Am 24. August 2026 meldete Infineon den Kauf eines Unternehmens, das kaum ein Entscheider kennt: C2i Semiconductors, ein Entwickler aus dem indischen Bengaluru für die Stromversorgung von KI-Chips.[1] Hinter dem unscheinbaren Zukauf steckt eine der teuersten Fragen des KI-Booms, nämlich wie der Strom überhaupt bis zum Rechenkern gelangt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Infineon übernimmt den Bengaluru-Entwickler C2i Semiconductors; der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, finanzielle Details nennt der Konzern nicht.
- C2i baut softwaredefinierte Mehrphasen-Regler und smart power stages, die den Strom vertikal und dicht unter dem KI-Chip bereitstellen.
- Treiber ist der Stromhunger moderner KI-Beschleuniger, deren Lastspitzen sich im Millisekundentakt ändern.
- In Indien beschäftigt Infineon bereits rund 2.800 Menschen; dort entsteht ein neues Kompetenzzentrum für digitale Leistungselektronik.
Was genau kauft Infineon mit C2i?

Softwaredefinierte Stromtechnik bildet den Kern des Zukaufs. C2i entwickelt Mehrphasen-Regler und sogenannte smart power stages, die den Strom nicht mehr am Rand der Platine, sondern vertikal und dicht unter dem Rechenchip bereitstellen. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, finanzielle Details nennt Infineon nicht.[1]
„Diese Übernahme stärkt Infineons Führung bei Stromlösungen für KI-Rechenzentren und schafft ein neues Kompetenzzentrum für digitale Leistungselektronik in Indien“, sagt Adam White, Leiter der Sparte Power Systems. C2i-Gründer Ram Anant verweist auf den Zugang zu Fertigung und globalen Kunden. Der Vorstoß passt zum Rennen um jede Komponente im KI-Rechenzentrum, in dem chinesische Anbieter gerade eigene Leistungschips hochziehen.
Warum wird die Stromversorgung zum Engpass?
Ein einzelner Spitzen-Beschleuniger zieht heute über ein Kilowatt, und der Trend zeigt steil nach oben. Die Physik macht daraus ein Problem: Hohe Ströme bei niedriger Spannung verlieren über jeden Zentimeter Leitung Energie als Wärme. Je kürzer der Weg zum Chip ausfällt, desto geringer der Verlust und desto stabiler bleibt die Spannung unter schnell wechselnder Last.
Genau hier setzt die vertikale Stromversorgung an, die den Wandler direkt unter den Chip rückt, statt ihn an den Platinenrand zu verbannen. Software regelt die einzelnen Phasen im Millisekundentakt nach, sobald ein KI-Modell die Last schlagartig ändert. In den größten Rechenzentren Deutschlands summiert sich der Verlust über Zehntausende Chips zu einer Effizienzfrage von Millionen Euro.
Der teuerste Engpass im KI-Rechenzentrum ist längst nicht mehr der Rechenchip, sondern der letzte Zentimeter Strom bis zu seinem Kern. Genau dort kauft sich Infineon ein.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Deal für Europas Chipindustrie?
Infineon steht mit dem Vorhaben nicht allein. Auch Texas Instruments, Renesas und Spezialisten wie Vicor kämpfen um die Stromversorgung der KI-Server, und Nvidia treibt parallel den Umstieg auf eine 800-Volt-Gleichstromarchitektur im Rechenzentrum voran. Leistungselektronik ist das Feld, auf dem Europas größter Halbleiterkonzern tatsächlich vorne liegt, während er bei Logikchips hinter Asien und den USA zurückbleibt.
Für Entscheider im deutschsprachigen Raum verschiebt der Deal die Perspektive. Nicht die reine Rechenkraft allein begrenzt den KI-Ausbau, den Anbieter wie Anthropic mit gemieteter Rechenleistung immer teurer bezahlen, sondern die Energie und ihre verlustarme Zuführung. Diese Frage betrifft auch Mittelständler vor dem eigenen Rechenzentrum. Planen Sie KI-Kapazität, zählt die Stromeffizienz der Hardware als Auswahlkriterium, nicht allein die Rechengeschwindigkeit.
Quelle
[1] Infineon Technologies: „Infineon acquires C2i Semiconductors to expand its innovation capabilities in AI data center power management solutions“ (Pressemitteilung, 24. August 2026)
Mehr Newshunger?
- 25,8 Milliarden Euro: ByteDance finanziert seinen KI-Ausbau mit einem Milliardenkredit
- Vom Bildschirm zum Laserchip: TCL zielt auf die Optik der KI-Rechenzentren
- Chinas GPU-Hersteller: Enflame komplettiert das Börsen-Quartett gegen Nvidia
- Loongson finanziert eigene CPUs und GPUs mit 294 Millionen Euro
- YMTC: Chinas Speicherhersteller plant mit 4,2 Milliarden Euro den größten Börsengang am Star Market