Loongson sammelt an der Börse bis zu 2,3 Milliarden Yuan ein, rund 294 Millionen Euro. Das Geld fließt in eigene Prozessoren und die erste hauseigene Grafikeinheit. Der Reiz liegt im Befehlssatz LoongArch, der ohne Lizenz von Intel, AMD oder ARM auskommt. Für europäische Einkäufer wächst so ein zweites Chip-Ökosystem heran, das eigene Software und eigene Standards mitbringt.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Am 31. August beantwortete Loongson die Nachfragen der Shanghaier Börse zur geplanten Kapitalerhöhung. Die Prüfer wollten wissen, ob die 2,3 Milliarden Yuan wirklich neue Technik finanzieren. Die Antwort des Konzerns fällt bemerkenswert nüchtern aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Loongson platziert Aktien für bis zu 2,3 Milliarden Yuan, rund 294 Millionen Euro (Stand 1. September 2026).
  • Das Geld fließt in CPUs, die erste eigene general-purpose GPU und einen Chip auf einem neuen Fertigungsprozess.
  • Kern ist der eigene Befehlssatz LoongArch, unabhängig von den Lizenzmodellen von x86 und ARM.
  • Gegenüber der Börse spricht Loongson von Weiterentwicklung, nicht von völlig neuen Produkten.

Wofür sammelt Loongson das Geld ein?

Prozessor-Chip mit handschriftlichen Etiketten Marke Eigenbau und 294 Mio. € auf weißem Grund
Loongson investiert 124 Millionen Euro in Chip-Entwicklung auf neuem Prozess, 62 Millionen in CPUs und 46 Millionen in erste eigene GPU

Vier Töpfe teilen sich die Platzierung. Den größten Posten, rund 124 Millionen Euro (971 Millionen Yuan), steckt Loongson in einen Chip auf einem neuen, nicht näher benannten Fertigungsprozess, den das Unternehmen intern „Xnm“ nennt. Weitere 62 Millionen Euro (485 Millionen Yuan) fließen in die CPU-Entwicklung, 46 Millionen Euro (360 Millionen Yuan) in die erste eigene general-purpose GPU, den Rest bildet Betriebskapital. Die Aufschlüsselung nannte das Finanzportal Cailianshe.[1]

Was macht den eigenen Befehlssatz so wichtig?

LoongArch ist Loongsons hauseigene Befehlssatzarchitektur. Anders als chinesische Wettbewerber, die auf x86 von Intel und AMD oder auf ARM-Lizenzen bauen, kontrolliert Loongson den Bauplan seiner Chips selbst und hängt damit an keiner ausländischen Lizenz. Genau diese Unabhängigkeit treibt Pekings Halbleiterstrategie, seit die US-Exportkontrollen den Zugang zu Nvidia-Beschleunigern kappen.

Marktreif ist bislang die 6000-Reihe: Die Serverchips erreichen nach Unternehmensangaben das Niveau von Intels Xeon-Prozessoren, der Desktop-Chip 3A6000 verkaufte sich über eine Million Mal. Die eigene Grafikeinheit trägt den Namen 9A1000 und steckt noch in der Funktionsverifikation. Auf dem GPU-Markt drängt zugleich Biren nach, dessen Umsatz ohne Nvidia-Konkurrenz sprunghaft steigt. Ein solcher Alleingang beim Befehlssatz bleibt selten: Selbst IBM kombiniert im Mainframe lieber zwei etablierte Architekturen, statt eine dritte zu erfinden.

Ein eigener Befehlssatz ist Loongsons stärkstes Pfund und zugleich seine schwerste Last. Die Freiheit von westlichen Lizenzen erkauft der Konzern mit einer eigenen Portierung für jede Software.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Europa?

Ein zweiter Kosmos entsteht. Während Europa mit RISC-V und der European Processor Initiative auf einen offenen Standard setzt, baut China mit LoongArch eine geschlossene, firmeneigene Architektur auf. Europäische Unternehmen, die im chinesischen Markt Software oder Geräte betreiben, müssen künftig womöglich eine LoongArch-Variante mitpflegen.

Nüchterner Blick auf die Lieferkette lohnt sich deshalb für Einkäufer und IT-Verantwortliche: Sie sollten wissen, wo ihre Produkte an chinesischer Hardware hängen und wie schnell Chinas Leistungshalbleiter in der globalen Rangordnung vorrücken. Loongsons zurückhaltende Antwort an die Börse, der Konzern spreche von Weiterentwicklung statt von völlig neuer Technik, zeigt zugleich, wie weit der Weg zum weltweiten Spitzenniveau noch ist.[2]

Loongsons Kapitalerhöhung im Detail
Wohin die 2,3 Milliarden Yuan (rund 294 Millionen Euro) fließen
bis zu 294 Mio. €
Gesamtvolumen der Aktienplatzierung (2,3 Mrd. Yuan)
124 Mio. €
Chip auf dem neuen Xnm-Fertigungsprozess (971 Mio. Yuan)
62 Mio. €
Weiterentwicklung der eigenen CPUs (485 Mio. Yuan)
46 Mio. €
Erste hauseigene general-purpose GPU (360 Mio. Yuan)
9A1000
Name der eigenen GPU, aktuell in der Funktionsverifikation

Quellen

[1] Cailianshe (财联社): „Loongson legt Kapitalerhöhung über 2,3 Milliarden Yuan auf, Schwerpunkt CPU und GPU“

[2] NBD (每日经济新闻): „Loongson beantwortet Börsen-Nachfrage zur 2,3-Milliarden-Kapitalerhöhung: Mittel für CPU- und GPU-Entwicklung, keine völlig neuen Produkte“

Mehr Newshunger?

4,6 16 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?