Der KI-Entwickler Zhipu stellt sein GLM-Coding-Abo ab sofort in einen Tmall-Shop, in dem Entwickler Punkte wie Prepaid-Guthaben aufladen. Der Lite-Tarif kostet 118 Yuan im Monat, rund 15 Euro. Die Pakete laufen direkt in Claude Code, Cursor und Cline. Im selben Halbjahr steht ein Nettoverlust von 2,07 Milliarden Yuan, etwa 265 Millionen Euro.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZhipu bringt seine KI-Tokens in denselben Warenkorb wie Waschmittel und Handytarife. Der chinesische Modellanbieter verkauft das Programmier-Abo GLM Coding jetzt über einen eigenen Shop bei Tmall, abgerechnet in Punkten statt in rohen Token. Hinter dem Schritt steckt weniger ein Marketinggag als die Rechnung eines Unternehmens, das viel Umsatz und noch mehr Verlust anhäuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Zhipu verkauft das GLM-Coding-Abo über Tmall, die Punkte lädt man auf wie Prepaid-Guthaben.
- Die Tarife reichen von 118 Yuan (rund 15 Euro) bis 1.078 Yuan (rund 138 Euro) im Monat.
- Im ersten Halbjahr 2026 stehen rund 122 Millionen Euro Umsatz gegen rund 265 Millionen Euro Verlust.
- Die Kontingente laufen in Claude Code, Cursor und Cline, den Werkzeugen westlicher Entwickler.
Was steht im Tmall-Regal von Zhipu?

Im neuen Flaggschiff-Shop liegt kein Modell, sondern ein Abomodell. Zhipu verkauft dort den GLM Coding Plan in vier Stufen: Lite für 118 Yuan mit 10.000 Monatspunkten, Pro für 538 Yuan (rund 69 Euro), Max für 1.078 Yuan sowie eine Teamvariante ab zwei Plätzen zu je 598 Yuan (rund 77 Euro).[1] Buchbar sind Monat, Quartal und Jahr, mit bis zu 30 Prozent Rabatt auf die längeren Laufzeiten.
Der Clou ist die Abrechnung. Statt jeden Token einzeln zu zählen, bucht Zhipu ein Punktekontingent wie einen Handytarif: innerhalb des Pakets frei rechnen, darüber hinaus zum Standard-API-Preis. Die Punkte gelten nicht in irgendeiner Web-Oberfläche, sondern direkt in Claude Code, Cursor und Cline, also den Editoren, in denen westliche Teams heute programmieren.
Warum verkauft ein Milliardenverlierer Tokens wie Guthaben?
Das Punktemodell nimmt dem Einkauf die Unsicherheit. Ein fester Monatspreis lässt sich budgetieren, ein schwankender Tokenverbrauch nicht, und ein Regalplatz bei Tmall senkt die Hürde für einzelne Entwickler und kleine Studios auf einen Klick. Der Umsatz zeigt, dass die Rechnung zunächst aufgeht: Im ersten Halbjahr 2026 meldet Zhipu laut Halbjahresbericht rund 122 Millionen Euro Erlös, ein Plus von 399,7 Prozent.
Nur trägt der Preiskampf die Marge nicht. Unterm Strich stehen 2,07 Milliarden Yuan Verlust, rund 265 Millionen Euro, nach einem Rohertrag von nur 252 Millionen Yuan. Dasselbe Muster treibt die ganze Branche: DeepSeek lockt mit einem auffällig niedrigen API-Preis, und Alibaba senkt bei Qwen die Trainingskosten um 89 Prozent. Marktanteil entsteht hier durch Zuschuss, nicht durch Marge.
Der Token wird zur Ware wie Handyguthaben, und genau das macht den Preis vergleichbar. Für europäische Teams zählt dann nicht mehr nur der Tarif, sondern wo der Quellcode während der Abfrage landet.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt der Token-Basar für Teams in der DACH-Region?
Zhipu steht nicht allein am Regal. Meituan drückt seine KI in den Betrieb, Ant Group öffnet ein Finanzmodell zum Selbstbetrieb und Weimob steigert den KI-Umsatz um 89 Prozent bei dünner Marge. Fast alle zielen dabei auf die Werkzeuge, die den KI-Alltag prägen.
Für Entscheider im deutschsprachigen Raum liegt der Reiz im Preis, das Risiko im Datenweg. Ein Coding-Abo für 15 bis 138 Euro klingt verlockend, doch Quellcode und Prompts laufen dabei über chinesische Infrastruktur. Mehrere EU-Datenschutzbehörden prüfen bereits DeepSeek, einzelne Länder sperrten den Dienst. Unter DSGVO und AI Act bleiben Datenresidenz, Geschäftsgeheimnis und Transparenzpflicht offen, egal wie günstig der Tarif ist. Ein Blick in die Auswahl passender Modelle hilft beim Abwägen.
Konkret heißt das: den Tarif gegen die Compliance rechnen, vor dem ersten Commit die Datenresidenz klären und für sensiblen Code den Selbstbetrieb gegen die API stellen. Der Regalpreis ist nur der Anfang der Kalkulation.
Quelle
[1] Zhipu / BigModel: „GLM Coding Plan“ (offizielle Tarif- und Produktseite)
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