SpaceX legt die erste Bilanz nach dem Börsengang vor und überrascht mit der Herkunft des Geldes. Ein Drittel des Quartalsumsatzes von rund 6,8 Milliarden Euro stammt aus vermieteter KI-Rechenleistung, nur ein schrumpfender Rest aus Raketenstarts. Der Umsatz verdoppelte sich, der Konzern schreibt dennoch 471 Millionen Euro Verlust.

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SpaceX galt jahrelang als Raketenfirma mit einem lukrativen Satelliten-Anhängsel. Die erste Quartalsbilanz als börsennotiertes Unternehmen dreht dieses Bild um, denn das stärkste Wachstum kommt inzwischen aus einer Sparte, die Rechenzentren an KI-Konzerne vermietet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Quartalsumsatz stieg um 92 Prozent auf rund 6,8 Milliarden Euro und lag deutlich über den Erwartungen der Analysten.
  • Starlink steuert 55 Prozent bei, die KI-Rechenleistung 33 Prozent, die Raketenstarts nur noch den kleinsten Teil.
  • Die Investitionen sprangen auf knapp 16 Milliarden Euro im Quartal, davon rund 13,8 Milliarden in KI-Infrastruktur.
  • Trotz Rekordumsatz bleibt ein Nettoverlust von 471 Millionen Euro.

Warum verdient eine Raketenfirma an KI?

Hand hält Raketenmodell über Server-Stapel mit „zu vermieten“-Etikett vor weißem Hintergrund
SpaceX vermietet KI-Rechenzentren bei Memphis an Anthropic und Google und sichert sich vor dem Börsengang lukrative Cloud-Verträge

Die KI-Sparte von SpaceX ging aus dem übernommenen KI-Start-up xAI hervor. Zwei Rechenzentren bei Memphis, ursprünglich für das Training eigener Modelle gebaut, vermietet SpaceX heute als Rechenleistung an Dritte. Kurz vor dem Börsengang sicherte sich das Unternehmen Cloud-Verträge mit Anthropic und Google.[1]

Das Muster ist aus der Cloud-Branche bekannt. Anbieter wie CoreWeave oder Oracle verdienen daran, teure Grafikprozessoren zu kaufen und deren Rechenzeit an KI-Firmen weiterzuvermieten. SpaceX steigt mit seinem Überschuss an Rechenkapazität in dasselbe Geschäft ein.

Was steckt hinter dem Verlust trotz Rekordumsatz?

Der Verlust hat einen einfachen Grund: SpaceX gibt das Geld aus, bevor es hereinkommt. Allein im Quartal flossen knapp 16 Milliarden Euro in Investitionen, davon rund 13,8 Milliarden in KI-Rechenzentren. Diese Vorleistungen belasten die Bilanz sofort, während die passenden Umsätze erst anlaufen.

Finanzchef Bret Johnsen verwies auf vertraglich gesicherte Cloud-Umsätze von 6,7 Milliarden Dollar (rund 5,8 Milliarden Euro), die ab Oktober anlaufen. Firmenchef Elon Musk stellte für Dezember einen wiederkehrenden Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar (rund 87 Milliarden Euro) in Aussicht: „Das erreichen wir, selbst wenn wir praktisch nichts mehr tun.“[2]

SpaceX finanziert seine Marsträume neuerdings mit Mietservern für fremde KIs. Europas KI-Firmen sollten genau wissen, in wessen Rechenzentren ihre Modelle künftig rechnen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für europäische Entscheider?

Für Unternehmen in der DACH-Region verschiebt sich damit eine Machtfrage. Ein weiterer US-Konzern kontrolliert nun knappe KI-Rechenkapazität, von der auch europäische Anbieter abhängen. Europäische Firmen, die Modelle trainieren oder betreiben, mieten die nötige Rechenzeit fast immer bei einer Handvoll amerikanischer Konzerne.

Die Konzentration verschärft die Debatte um digitale Souveränität in der KI-Branche. Ein Blick auf die größten Rechenzentren in Deutschland zeigt, wie begrenzt die heimischen Alternativen bislang sind. Bei der Planung der eigenen KI-Infrastruktur zählen deshalb Standort, Vertragslaufzeiten und Ausweichanbieter, damit die Bindung an einen einzigen Compute-Lieferanten nicht zur Falle wird.

SpaceX-Quartalsbilanz: Wohin das Geld fließt
Erstes Quartal als börsennotiertes Unternehmen, alle Werte in Euro
6,8 Mrd. €
Quartalsumsatz, plus 92 Prozent zum Vorjahr
13,8 Mrd. €
Investitionen in KI-Rechenzentren im Quartal
471 Mio. €
Nettoverlust trotz Rekordumsatz
12 Mio.
Starlink-Kunden, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor
Woher der Umsatz kommt
Starlink
55 %
KI-Rechenleistung
33 %
Raketenstarts u. a.
12 %

SpaceX zeigt, wie die Grenzen zwischen Raumfahrt, Satellitenfunk und KI-Cloud verschwimmen. Deutsche Entscheider sollten die Herkunft ihrer Rechenleistung künftig genauso prüfen wie den Preis, denn eine einmal eingegangene Abhängigkeit lässt sich nachträglich nur schwer auflösen.

FAQ: SpaceX macht ein Drittel seines Umsatzes mit KI-Cloud statt mit Raketen

Wie viel Umsatz macht SpaceX mit KI?

Rund ein Drittel des Quartalsumsatzes stammt aus der KI-Sparte, das entspricht etwa 2,3 Milliarden von 6,8 Milliarden Euro. Die Sparte vermietet Rechenleistung an Konzerne wie Anthropic und Google. Starlink bleibt mit 55 Prozent der größte Posten.

Warum macht SpaceX trotz Rekordumsatz Verlust?

SpaceX investierte im Quartal knapp 16 Milliarden Euro, davon rund 13,8 Milliarden in KI-Rechenzentren. Diese Vorleistungen belasten das Ergebnis sofort, während die Cloud-Umsätze erst später anlaufen. Daraus ergibt sich der Nettoverlust von 471 Millionen Euro.

Wie viele Starlink-Kunden hat SpaceX?

Starlink zählt nach eigenen Angaben 12 Millionen Kunden, doppelt so viele wie ein Jahr zuvor und 17 Prozent mehr als im Vorquartal. Die Sparte steuert 55 Prozent zum Konzernumsatz bei und bleibt damit das wichtigste Standbein.

Was bedeutet das KI-Geschäft von SpaceX für europäische Unternehmen?

Ein weiterer US-Konzern kontrolliert damit knappe KI-Rechenkapazität. Europäische Anbieter, die Rechenzeit mieten, geraten stärker in Abhängigkeit von wenigen amerikanischen Firmen. Das verschärft die Debatte um digitale Souveränität und Ausweichoptionen.

Ist SpaceX seit dem Börsengang profitabel?

Nein. Im ersten Quartal als börsennotiertes Unternehmen verdoppelte SpaceX zwar den Umsatz auf rund 6,8 Milliarden Euro, schrieb aber einen Nettoverlust von 471 Millionen Euro bei negativer operativer Marge. Der Gewinn hängt am Anlaufen der Cloud-Verträge.

Quellen

[1] TechCrunch: „SpaceX doubles revenues on Anthropic and Google compute deals, Starlink growth“

[2] CNBC: „SpaceX earnings takeaways: Soaring AI costs outweigh revenue beat in first report since IPO“

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