Chinas größter Displaykonzern sucht sein nächstes Wachstum im Rechenzentrum. TCL steigt in die winzigen Laser ein, über die KI-Chips ihre Daten per Glasfaser austauschen. Der Konzern greift damit einen Markt an, den bislang japanische Zulieferer beherrschen.

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Hinter dem Schritt steht die im Juli gegründete Tochter Shenzhen Huazhao Starlight, die Laserchips aus Indiumphosphid entwickelt.[1] Dieser Halbleiter bildet die Lichtquelle in schnellen optischen Modulen. Genau solche Chips fehlen der heimischen Industrie bislang.

Das Wichtigste in Kürze

  • TCL CSOT, der Displayarm des Konzerns, entwickelt über die neue Tochter Huazhao Starlight Indiumphosphid-Laserchips für optische Module in KI-Rechenzentren.
  • Das Grundmaterial dieser Chips beherrschen die japanischen Konzerne Sumitomo Electric und JX Metals mit zusammen über 90 Prozent Weltmarktanteil.
  • Europas KI-Rechenzentren hängen an derselben optischen Lieferkette, ohne einen eigenen Anbieter bei Modulen oder Lasern.

Warum steigt ein Displaykonzern in Laserchips ein?

Optoelektronischer Chip mit Laserstrahl und Faserkoppler vor weißem Hintergrund
TCL nutzt sein Know-how aus der Display-Fertigung für die Produktion von Indiumphosphid-Komponenten für KI-Rechenzentren

Der Grund liegt im Reifegrad des Kerngeschäfts. Der Markt für Bildschirme wächst kaum noch, während der Bedarf an optischer Verbindungstechnik in KI-Rechenzentren steil steigt. TCL überträgt sein Wissen aus der LED- und Panelfertigung, etwa Fabrikplanung und Anlagensteuerung, auf eine neue Linie für Indiumphosphid.

Der Vorstoß folgt einem Muster. Chinas Konzerne bauen die gesamte Chipkette im eigenen Land nach, von den GPU-Herstellern wie Enflame über den Speicherbauer YMTC bis zum Ausrüster Naura. Wie sehr die US-Exportkontrollen dieses Geschäft treiben, zeigt der GPU-Bauer Biren, dessen Umsatz sich verzwanzigfachte. Displayriesen wie TCL dehnen ihre Fertigung nun auf Verbindungshalbleiter aus.

Wo klemmt die Lieferkette?

Der Engpass sitzt eine Stufe vor dem fertigen Modul. Chinesische Firmen wie Innolight bauen die Mehrheit der optischen Module der Welt, rund 63 Prozent Marktanteil 2025, doch die Laserchips darin stammen überwiegend aus dem Ausland. Beim Grundmaterial Indiumphosphid halten die japanischen Konzerne Sumitomo Electric und JX Metals zusammen über 90 Prozent des Weltmarkts.

Bitter für Peking: Das Rohmaterial läge vor der Haustür. China kontrolliert über 70 Prozent der globalen Indium-Reserven, nur die hochreinen Substrate fehlen. Der US-Zulieferer Lumentum warnt, die Knappheit bei diesen Chips könne den Speichermangel noch übertreffen.

China montiert die meisten optischen Module der Welt und verdient trotzdem am wenigsten daran, weil der teure Laserchip aus Japan kommt. TCLs Einstieg holt die Wertschöpfung dorthin, wo sie entsteht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für Europas Rechenzentren?

Für Betreiber in der DACH-Region rückt ein unterschätztes Risiko in den Blick. Der Ausbau der KI-Rechenzentren hängt an denselben optischen Modulen. Anders als bei den Grafikchips, wo mit Nvidia wenigstens ein westlicher Anbieter dominiert, hat Europa bei optischen Modulen und Indiumphosphid-Lasern keinen eigenen Namen, wie auch der Milliardenpakt von Anthropic um Nvidia-Rechenleistung unterstreicht.

Der EU Chips Act zielt bislang kaum auf Verbindungshalbleiter und Photonik. Für Entscheider folgt daraus, die Verfügbarkeit der optischen Verbindungstechnik getrennt von der GPU-Beschaffung zu prüfen und Lieferzeiten für 800G- und 1,6T-Module früh einzuplanen. Ob dafür ein eigenes Rechenzentrum nötig ist, lohnt eine nüchterne Rechnung.

Chinas Lücke bei der KI-Optik
TCL steigt bei den Laserchips ein, Japan hält das Grundmaterial
> 90 %
Weltmarktanteil der japanischen Konzerne Sumitomo Electric und JX Metals bei Indiumphosphid-Substraten
~ 63 %
Weltmarktanteil chinesischer Hersteller bei fertigen optischen Modulen 2025, nach 55,6 Prozent im Vorjahr
23 Mrd €
Weltmarkt für optische Module 2026, rund 26 Milliarden US-Dollar, ein Plus von etwa 60 Prozent
> 70 %
Chinas Anteil an den globalen Indium-Reserven, nur die hochreinen Substrate fehlen
800G / 1,6T
Modulklassen für KI-Rechenzentren, deren Laser Indiumphosphid-Chips liefern

Quelle

[1] TrendForce Compound Semiconductor: „TCL steigt in Indiumphosphid-Laserchips ein“ (Bericht über die Investorenveranstaltung von TCL CSOT, Gründung der Tochter Huazhao Starlight)

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