Vossloh verdient sein Geld mit Schwellen, Weichen und Schienenbefestigungen. Seit dem 15. September 2026 gehört mit dem australischen Ultraschall-Spezialisten RTI schon die zweite Diagnosefirma binnen weniger Wochen zum Konzern. Der Bahntechnik-Zulieferer baut damit eine Datensparte, die Schäden in der Schiene früh erkennt und teure, ungeplante Gleissperrungen vermeidet.

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Vossloh setzt seine digitale Einkaufstour fort. Nach dem britischen LiDAR-Anbieter Cordel im August übernimmt der Konzern nun Rail Technology International, kurz RTI, aus Melbourne. Beide Zukäufe zielen auf dasselbe: den Zustand von Gleisen automatisch und laufend zu messen, statt ihn per Sichtkontrolle zu schätzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • RTI aus Melbourne, gegründet 1988 und mit rund 50 Beschäftigten, misst Schienenschäden per Ultraschall und Wirbelstrom, auch tief unter der Lauffläche.
  • Der Kauf folgt auf Cordel. Zusammen erfassen beide Firmen die Schiene von außen und von innen.
  • Vossloh verschiebt sein Geschäft vom einmaligen Hardware-Verkauf zu wiederkehrenden Datendiensten.
  • Für Bahnbetreiber im DACH-Raum zielt die Technik auf weniger unplanmäßige Sperrungen im überlasteten Netz.

Was bringt Vossloh der Kauf von RTI?

Modellfahrzeug auf Schiene mit Aufklebern „DIAGNOSE“ und „SCHIENE GEKEHRT“
RTI-Sensoren prüfen Schienen mit Ultraschall und Wirbelstrom auf innere Risse, bevor diese sichtbar werden. Die Software wertet Messdaten aus

Tiefenblick ins Metall: RTI durchleuchtet die Schiene mit Ultraschall und Wirbelstrom. So findet der Anbieter Risse im Inneren und dicht unter der Lauffläche, lange bevor sie an der Oberfläche sichtbar werden.[1] Eine eigene Software wertet die Messungen aus. Die Sensorik läuft auf Zweiwegefahrzeugen, Inspektionszügen oder handgeführten Wagen.

Ergänzung zu Cordel: Der im August gekaufte LiDAR-Anbieter vermisst die Geometrie und das Umfeld des Gleises per Laser, also alles oberhalb des Stahls. RTI liefert den Blick ins Material. Erst zusammen ergeben die beiden Zukäufe eine durchgehende Diagnose, wie sie Vossloh mit dem Wandel vom Schienenbefestiger zum Datendienstleister angekündigt hatte.

Warum kauft ein Schwellen-Hersteller Diagnose-Firmen?

Weg vom Zyklus: Schwellen, Weichen und Befestigungen bringen Umsatz im Projekttakt, abhängig von Ausschreibungen und Bauzyklen. Datendienste dagegen laufen dauerhaft und werfen höhere Margen ab. Ein Zulieferer mit laufenden Zustandsdaten bleibt zudem als Lieferant gesetzt. Die Halbjahreszahlen zeigen, wie stark das Kerngeschäft läuft: Der Umsatz stieg um 21,9 Prozent auf 710,1 Millionen Euro, der Auftragsbestand erreichte zum 30. Juni 2026 mit 1,14 Milliarden Euro einen Rekord.[2] Aus diesen Rekordzahlen finanziert der Konzern den Umbau.

Ein Muster im Mittelstand: Vossloh steht nicht allein. Knorr-Bremse verkauft mit den digitalen Stellwerken die Technik, die der Bahn fehlt, und bei Haribo überwacht vorausschauende Wartung längst die Fördertechnik im Lager. Deutsche Industriezulieferer kaufen sich reihenweise in das Datengeschäft ein, weil der reine Teileverkauf an Grenzen stößt.

Vossloh verkauft künftig nicht mehr nur das Gleis, sondern das Wissen über seinen Zustand. Dieser Schritt vom Bauteil zur Dateninfrastruktur entscheidet, welche Industriezulieferer die nächsten zehn Jahre überstehen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für die Bahn im DACH-Raum?

Sanierung unter Druck: Das deutsche Netz ist überlastet, und die Generalsanierung der Korridore kommt langsamer voran als geplant. Jede ungeplante Sperrung wegen eines Schienenbruchs verschärft die Lage. Die Zustandsmessung greift genau dieses Problem auf: Ein früh erkannter Riss lässt sich in einer ohnehin gebuchten Sperrpause beheben, statt den Betrieb unvorhergesehen lahmzulegen.

Konkret für Betreiber: Infrastrukturverantwortliche sollten prüfen, ob sich datenbasierte Zustandsmessung in ihre Instandhaltung einfügt, statt weiter im festen Turnus zu inspizieren. Offen bleibt, wie schnell Vossloh beide Zukäufe technisch verzahnt, denn erst eine gemeinsame Datenbasis macht aus Messwerten eine belastbare Prognose.

Zwei Zukäufe, eine Datensparte
Wie Vossloh 2026 vom Bauteil-Lieferanten zum Diagnose-Dienstleister wird
15.09.2026
Übernahme von RTI aus Melbourne abgeschlossen, gegründet 1988, rund 50 Beschäftigte
≈ 33 Mio. €
Kaufpreis für den britischen LiDAR-Spezialisten Cordel im August 2026
710,1 Mio. €
Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 21,9 Prozent
1,14 Mrd. €
Rekord-Auftragsbestand zum 30. Juni 2026, rund 5.500 Beschäftigte

Quellen

[1] Vossloh AG: „Vossloh ergänzt digitales Portfolio mit RTI“

[2] Vossloh AG: „Rekordauftragsbestand zum Halbjahr 2026“

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