iFlytek hat mit Spark X2.5 ein KI-Modell mit 293 Milliarden Parametern vorgestellt, das komplett auf Huawei-Chips statt auf Nvidia trainiert wurde. Der Konzern aus Hefei stärkt gezielt die Code- und Agentenfähigkeiten und ruft dafür Preise in Yuan auf. Chinas Rechen-Autarkie bekommt damit ein weiteres Vorzeigeobjekt. Der Abstand zu Nvidias Trainingsleistung schrumpft schneller als gedacht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 7. September hat der chinesische KI-Spezialist iFlytek sein Basismodell Spark X2.5 freigegeben, ein Sprachmodell mit 293 Milliarden Parametern in einer Mixture-of-Experts-Architektur. Bemerkenswert ist weniger die Größe als die Herkunft der Rechenleistung. Training und Betrieb liefen vollständig auf heimischen Chips, ohne eine einzige Nvidia-Karte.
Das Wichtigste in Kürze
- 293 Milliarden Parameter, davon rund 30 Milliarden je Anfrage aktiv (Mixture of Experts), 256K Token Kontext.
- Training komplett auf Huawei-Ascend-Chips, ohne Nvidia.
- Schwerpunkt auf Code-Generierung und KI-Agenten, dazu über 200 Sprachen.
- Eingabe ab 0,20 € je Million Token, Ausgabe 0,77 € je Million Token (Stichtag 7. September 2026).
Was kann iFlytek Spark X2.5?

Code und Agenten stehen im Zentrum des neuen Modells. iFlytek hat Spark X2.5 gezielt darauf trainiert, längere Programmieraufgaben und mehrstufige Agenten-Abläufe zu bewältigen. Daneben nennt der Konzern Fortschritte bei Mathematik und Textverständnis.[1] Die Mixture-of-Experts-Bauweise aktiviert pro Anfrage nur rund 30 der 293 Milliarden Parameter, was die Kosten je Antwort senkt, ohne die Kapazität des Gesamtmodells aufzugeben.
Lokal einsetzbar ist das Modell in zwei kompakten Varianten. iFlytek hat Spark X2.5-4B und X2.5-1.7B quelloffen bereitgestellt, beide laufen auf eigener Hardware und verarbeiten ein Kontextfenster von bis zu einer Million Token.[2] Über die hauseigene Plattform kostet die Eingabe umgerechnet rund 0,20 € je Million Token, die Ausgabe 0,77 € (Yuan-Kurs vom 7. September 2026). Wie schnell Chinas offene Modelle nachziehen, zeigt daneben Xiaomis quelloffenes Tabellen-Modell TabLDM.
Warum China die Abhängigkeit von Nvidia abschüttelt
Rechen-Autarkie ist das eigentliche Signal dieser Ankündigung. iFlytek und Huawei arbeiten seit Jahren an einem rein chinesischen Trainings-Stack. Die Effizienz der Ascend-Beschleuniger stieg dabei von rund 20 auf nahezu 80 Prozent der vergleichbaren Nvidia-Leistung.[3] Damit fällt ein zentrales Argument gegen heimische Chips weg, nämlich der große Abstand bei der Trainingsgeschwindigkeit.
Ein Muster zeichnet sich ab. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass DeepSeek sein neues Rechenzentrum mit 160.000 Huawei-Chips ohne Nvidia bestückt. Anlagenbauer wie NAURA liefern die Ätztechnik für heimische Speicherfabriken ganz ohne EUV. Auch die Wirtschaftlichkeit zieht nach, wie der erste Halbjahresgewinn von SenseTime belegt.
Nicht das Modell ist die Nachricht, sondern der Beweis, dass Chinas KI-Industrie ohne Nvidia trainieren kann. In Europa auf Exportkontrollen als Bremse zu setzen, verlangt damit eine neue Rechnung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Entscheider in der DACH-Region?
Herkunft prüfen lautet die erste Konsequenz. iFlytek steht seit Oktober 2019 auf der Entity-List des US-Handelsministeriums, das dem Konzern eine Rolle bei der Überwachungstechnik in Xinjiang vorwirft; iFlytek weist die Vorwürfe zurück. Für europäische Firmen wirft der Einsatz eines solchen Modells Fragen zu Lieferketten-Sorgfalt und Reputationsrisiko auf, lange bevor es um Technik geht.
Datenhoheit klären ist der zweite Schritt. Mehrere EU-Behörden haben chinesische Modelle bereits geprüft. Unter dem AI Act sowie der DSGVO bleibt die Verantwortung für Datenflüsse beim einsetzenden Betrieb, nicht beim Anbieter. Ein sinnvoller erster Test hält die quelloffenen Edge-Varianten lokal in der eigenen Infrastruktur, trennt Testdaten sauber und misst die Ergebnisse an etablierten KI-Textgeneratoren statt an Marketingzahlen.
Nüchtern beobachten bleibt für die nächsten Monate die richtige Haltung. Spark X2.5 führt vor, dass technische Reife und geopolitische Fallstricke bei chinesischer KI immer zusammenkommen. Ein Blick auf die gesamte KI-Entwicklung hilft, die Ankündigung aus Hefei zwischen Fortschritt und Risiko einzuordnen.
Quellen
[1] Jiemian: „讯飞星火X2.5正式发布,重点提升代码与智能体能力“ (Spark X2.5 offiziell veröffentlicht, Schwerpunkt auf Code und Agenten)
[2] IT-Home (IT之家): „科大讯飞星火X2.5模型正式发布:293B-A30B MoE,全国产平台训练“ (Spark X2.5: 293B-A30B MoE, komplett heimische Trainingsplattform)
[3] South China Morning Post: „No need for Nvidia: iFlytek touts reasoning model trained entirely with Huawei’s AI chips“
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