Mehr als zehn Jahre lang nannte Microsoft für Azure nur Wachstumsprozente, nie einen Betrag. Jetzt steht die Zahl: 25,6 Milliarden Euro Cloud-Umsatz in einem einzigen Quartal, dazu eine neue Segmentstruktur namens Agents and Infra. Für Cloud-Kunden im DACH-Raum wird damit erstmals messbar, wie groß der Abstand zu AWS und Google Cloud wirklich ist.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZwölf Jahre blieb der Azure-Umsatz eine Blackbox. Am 2. September 2026 hat Microsoft diese Praxis beendet und zugleich seine gesamte Berichtsstruktur umgebaut. Hinter der nüchternen Bilanzänderung steckt ein Signal an den ganzen Cloud-Markt.
Das Wichtigste in Kürze
- 25,6 Milliarden Euro (29,42 Milliarden US-Dollar) Azure-Umsatz im Quartal bis Juni 2026, ein Plus von 42 Prozent.
- Erstmals nennt Microsoft die Cloud-Zahl in Euro und Dollar statt nur eine Wachstumsrate.
- Die Berichtsstruktur schrumpft von drei auf zwei Segmente: Agents and Infra sowie Devices and Consumer.
- Über das Geschäftsjahr 2026 überschritt Azure erstmals 87 Milliarden Euro Umsatz.
Wie groß ist Azure wirklich?

Azure setzte im Quartal bis Juni 2026 rund 25,6 Milliarden Euro um, umgerechnet aus 29,42 Milliarden US-Dollar zum Kurs von 0,87 (Stand 3. September 2026), ein Plus von 42 Prozent zum Vorjahr. Über das gesamte Geschäftsjahr überschritt die Cloud-Sparte erstmals 87 Milliarden Euro, nach Angaben von Microsoft mehr als 100 Milliarden US-Dollar.[1] Die komplette Microsoft-Cloud mit Office 365 und Dynamics kam im selben Quartal auf 51,6 Milliarden Euro.
Zeitgleich baut Microsoft die Berichtsstruktur um und schrumpft von drei auf zwei Segmente. Die frühere Sparte Intelligent Cloud verschmilzt mit Productivity and Business Processes zum neuen Segment Agents and Infra, aus More Personal Computing wird Devices and Consumer. Die Gliederung greift ab dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, also ab Oktober 2026.
Warum legt Microsoft die Zahlen ausgerechnet jetzt offen?
Hinter der Offenlegung steht der Druck der Investoren, die enormen KI-Ausgaben zu rechtfertigen. Microsoft steckt pro Quartal zweistellige Milliardenbeträge in Rechenzentren und Grafikchips. Der Kapitalmarkt will sehen, welcher Umsatz dem gegenübersteht. Dieselbe Frage nach dem Geld hinter der KI stellt sich längst auch bei Google und DeepMind.
Auch der neue Segmentname trägt eine Botschaft. Agents and Infra bündelt die Cloud-Infrastruktur mit den Produktivitäts-Diensten und erklärt beide zu einem einzigen KI-Geschäft. Der Umbau der Zahlen ist damit weniger Bilanzkosmetik als ein Bekenntnis dazu, worauf Microsoft seine Zukunft setzt.
Eine Zahl, die ein Konzern zwölf Jahre zurückhält, sagt mehr über den Markt als jede Wachstumsrate. Microsoft zeigt jetzt, dass die Cloud kein Nebengeschäft mehr ist, sondern das Fundament seiner KI-Strategie.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Azure-Umsatz, erstmals offengelegt (Quartal bis Juni 2026)
Cloud-Umsatz im Quartalsvergleich
Was bedeutet das für Cloud-Kunden im DACH-Raum?
Microsoft war der letzte große Anbieter, der seine Cloud-Erlöse verbarg. Amazon weist den Umsatz von AWS seit Jahren aus, Google Cloud zog 2020 nach. Erst der Vergleich macht die Kräfteverhältnisse sichtbar: AWS lag im jüngsten Quartal bei rund 32,7 Milliarden Euro, Azure bei 25,6 Milliarden Euro, Google Cloud bei etwa 21,6 Milliarden Euro.
Für deutsche und österreichische Unternehmen ist diese Transparenz mehr als eine Fußnote. Firmen, die über die Abhängigkeit von einem einzelnen Hyperscaler entscheiden, können die tatsächliche Marktmacht jetzt beziffern und in Verhandlungen einordnen. Zugleich rückt die Frage nach europäischen Alternativen in den Vordergrund, von heimischen Betreibern, die eigene Rechenzentren hochziehen, bis zu der Überlegung, ob der eigene Betrieb dafür überhaupt ein neues Rechenzentrum braucht.
Cloud-Verantwortliche sollten die neuen Quartalszahlen ab Oktober als Benchmark nutzen und Vertragskonditionen, Preispfad und Lock-in-Risiko neu bewerten. Wie schwer sich selbst gut finanzierte Herausforderer mit der Rentabilität tun, zeigt der Blick auf Europas KI-Hoffnung Mistral.
Quelle
[1] Microsoft Investor Relations: „Fiscal Year 2026 Fourth Quarter Earnings Release“
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