Vossloh schleift die Schienen der Deutschen Bahn bei rund 80 Stundenkilometern, mitten im laufenden Fahrplan. Seit 2023 kamen so 40.000 Kilometer Gleis zusammen, ganz ohne Streckensperrung. Jetzt verlängert die DB InfraGO den Vertrag. Der eigentliche Gewinn steckt dabei nicht im Preis, sondern in der frei gewordenen Kapazität.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVorbeugende Schienenpflege klingt nach Wartungsroutine, entscheidet aber über die Pünktlichkeit im ganzen Netz. Die DB InfraGO hat ihren Rahmenvertrag mit dem Werdohler Bahntechnik-Konzern Vossloh am 8. September 2026 um ein weiteres Jahr verlängert. Grund ist eine Methode, die den Verschleiß beseitigt, bevor daraus eine Langsamfahrstelle wird.
Das Wichtigste in Kürze
- 40.000 Kilometer Gleis hat Vossloh seit 2023 im hochbelasteten DB-Netz geschliffen, ohne eine einzige Sperrung.
- Über 4.800 zusätzliche Stunden Netzkapazität sind entstanden, weil die Arbeit im normalen Fahrplan läuft.
- Bis zu 100 Prozent länger halten regelmäßig gepflegte Schienen, der Rolllärm sinkt um bis zu zehn Dezibel.
- Die DB InfraGO verlängert den Rahmenvertrag um ein Jahr, zum finanziellen Volumen schweigt Vossloh.
Was macht das Hochgeschwindigkeitsschleifen anders?

Das Hochgeschwindigkeitsschleifen trägt bei etwa 80 Stundenkilometern eine hauchdünne Schicht vom Schienenkopf ab und glättet ihn wieder. Vorbeugung statt Reparatur lautet das Prinzip: Der Schleifzug entfernt feine Risse und Riffel, lange bevor daraus tiefe Schäden werden. Klassisches Schleifen und Fräsen setzt dagegen bei bereits geschädigten Schienen an, kriecht im Schritttempo über das Gleis und braucht eine gesperrte Strecke. Vossloh fährt seine Züge stattdessen zwischen den regulären Verbindungen durch. Der Werdohler Konzern hat sich in den vergangenen Jahren vom reinen Schienenbefestiger zum Instandhalter gewandelt, der die Gleise zugleich vermisst und die Daten per Software auswertet.
Warum zählt am Ende die Kapazität, nicht der Kilometerpreis?
Der eigentliche Hebel liegt in der Zeit, die das Verfahren freihält. 4.800 Stunden Kapazität hat die Arbeit im laufenden Fahrplan seit 2023 zusätzlich verfügbar gemacht, weil keine Sperrpause den Betrieb unterbricht. Auf einem Netz an der Belastungsgrenze wiegt eine gewonnene Trasse oft schwerer als jeder Rabatt auf den Kilometer. Regelmäßig gepflegte Schienen halten zudem bis zu doppelt so lange, und der Rolllärm sinkt um bis zu zehn Dezibel.[1] Zum Geld schweigt Vossloh, was den Blick auf die richtige Kennzahl lenkt: die Verfügbarkeit.
Im überlasteten Bahnnetz ist die vermiedene Sperrung wertvoller als der geschliffene Kilometer. Vossloh verkauft der Bahn keine Wartung, sondern zurückgewonnene Fahrplanzeit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für ein Netz im Sanierungsstau?
Deutschlands Schienennetz leidet unter Jahrzehnten aufgeschobener Instandhaltung, die die DB mit der milliardenschweren Generalsanierung ganzer Korridore aufholen will. Vorbeugende Pflege dreht die Logik um und erhält die Substanz, statt sie verfallen zu lassen und dann teuer zu erneuern. Zustandsbasierte Wartung betrifft damit längst nicht nur die Bahn. Ob Schienen, Lkw-Flotten oder Maschinenparks, der Wechsel von der Reparatur auf Verschleiß zur datengestützten Vorbeugung entscheidet über Ausfallzeiten und Betriebskosten. Für Entscheider mit anlagenintensivem Betrieb lohnt der Blick auf jene Kennzahl, die Vossloh und die DB in den Vordergrund rücken: nicht die Reparaturkosten, sondern die Verfügbarkeit der Anlage.
Eine klare Ansage steckt in dem Vertrag: Anlagen im laufenden Betrieb zu pflegen, statt sie im Stillstand zu reparieren, gewinnt Zeit zurück. Prüfen Sie, wo sich reaktive Wartung durch zustandsbasierte Vorbeugung ersetzen lässt, und rechnen Sie den Nutzen in vermiedener Ausfallzeit, nicht allein in gesparten Reparaturkosten.
Häufige Fragen zur Schienenpflege
Was ist Hochgeschwindigkeitsschleifen bei der Bahn?
Hochgeschwindigkeitsschleifen ist eine vorbeugende Schienenpflege, bei der ein Spezialzug mit rund 80 Stundenkilometern über das Gleis fährt und dabei eine hauchdünne Schicht vom Schienenkopf abträgt. So verschwinden feine Risse und Riffel, bevor daraus tiefe Schäden werden.
Warum muss die Bahn dafür keine Strecke sperren?
Das Verfahren läuft bei Betriebsgeschwindigkeit und passt zwischen die regulären Verbindungen. Klassisches Schleifen und Fräsen kriecht im Schritttempo und braucht eine gesperrte Strecke. Seit 2023 hat Vossloh so 40.000 Kilometer bearbeitet, ohne eine einzige Sperrung.
Was bringt vorbeugende Schienenpflege wirtschaftlich?
Der Nutzen steckt in der Verfügbarkeit: Über 4.800 zusätzliche Stunden Netzkapazität sind seit 2023 entstanden. Regelmäßig gepflegte Schienen halten bis zu doppelt so lange, der Rolllärm sinkt um bis zu zehn Dezibel. Die richtige Kennzahl ist die vermiedene Ausfallzeit, nicht der Reparaturpreis.
Quelle
[1] Vossloh AG: „DB setzt weiter auf Hochgeschwindigkeitsschleifen“ (Pressemitteilung, 8. September 2026)
Mehr Newshunger?
- Bahn-Generalsanierung: Korridore gehen künftig in Etappen ans Netz
- Vossloh meldet Rekordaufträge und senkt trotzdem die Prognose
- Kontron gewinnt die Bahnfunk-Aufträge für Rumäniens EU-Korridor
- Ein Viertel für die Konkurrenz: Warum die Deutsche Bahn gegen die Netzagentur klagt
- 700 Millionen Euro fürs Servicenetz: MAN rüstet die Werkstatt für den E-Lkw