Hensoldt richtet bei Stuttgart ein neues Kompetenzzentrum für Software-Defined Defence ein und besetzt die rund 300 Stellen vorrangig mit Entwicklern aus der Autoindustrie. Der Rüstungselektronik-Konzern mietet dafür ein leerstehendes Gebäude auf dem Bosch-Gelände in Leinfelden-Echterdingen. Ausgerechnet der Stellenabbau beim Zulieferer liefert damit die Software-Fachkräfte für vernetzte, jederzeit aktualisierbare Waffensysteme.

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Rund 300 neue Stellen entstehen bis Ende 2027 in Leinfelden, in Räumen, die Bosch gerade räumt. Bewerben dürfen sich Fachleute aus Systementwicklung, Softwareentwicklung und Elektrotechnik, also genau die Profile, die der Autozulieferer im Umbau abbaut. Hinter dem Einzug steckt mehr als ein günstiger Mietvertrag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hensoldt errichtet in Leinfelden-Echterdingen ein Kompetenzzentrum für Software-Defined Defence and Engineering.
  • Rund 300 Stellen sollen bis Ende 2027 entstehen, der Einzug in das Bosch-Gebäude ist bis Ende 2026 geplant.
  • Zielgruppe sind Bosch-Beschäftigte aus Systementwicklung, Softwareentwicklung und Elektrotechnik.
  • In Leinfelden entsteht Hensoldts Multi-Domain-Software MDOcore.

Warum wandert Autosoftware in die Rüstung?

Pappkarton mit Aufschrift „Neuer Job 2026“ und einer Satellitenschüssel obenauf vor weißem Grund
Autoindustrie im Umbruch: BMW baut 8.000 Verwaltungsstellen ab, Bosch plant bis zu 22.000 Stellenabbau in der Mobility-Sparte und bietet Umschulungsprogramme an

Die Autoindustrie steckt im tiefsten Umbau seit Jahrzehnten, und Hensoldt macht sich das zunutze. Bei BMW fallen 8.000 Stellen in der Verwaltung weg. Bosch hat für die Sparte Mobility bis zu 22.000 Stellen zum Abbau angekündigt und stellt für den Übergang zu Hensoldt Qualifizierungs- und Vermittlungsprogramme bereit.

Die Fachkräfte passen fast nahtlos. Ein moderner Wagen ist längst ein Rechner auf Rädern, und die Chips dafür kommen von Zulieferern wie Elmos, der trotz Sparzwang der Autobauer 24 Prozent Marge hält. Fachleute für Steuergeräte, Sensorfusion und Over-the-Air-Updates bringen genau die Kompetenzen mit, die vernetzte Verteidigungssysteme verlangen.

Was steckt hinter Software-Defined Defence?

Software-Defined Defence dreht das klassische Rüstungsprinzip um. Nicht die Hardware bestimmt, was ein System kann, sondern die Software an Bord lässt sich jederzeit an neue Bedrohungen anpassen.[1] Hensoldt verkürzt die Entwicklungszyklen so von Jahren auf Wochen und liefert neue Funktionen per DevSecOps und containerisierten Microservices nach.

Denselben Weg gehen die Autobauer bereits. Volkswagen holt sich die Elektronik-Architektur für seine E-Autos vom chinesischen Partner Xpeng, weil eine zentrale Software-Plattform Modelle schneller reifen lässt. Auch die Rückkehr der physischen Tasten bei Mercedes zeigt, wie sehr das Cockpit inzwischen von Software lebt. In Leinfelden entsteht künftig Hensoldts Multi-Domain-Software MDOcore, die Sensoren und Effektoren über Land, Luft, See und Cyber verbindet.

Hensoldt kauft in Leinfelden kein Gebäude, sondern eine fertige Ingenieurskultur, die zwanzig Jahre Software im Auto gelernt hat. Für den Standort Baden-Württemberg ist das ein Trostpflaster, kein Wachstum: Dieselben Leute bauen künftig Radar statt Bremsassistenten.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Von der Autokrise ins Rüstungslabor
Woher Hensoldts 300 neue Entwickler in Leinfelden kommen
rund 300
neue Stellen bei Hensoldt bis Ende 2027
bis zu 22.000
Stellen im Abbau bei Bosch in der Sparte Mobility
Wochen
Software-Defined Defence verkürzt Entwicklungszyklen von Jahren auf Wochen
rund 1.600
geplante Neueinstellungen bei Hensoldt im Jahr 2026

Was heißt das für Standort und Regeln?

Für Baden-Württemberg ist der Wechsel ein zweischneidiges Signal. Die Region hält Ingenieurwissen, das sonst abwandern würde, verliert aber Arbeitsplätze in der zivilen Wertschöpfung. Hensoldt plant für 2026 rund 1.600 Neueinstellungen und reiht sich in einen Rüstungsboom ein, den auch Rheinmetalls Vorstoß in den Marineschiffbau zeigt.

Für Zulieferer und ihre Beschäftigten lohnt der genaue Blick. Prüfen Sie früh, welche Software-Kompetenzen sich in Dual-Use-Felder übertragen lassen, und kalkulieren Sie die schärferen Exportkontrollen für Verteidigungsgüter ein. Wie stark am Ende die Energiefrage die Standortwahl mitentscheidet, führt der AKW-Stopp in Ungarn den Werken von BMW und Mercedes gerade vor.

Warum holt Hensoldt Bosch-Mitarbeiter?

Hensoldt sucht für sein neues Zentrum in Leinfelden-Echterdingen rund 300 Software- und Elektronikfachleute. Bosch baut in der Autozuliefersparte massiv Stellen ab, deshalb passen die frei werdenden Profile aus Systementwicklung, Softwareentwicklung und Elektrotechnik direkt auf Hensoldts Bedarf.

Was bedeutet Software-Defined Defence?

Software-Defined Defence beschreibt Verteidigungssysteme, deren Fähigkeiten sich über Software ändern lassen statt über neue Hardware. Neue Sensoren, Datenquellen oder Funktionen kommen per Update dazu. Hensoldt verkürzt so die Entwicklungszyklen von Jahren auf Wochen.

Wann startet das Hensoldt-Zentrum in Leinfelden?

Der Einzug in das leerstehende Bosch-Gebäude in Leinfelden-Echterdingen ist bis Ende 2026 geplant. Rund 300 Stellen sollen bis Ende 2027 besetzt sein. Dort entwickelt Hensoldt unter anderem seine Multi-Domain-Software MDOcore.

Quelle

[1] Hensoldt: „Software-Defined Defence“

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