Hua Hong steckt Milliarden in eine dritte Chipfabrik in Wuxi, doch nicht in die modernsten Chips. Die neue Linie fertigt reife Auto- und Leistungshalbleiter, genau das Segment, in dem Infineon und STMicroelectronics ihr Geld verdienen. Einen großen Teil der Rechnung übernimmt der chinesische Staat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 3,6 Milliarden Euro schwer ist die Projektgesellschaft, mit der Hua Hong seine Fertigung im ostchinesischen Wuxi ausbaut. Das Geld fließt nicht in die Sieben-Nanometer-Klasse, sondern in bewährte Verfahren für Strom-, Analog- und Speicherchips. Damit rückt der Auftragsfertiger noch näher an das Kerngeschäft der europäischen Halbleiterindustrie.
Das Wichtigste in Kürze
- Hua Hong erhöht mit staatsnahen Geldgebern das Kapital der Gesellschaft für die dritte Wuxi-Fabrik auf 3,6 Milliarden Euro und hält daran 51 Prozent.
- Die neue 12-Zoll-Linie soll rund 55.000 Wafer pro Monat liefern, ausgelegt auf reife Auto-, Leistungs- und Speicherchips statt auf Spitzenprozesse.
- Genau in diesem Segment verdienen Infineon, STMicroelectronics und ihre Zulieferer, weshalb der Ausbau die europäische Chipversorgung direkt berührt.
Was baut Hua Hong in Wuxi?

Hua Hong erhöht gemeinsam mit drei Mitgesellschaftern das Kapital der Gesellschaft für die dritte Wuxi-Fabrik. Nach der Kapitalerhöhung trägt die Projektgesellschaft ein Stammkapital von rund 3,6 Milliarden Euro, umgerechnet aus 4,17 Milliarden US-Dollar zum Kurs vom 2. September 2026.[1] Über die Muttergesellschaft und die Tochter Shanghai Hua Hong schießt der Konzern selbst rund 1,85 Milliarden Euro ein und hält damit 51 Prozent.
Die restlichen 49 Prozent teilen sich staatsnahe Fonds, darunter ein neues politisches Finanzierungsvehikel der China Development Bank. Peking finanziert den Ausbau also direkt mit. Wie stark das Land die reife Fertigung stützt, zeigt schon der Vorlauf: Erst im August meldete der Konzern, dass er seinen Gewinn im Kerngeschäft der reifen Chips vervierfacht hat.
Warum reife Chips statt Spitzenchips?
Der Grund liegt in den Exportkontrollen. Für die modernsten Chips unterhalb von sieben Nanometern fehlen China die EUV-Belichter, die westliche Sanktionen sperren. Reife Spezialprozesse ab 28 Nanometer lassen sich dagegen mit verfügbaren Anlagen bauen, weshalb Peking sein Kapital genau dorthin lenkt.
Diese Chips stecken nicht im Smartphone-Prozessor, sondern in Ladereglern, Motorsteuerungen und Sensoren. Leistungshalbleiter und eingebettete Speicher machten 2024 zusammen fast 57 Prozent von Hua Hongs Umsatz aus. Die Nachfrage treibt vor allem die Elektromobilität, denn Chinas Autobauer verbauen zunehmend eigene Chips, wie zuletzt BYD mit seinem 4D-Radarchip. Auch die heimischen Ausrüster holen auf, wie der Fall Naura zeigt.
Reife Chips sind das unspektakuläre Rückgrat der Elektromobilität. Eine staatlich finanzierte Massenfertigung in Wuxi drückt über kurz oder lang die Preise dort, wo Europas Zulieferer noch verdienen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Für europäische Hersteller trifft der Ausbau eine offene Flanke. Infineon und STMicroelectronics erwirtschaften einen großen Teil ihres Umsatzes mit genau diesen reifen Leistungs- und Analogchips. Schon 2021 stoppte nicht ein Mangel an Spitzenchips die deutschen Bänder, sondern der an simplen reifen Bauteilen.
Die EU-Kommission untersucht deshalb bereits die Abhängigkeit von chinesischen Standardchips und eine drohende Überkapazität. Für Einkäufer im Mittelstand heißt das zweierlei: die Bezugsquellen für Strom- und Analogbauteile breiter aufstellen und die Preisentwicklung beobachten, bevor günstige China-Chips zum einzigen Angebot werden. Wie sehr Exportschranken die Lieferketten neu ordnen, zeigt auch Chinas GPU-Bauer Biren.
Kurzfristig ändert sich für deutsche Firmen wenig, doch die Weichen werden jetzt gestellt. Ein zweiter Lieferant für kritische Leistungshalbleiter ist die günstigste Versicherung gegen den nächsten Engpass.
Quelle
[1] Hua Hong Grace: Pflichtmitteilung zur Kapitalerhöhung der Wuxi-Projektgesellschaft (Börse Shanghai, Kürzel 688347)
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