschlüsse.
- Nur 17,9 Prozent der erschlossenen Telekom-Anschlüsse sind gebucht, bei den Wettbewerbern sind 30,2 Prozent erreicht.
- Der flächendeckende Ausbau verzögert sich um bis zu fünf Jahre, das Gigabitziel 2030 wackelt.
- Deutsche Glasfaser hat das eigene Ausbauziel bereits von 6 auf 3,2 Millionen Haushalte fast halbiert.
Was ändert die Telekom am Glasfaserausbau?

Kurswechsel prägt die neue Ausbaustrategie. Konzernchef Tim Höttges sagt: „Unser Ziel ist nicht, möglichst viel Glasfaser zu bauen. Unser Ziel ist, mit jedem gebauten Anschluss mehr Kundennutzen und wirtschaftlichen Wert zu bauen.“ Der Bonner Konzern investiert bis 2030 rund 30 Milliarden Euro in seine Netze,[1] lenkt das Geld künftig aber gezielter.
Fünf Kennzahlen steuern den Ausbau von nun an: die Nachfrage, die Anschlussquote, die Kündigungsrate, die Auslastung der Vorleistungsnetze und die Kapitalrendite. Die reine Zahl neu gebauter Anschlüsse zählt nicht mehr zu den zentralen Größen. Bauen bleibt wichtig, doch Anschließen und Vermarkten werden wichtiger.
Warum bremst die Telekom den eigenen Ausbau?
Buchungsquote heißt das Kernproblem. Rund 13,6 Millionen Haushalte kann die Telekom mit Glasfaser erreichen, doch nur 17,9 Prozent davon buchen einen Anschluss.[2] Im zweiten Quartal 2026 kamen 161.000 Glasfaserkunden hinzu, zugleich verlor der Konzern 181.000 DSL-Kunden. Wie stark die alte Kupferbasis wegbricht, zeigte schon die Quartalsbilanz. Jeder gebaute, aber ungebuchte Anschluss bindet Kapital ohne Rückfluss.
Deutsche Glasfaser macht denselben Schwenk, nur früher. Der Wettbewerber hat sein Ausbauziel von 6 auf 3,2 Millionen Haushalte fast halbiert und baut künftig nur noch rund 200.000 Anschlüsse im Jahr. Auch Vodafone konzentriert den eigenen Ausbau auf ausgewählte Städte. Dass der stockende Ausbau der großen Anbieter kleineren Netzbetreibern nützt, hat sich schon abgezeichnet. 1&1 wiederum verdient mit dem eigenen Netz sogar mehr, obwohl der Anbieter Kunden verliert.
Die Telekom hat jahrelang Glasfaser an Häusern vorbeigelegt, in denen niemand einen Vertrag unterschrieb. Wirtschaftlich zählt nicht der Meter im Boden, sondern der Kunde an der Dose.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie viele erschlossene Anschlüsse tatsächlich gebucht werden
Der Ausbau in Deutschland
Was bedeutet der Rückzug für das Gigabitziel 2030?
Gigabitstrategie heißt der politische Bezugspunkt. Die Bundesregierung peilt flächendeckende Gigabitnetze bis 2030 an.[3] Bundesweit sind zwar 32 Millionen Haushalte mit Glasfaser erreichbar, das sind 69 Prozent, doch nur 26,9 Prozent davon sind tatsächlich angeschlossen.[2] Weil die Telekom als größter Bauakteur bremst und Deutsche Glasfaser kürzt, rückt eine flächendeckende Versorgung bis 2030 außer Reichweite.
Handlungsdruck entsteht für Standorte abseits der Ballungsräume. Wartet ein Betrieb auf Glasfaser, hilft nur, die Vorvermarktung im eigenen Gebiet aktiv anzustoßen, denn erst genügend Vorverträge lösen den Bau aus. Wo der Anschluss auf sich warten lässt, bleiben Kabel- und Wholesale-Angebote eine Brücke. Zugleich schaltet die Telekom die alte Kupferinfrastruktur ab, 1,3 Millionen Anschlüsse wandern auf Funk.
Quellen
[1] Deutsche Telekom: Medieninformation zum Netzetag 2026
[2] VATM und Dialog Consult: 27. TK-Marktanalyse Deutschland 2026
[3] Gigabitbüro des Bundes: Gigabitstrategie der Bundesregierung
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