Seit dem Untergang der Credit Suisse fehlt dem Schweizer Firmenkundengeschäft ein zweiter großer Anbieter. In diese Lücke drängt jetzt die Deutsche Bank. Der Konzern holt mit Hans Burri einen Mann, der 23 Jahre bei der Credit Suisse arbeitete und zuletzt bei UBS den Umzug der Firmenkunden steuerte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Deutsche Bank baut in Zürich und Genf eine eigene Bank für Unternehmer auf. An die Spitze setzt der Konzern einen ausgewiesenen Kenner des alten Rivalen. Hinter der Personalie steckt ein Verteilungskampf um tausende mittelständische Firmenkunden, die seit der Notübernahme der Credit Suisse durch UBS einen neuen Ansprechpartner suchen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Deutsche Bank ernennt Hans Burri zum Leiter ihrer neuen „Bank für Unternehmer“ in der Schweiz, wo er an Schweiz-Chef Clemens Kaiser berichtet.
- Burri kennt das Zielpublikum aus 23 Jahren Credit Suisse und aus dem Auftrag, die CS-Firmenkunden bei UBS auf deren Plattform zu migrieren.
- Das Modell führt Firmen- und Privatvermögen zusammen, weil bei Unternehmern beides eng verzahnt ist.
- Auch JPMorgan, die Bank of America und Citigroup vergrößern ihre Schweizer Teams, um dieselben Kunden zu gewinnen.
Was gewinnt die Deutsche Bank mit Hans Burri?

Ein Insider der Konkurrenz: Hans Burri leitete bei der Credit Suisse zuletzt das Firmenkundengeschäft der Zentralschweiz und wechselte nach der Übernahme zu UBS, wo er das Migrationsbüro für Firmen- und Immobilienkunden führte. Als Leiter dieses Büros organisierte er selbst den Umzug genau jener Firmenkunden, die nun wieder umworben werden. Kaum jemand weiß genauer, welche Mittelständler mit der Fusion fremdeln und sich abwerben lassen.
Eine Bank aus einer Hand: Burri verantwortet die neue Einheit „Bank für Unternehmer“, die das Firmengeschäft mit der privaten Vermögensverwaltung verbindet und beides über einen Ansprechpartner bündelt, während die Standardberatung zunehmend in die App wandert.[1] Für Inhaber geführter Firmen liegen geschäftliche und private Finanzen oft dicht beieinander, von der Betriebsfinanzierung bis zur Nachfolge. Den Ausbau finanziert der Konzern aus einer Position der Stärke, nachdem die Investmentbank zuletzt einen Rekordgewinn gemeldet hatte.
Warum reißt die UBS-Fusion eine Lücke?
Ein Anbieter weniger: Mit der Notübernahme im März 2023 verschmolz die zweite Schweizer Großbank in der ersten. Seither dominiert UBS das Firmenkundengeschäft, und viele Unternehmer wollen ihr Geld nicht allein einem einzigen Institut anvertrauen. Der Wunsch nach einer zweiten Bankverbindung öffnet die Tür für Herausforderer.
Ein Wettlauf mehrerer Großbanken: Die Deutsche Bank ist nicht allein. JPMorgan stockte sein Schweizer Personal auf, die Bank of America verdoppelte ihr Team, und Citigroup startete schon 2022 ein eigenes Firmenkundengeschäft für größere Mittelständler. Der Verteilungskampf erinnert an die deutsche Konsolidierung, wo derzeit die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit die Kräfte neu ordnet.
Der Fall der Credit Suisse hat den Schweizer Firmenkunden zum umkämpftesten Gut des Finanzplatzes gemacht. Entscheidend ist jetzt nicht mehr das beste Konto, sondern die Nähe zum Unternehmer und seinem Privatvermögen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmer im DACH-Raum?
Konzentration mit Risiko: Der Schweizer Finanzplatz hängt nach der Fusion an einer einzigen global tätigen Großbank, was die Debatte über deren Größe und mögliche Rettungskosten befeuert. Für Firmen mit grenzüberschreitendem Geschäft zählt daneben, ob eine Bank den Zahlungsverkehr, die Währungsabsicherung und die Übernahmefinanzierung aus einer Hand bietet. Regionale Institute stoßen hier an Grenzen.
Zweite Verbindung prüfen: Unternehmer im DACH-Raum sollten die eigene Bankbeziehung offen bewerten. Eine zweite Verbindung für Finanzierung und Treasury lohnt die Prüfung, statt sich allein auf einen Anbieter zu verlassen. Mit rund 600 Beschäftigten in Zürich und Genf sowie vier Sparten will die Deutsche Bank genau diese Rolle besetzen.[2] Offen bleibt, wie schnell aus einem prominenten Zugang und einem neuen Etikett echte Marktanteile werden.
FAQ: Deutsche Bank und die Credit-Suisse-Lücke
Warum verlässt die Credit Suisse das Schweizer Firmenkundengeschäft?
Die Credit Suisse besteht seit der Notübernahme durch UBS im März 2023 nicht mehr eigenständig. Ihr Firmenkundengeschäft ging in UBS auf, wodurch ein zweiter großer Anbieter wegfiel. Genau diese Lücke wollen nun mehrere ausländische Banken füllen.
Wer ist Hans Burri?
Hans Burri arbeitete rund 23 Jahre bei der Credit Suisse und leitete dort zuletzt das Firmenkundengeschäft der Zentralschweiz. Nach der Fusion steuerte er bei UBS den Umzug der CS-Firmenkunden. Nun führt er die neue „Bank für Unternehmer“ der Deutschen Bank in der Schweiz.
Was ist die „Bank für Unternehmer“ der Deutschen Bank?
Die „Bank für Unternehmer“ bündelt Firmenkundengeschäft und private Vermögensverwaltung über einen Ansprechpartner. Sie richtet sich an Inhaber, Familienunternehmen und geführte Firmen, deren geschäftliche und private Finanzen eng zusammenhängen.
Welche Banken konkurrieren um die Schweizer Firmenkunden?
Neben der Deutschen Bank drängen JPMorgan, die Bank of America und Citigroup in das Schweizer Firmenkundengeschäft. JPMorgan stockte sein Personal auf, die Bank of America verdoppelte ihr Team, und Citigroup startete bereits 2022 ein eigenes Angebot für größere Mittelständler.
Quellen
[1] Deutsche Bank: „Bank for Entrepreneurs“
[2] Deutsche Bank: „Deutsche Bank in der Schweiz“
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