Die Deutsche Telekom kauft in Polen Glasfaser für rund eine Milliarde Euro. Mit Fiberhost und Inea übernimmt der Konzern ein Netz für 1,4 Millionen Haushalte und formt die Tochter T-Mobile Polska zum Komplettanbieter. Zwei Tage zuvor hatte derselbe Konzern den deutschen Glasfaserausbau ausgebremst.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Zeitpunkt sitzt. Nur 48 Stunden vor dem Zukauf kündigte die Telekom an, den heimischen Glasfaserausbau zu drosseln. Verkäufer der polnischen Netze ist der Finanzinvestor Macquarie. Der Sprung nach Osten folgt einer klaren Linie: Rendite vor Reichweite.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Telekom übernimmt Fiberhost und Inea für rund eine Milliarde Euro und stärkt damit die Tochter T-Mobile Polska.
- Fiberhost bringt ein offenes Glasfasernetz für über 1,4 Millionen Haushalte, Inea rund 300.000 Bestandskunden mit Breitband und Fernsehen.
- Verkäufer ist Macquarie, der Abschluss ist für Ende 2026 geplant und braucht die Freigabe der polnischen Kartellbehörde.
- T-Mobile Polska wird vom reinen Mobilfunker zum konvergenten Anbieter aus Mobilfunk, Festnetz und Fernsehen.
Was kauft die Telekom in Polen genau?

Die Telekom übernimmt zwei sich ergänzende Betreiber: Fiberhost baut und vermietet Glasfasernetze, Inea verkauft Anschlüsse direkt an Haushalte.
Fiberhost betreibt ein offenes Netz, das über 1,4 Millionen Haushalte in acht Regionen und mehr als 9.700 Gemeinden erreicht.[1] Als Open-Access-Anbieter vermietet der Betreiber seine Leitungen an mehrere Provider, statt nur eigene Kunden anzuschließen.
Inea steuert mehr als 300.000 Bestandskunden mit Breitband und Fernsehen bei, überwiegend im Westen Polens. Für beide Firmen zahlt die Telekom einen Unternehmenswert von rund einer Milliarde Euro an den Macquarie European Infrastructure Fund 5 und Minderheitseigner.
Warum kauft die Telekom ausgerechnet in Polen?
In Polen findet die Telekom, was der deutsche Markt gerade nicht liefert: ein dichtes Glasfasernetz mit Wachstumsreserve und eine Tochter, die vom Zukauf sofort profitiert.
T-Mobile Polska verkaufte bisher nur Mobilfunk. Mit Fiberhost und Inea bündelt die Tochter künftig Handytarif, Festnetz und Fernsehen in einem Vertrag, das sogenannte Konvergenzgeschäft. Solche Pakete senken die Kündigungsquote und heben den Umsatz je Kunde.
Der Verkauf passt ins Muster. Macquarie hielt Fiberhost seit 2018 und baute das Netz von rund 500.000 auf 1,4 Millionen erreichbare Haushalte aus, bevor der Finanzinvestor den Ausstieg suchte. Polen zählt bei der Glasfaserabdeckung heute zu den führenden Ländern Europas.
Die Telekom baut zu Hause langsamer und kauft in Polen im großen Stil zu. Das Kapital fließt sichtbar dorthin, wo das Bündelgeschäft schon heute Rendite bringt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die zwei Zukäufe im Vergleich
Der Deal in Zahlen
Was bedeutet der Deal für Europas Netzmärkte?
Der Kauf zeigt, wie Europas große Netzbetreiber heute wachsen: nicht mehr flächendeckend im Heimatmarkt, sondern gezielt dort, wo Zukäufe schnell Rendite bringen.
Im Inland hatte die Telekom das Ausbautempo eben erst gedrosselt und die Rendite über die Reichweite gestellt. Parallel läuft im Festnetz der Umstieg von Kupfer auf Funk.
Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt der polnischen Wettbewerbsbehörde UOKiK und ist für Ende 2026 geplant. Für deutsche Entscheider steckt darin ein Signal: Die Glasfaser konsolidiert sich, und Netzeigentümer bestimmen künftig die Bündelpreise.
Unternehmen mit Standorten in Polen prüfen jetzt, ob der Betreiberwechsel ihre Anschlusskonditionen berührt.
Quelle
[1] Deutsche Telekom: „Deutsche Telekom to acquire Fiberhost and Inea from Macquarie Asset Management for c.1 billion EUR“
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