UniCredit sitzt seit Wochen auf fast der Hälfte der Commerzbank, doch die letzte Hürde hält der Bund mit 12,7 Prozent. Genau diese Beteiligung steht jetzt zum Verkauf. Konzernchefin Bettina Orlopp bestätigt erstmals offen die Gespräche mit den Italienern und mahnt zur Sorgfalt. Für den deutschen Mittelstand entscheidet sich damit die Kontrolle über seine wichtigste Firmenbank.

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Bei einem Bankengipfel in Frankfurt hat Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp Anfang September 2026 den Widerstand ihres Hauses gegen UniCredit aufgegeben. „Wir sollten es jetzt tunlichst nicht vermasseln“, sagte sie mit Blick auf die Übernahmegespräche.[1] Nach Jahren der Abwehr rückt die zweitgrößte deutsche Privatbank in Reichweite eines italienischen Eigentümers.

Das Wichtigste in Kürze

  • UniCredit hat sich den Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert und ist damit faktisch kontrollierender Aktionär.
  • Der Bund zeigt sich bereit, seine restlichen 12,7 Prozent an UniCredit zu verkaufen, geknüpft an eine gemeinsame Strategie.
  • Mit diesem Paket käme UniCredit Berichten zufolge auf über 60 Prozent und damit zur klaren Mehrheit.
  • Orlopp verhandelt jetzt über Geschäftsmodell und Führungsstruktur, statt die Übernahme weiter abzuwehren.

Wie kam UniCredit fast ohne Zukauf auf die halbe Bank?

Tresor auf weißem Grund mit Notiz, Schlüssel und Deutschland-Anhänger
UniCredit baute 2024 stillschweigend eine Großposition bei Commerzbank auf und erreichte fast 50 Prozent Stimmrecht ohne formales Übernahmeangebot

UniCredit stieg 2024 mit einem Aktienpaket ein und baute die Position über Wertpapiere und Derivate aus, ohne je ein vollständiges Übernahmeangebot vorzulegen. Nach Freigabe der Europäischen Zentralbank wandelte die Bank ihre Instrumente in Stimmrechte um und erreichte so fast die Hälfte des Kapitals.

Lange wehrte sich der Vorstand gegen den Zugriff. Inzwischen hat Orlopp die Tür für Gespräche geöffnet. Zur einfachen Mehrheit fehlt nur ein kleiner Block. Der liegt beim Bund. Verkauft der Staat seine 12,7 Prozent, überspringt UniCredit die Schwelle zum beherrschenden Einfluss.

Ist eine italienische Großbank in Deutschland ein Sonderfall?

Der Fall hat einen Vorläufer. Schon 2005 übernahm UniCredit die Münchner HypoVereinsbank, die bis heute als deutsche Tochter unter italienischer Führung firmiert. Eine grenzüberschreitende Bankenfusion dieser Größe blieb in Europa seither die Ausnahme, weil nationale Regierungen ihre Institute abschirmten.

Der Druck von außen folgt einem bekannten Muster, das gerade auch die Deutsche Telekom erlebt. Ein finanzstarker Anteilseigner sammelt so lange Stimmrechte, bis das Management nicht mehr ausweichen kann und den Verhandlungstisch akzeptiert.

UniCredit kauft keine Aktienmehrheit, sondern die Kontrolle über die wichtigste Mittelstandsbank des Landes. Ob daraus ein europäischer Champion oder ein Aderlass für den deutschen Firmenkredit wird, hängt an der gemeinsamen Strategie, nicht am Kaufpreis.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Deal für den deutschen Mittelstand?

Die Commerzbank finanziert wie kein zweites Institut den deutschen Mittelstand und wickelt einen großen Teil des Außenhandels ab. Ein Eigentümer in Mailand weckt die Sorge, dass Kreditentscheidungen und das Firmenkundengeschäft künftig aus Italien gesteuert werden.

Für Entscheider zählt jetzt weniger der Aktienkurs als die angekündigte gemeinsame Strategie. Unternehmen mit Commerzbank-Verbindung sollten die kommenden Verhandlungsrunden verfolgen und ihre Kreditlinien frühzeitig auf einen möglichen Eigentümerwechsel prüfen.

UniCredits Griff nach der Commerzbank
Stand: Handelsblatt-Bankengipfel in Frankfurt, 2. September 2026. Der Verkauf des Bundesanteils ist an eine gemeinsame Strategie geknüpft.
fast 50 %
Zugriff von UniCredit auf die Commerzbank-Aktien
12,7 %
Restbeteiligung des Bundes, jetzt zum Verkauf gestellt
über 60 %
möglicher UniCredit-Anteil nach Kauf des Bundespakets
2005
letzte große Übernahme aus Italien: die HypoVereinsbank
Der Weg zur Mehrheit
Anteile über Aktien und DerivateBund verkauft 12,7 ProzentUniCredit über 60 Prozent

Quelle

[1] t-online (dpa): „Orlopp mahnt Unicredit: ‚Wir sollten es nicht vermasseln‘“ (2. September 2026)

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