Porsche SE, die Holding hinter Volkswagen und Porsche AG, hat sich am 8. September 2026 an dem US-Raketen-Start-up Stoke Space beteiligt. Nach dem Einstieg beim bayerischen Anbieter Isar Aerospace ist das die zweite Wette der Wolfsburger Familienholding auf den Zugang zum All. Der Zeitpunkt fällt mitten in Europas Abhängigkeit von SpaceX, das den Großteil europäischer Satelliten ins All bringt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Porsche SE investiert einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in Stoke Space, Teil einer Series-E-Runde über rund 870 Millionen Euro.
  • Stoke Space entwickelt die Rakete Nova, deren beide Stufen wiederverwendbar sein sollen. Der Erstflug ist für Anfang 2027 geplant.
  • Für Entscheider zählt weniger die Rakete als die Frage, wer künftig den Preis für europäische Satellitenstarts bestimmt.

Was Porsche SE bei Stoke Space kauft

Keramikrakete als Spardose mit Leiter und Anhänger
Porsche SE beteiligt sich mit niedrigem zweistelligen Millionenbetrag an Series-E-Finanzierung von Stoke Space über 870 Millionen Euro

Die Beteiligung läuft über einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag und ist Teil einer Series-E-Finanzierung, in der Stoke Space Anfang September 2026 rund 870 Millionen Euro (eine Milliarde US-Dollar) einsammelte.[1] Angeführt haben die Runde die Investoren Point72 Ventures und Spark Capital. Porsche SE stieg zum Teil über Incharge Capital Partners ein, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Beteiligungsgesellschaft DTCP.

Vorstandschef Hans Dieter Pötsch begründet den Schritt mit dem technischen Ansatz des Start-ups: „Stoke Space verfolgt einen einzigartigen, sehr vielversprechenden technologischen Ansatz und verfügt über eines der weltweit führenden Expertenteams im Bereich der Raketenentwicklung. Das macht es zu einem hochattraktiven Investment.“ Für die Holding gehört der Einstieg zum Umbau vom reinen VW-Großaktionär zur breit gestreuten Investmentplattform.

Warum volle Wiederverwendbarkeit den Preis drückt

Den Unterschied macht die zweite Stufe. Die Falcon 9 von SpaceX landet heute nur ihren Booster, also die erste Stufe; die Oberstufe verglüht bei jedem Start. Genau diese teure Einweg-Komponente will Stoke Space einsparen und beide Stufen zurückholen. Wie stark der Preis pro Start an der Wiederverwendung hängt, zeigt die Kostenrechnung hinter jedem Falcon-9-Flug.

Vollständig wiederverwendbar ist bislang keine Rakete im aktiven Betrieb; selbst SpaceX verfolgt dieses Ziel erst mit dem noch in der Erprobung befindlichen Starship. Gelingt Stoke Space der Erstflug der Nova Anfang 2027, rückt ein zweiter Anbieter mit diesem Anspruch nach. Bis dahin bleibt die Technik ein Versprechen, keine Betriebsbilanz.

Porsche SE kauft sich nicht in eine einzelne Rakete ein, sondern in die Frage, wer künftig den Preis für den Weg ins All bestimmt. Beide Stufen zurückzuholen, statt die Oberstufe zu verglühen, zwingt die halbe Branche zu einer neuen Kostenrechnung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was das für Europas Zugang zum All bedeutet

Europa startet seine Satelliten derzeit überwiegend auf SpaceX-Raketen, weil eigene Kapazitäten fehlen oder sich verspäten. Diese Abhängigkeit zeigt sich auch daran, dass Europas eigenes Satelliten-Breitband erst später kommt, wie der Blick auf das Starlink-Bordnetz der Lufthansa und die verzögerte europäische Antwort deutlich macht. Ein europäisches Konsortium baut mit IRIS² zwar ein eigenes souveränes Satellitennetz, doch der zuverlässige, günstige Start bleibt der Engpass.

In diese Lücke stößt Porsche SE. Mit der Beteiligung an Stoke Space und zuvor an Isar Aerospace, das jüngst Satelliten in den Orbit brachte, setzt die Holding auf zwei Zugänge zur Startinfrastruktur. Für deutsche Investoren und Familienunternehmen wird Raumfahrt so zur Anlageklasse, die aus dem Nischendasein rückt: vom Staatsprojekt zum Beteiligungsfeld. Die Kostenkurve künftiger Starts entscheidet sich im Wiederverwendungs-Rennen zwischen SpaceX, Isar Aerospace und Stoke Space.

Porsche SEs zweite Wette auf die Rakete
Die Beteiligung an Stoke Space in Zahlen (Stand: 8. September 2026)
≈ 870 Mio. €
Volumen der Series-E-Runde insgesamt, rund eine Milliarde US-Dollar
2 von 2
Raketenstufen, die Stoke Space bei der Nova wiederverwenden will
Anfang 2027
geplanter Erstflug der Rakete Nova
2
Raumfahrt-Beteiligungen von Porsche SE seit 2021, nach Isar Aerospace
Volle Wiederverwendbarkeit: Die Falcon 9 birgt heute nur die erste Stufe, die Oberstufe verglüht bei jedem Start. Nova soll beide Stufen zurückbringen und damit die teuerste Einweg-Komponente einsparen.

Für die eigene Strategie heißt das konkret: Behalten Sie die Startpreise der nächsten zwei Jahre im Blick, statt allein auf einen Anbieter zu setzen. Der Erstflug der Nova Anfang 2027 zeigt, ob aus dem Versprechen der vollen Wiederverwendbarkeit ein zweiter belastbarer Anbieter wird.

Quelle

[1] Porsche SE: „Porsche SE beteiligt sich an US-Raumfahrtunternehmen Stoke Space“

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