Der aktivistische Investor Elliott hat sich laut Bloomberg bei der Deutschen Telekom eingekauft und stellt sich gleich gegen das größte Strategieprojekt des Konzerns. Statt T-Mobile US vollständig zu übernehmen, soll die Telekom eigene Aktien im großen Stil zurückkaufen. Für Anleger und den Bund als Großaktionär beginnt ein Machtkampf um viele Milliarden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenElliott gilt als einer der gefürchtetsten Aktivisten der Finanzwelt. Nun steht die Deutsche Telekom auf seiner Liste. Einem Bericht von Bloomberg zufolge hat der Fonds heimlich Anteile aufgebaut und drängt Konzernchef Tim Höttges, die geplante Vollfusion mit T-Mobile US fallenzulassen.[1] Weder die Telekom noch Elliott bestätigen den Einstieg offiziell.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Bloomberg hat der US-Investor Elliott eine Beteiligung an der Deutschen Telekom aufgebaut, deren genaue Höhe offen bleibt.
- Der Fonds lehnt eine vollständige Verschmelzung mit T-Mobile US ab und fordert stattdessen größere Aktienrückkäufe.
- Die Telekom hält rund 53 Prozent an T-Mobile US, einem der größten Mobilfunkanbieter der USA.
- Bund und Förderbank KfW halten zusammen mehr als 28 Prozent an der Telekom und wirken als Puffer gegen den Aktivisten.
Wie baut ein Aktivist eine Beteiligung im Verborgenen auf?

Der Vorstoß folgt einem festen Muster. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz muss ein Investor eine Beteiligung erst ab drei Prozent der Stimmrechte offenlegen. Bis zu dieser Schwelle sammelt Elliott Aktien und Derivate ein, ohne den Markt zu warnen, und tritt erst an die Öffentlichkeit, sobald die Position sitzt.
Dahinter steckt eine nüchterne Rechnung. Die Telekom notiert seit Jahren unter der Summe ihrer Teile, weil der Anteil an T-Mobile US den Kurs dominiert. Eine komplette Übernahme der US-Tochter würde weitere Milliarden binden, während Rückkäufe den Abschlag schneller schließen und den Gewinn je Aktie sofort heben.
Warum fürchten Konzerne den Namen Elliott?
Elliott aus New York verwaltet rund 70 Milliarden Euro und sucht gezielt unterbewertete Großkonzerne. In Deutschland sorgte der Fonds schon 2019 für Aufsehen, als er bei SAP mit rund 1,2 Milliarden Euro einstieg und schärfere Renditeziele durchsetzte. Ähnliche Kampagnen liefen zuletzt bei Vodafone und dem Ölkonzern Phillips 66. Auch die Commerzbank geriet zuletzt durch UniCredit unter Druck von außen.
Das Drehbuch bleibt sich treu. Der Investor kauft sich leise ein, verlangt danach öffentlich höhere Aktienrückkäufe oder Abspaltungen und sucht Verbündete unter den übrigen Anteilseignern. Bei der Telekom zielt der Druck auf die Kapitalverwendung, nicht auf den Chefsessel.
Elliott kauft keine Telekom-Aktien, der Fonds kauft sich einen Sitz am Strategietisch. Ob am Ende Rückkäufe oder die volle T-Mobile-Fusion stehen, entscheidet nicht der lauteste Investor, sondern der Bund mit über 28 Prozent der Anteile.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Machtkampf für die DACH-Region?
Anders als bei vielen US-Konzernen sitzt bei der Telekom ein Ankeraktionär mit Gewicht. Bund und KfW halten zusammen mehr als 28 Prozent und stützten bislang den Kurs von Tim Höttges, der gerade erst den Vorstand neu ordnete. Solange dieser Block zusammensteht, läuft ein Aktivist mit reinen Renditeforderungen schnell ins Leere.
Für Entscheider im deutschsprachigen Raum steht mehr auf dem Spiel als eine Aktionärsfehde. Fließt das Kapital künftig in Rückkäufe statt in Netze, leidet der Glasfaserausbau, an dem Geschäftskunden und Kommunen hängen. Unternehmen, die auf die Telekom als Infrastruktur-Partner setzen, sollten die Kapitalmarkttermine der nächsten Monate verfolgen, denn dort fällt die Richtungsentscheidung.
Quelle
[1] Bloomberg: „Elliott Builds Deutsche Telekom Stake, Opposes T-Mobile Merger“ (2. September 2026)
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