Porsche gibt seine IT-Beratung MHP ab. Der Kaufpreis ist die eigentliche Nachricht: Ende 2023 galt die Tochter noch 1,5 Milliarden Euro wert, jetzt zahlt Tata Consultancy Services einen Unternehmenswert von 320 Millionen. Der Verkauf zeigt, wie hart die Gewinnkrise bei Porsche inzwischen durchschlägt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 1,18 Milliarden Euro Wert lösen sich in gut zwei Jahren auf. So groß ist die Lücke zwischen der letzten internen Bewertung von MHP und dem Preis, zu dem Porsche die Management- und IT-Beratung nun an Tata Consultancy Services abgibt. Für einen Konzern, der sich gerade gesundschrumpft, ist der Verkauf weit mehr als eine Randnotiz.
Das Wichtigste in Kürze
- Porsche verkauft die Management- und IT-Beratung MHP an den indischen IT-Konzern Tata Consultancy Services.
- Der Unternehmenswert liegt bei 320 Millionen Euro. Ende 2023 hatte Porsche die Tochter intern noch mit 1,5 Milliarden bewertet.
- MHP beschäftigt über 4.500 Menschen und setzte 2025 rund 743 Millionen Euro um, elf Prozent weniger als im Vorjahr.
- Porsche-Chef Michael Leiters begründet den Schritt mit der Konzentration aufs Kerngeschäft; die KI-Zusammenarbeit mit Tata soll bleiben.
Warum trennt sich Porsche von seiner IT-Beratung?

Der Verkauf ist die logische Folge einer Gewinnkrise. Porsche-Chef Michael Leiters richtet den Konzern strikt auf das Autogeschäft aus und stößt ab, was nicht zum Kern gehört.
„Porsche geht mit der Übertragung von MHP an Tata Consultancy Services einen weiteren wichtigen Schritt in seiner Strategie, sich konsequent auf das Kerngeschäft zu konzentrieren“, sagt Leiters.[1] Hinter der Ansage steckt harter Zahlendruck: Der Sportwagenbauer will tausende Stellen abbauen, in Verwaltung, Entwicklung und Produktion. Unter diesem Druck wird die wachstumsstarke Beratung zur Verhandlungsmasse.
Wie aus 1,5 Milliarden 320 Millionen wurden
Der Preisverfall ist drastisch. Ende 2023 setzte Porsche den Wert von MHP intern noch bei 1,5 Milliarden Euro an und zahlte damals rund 250 Millionen Euro allein für 18 Prozent der Anteile von Mitgründer Ralf Hofmann. Keine drei Jahre später bemisst Tata den Unternehmenswert laut Pflichtmitteilung auf 320 Millionen Euro, hinzu kommen fest vereinbarte Aufträge von fast einer Milliarde.
Zwei Kräfte drücken den Preis. Das Beratungsgeschäft schwächelt, 2025 fiel der MHP-Umsatz um elf Prozent auf rund 743 Millionen Euro. Ein Verkäufer unter Zeitdruck verhandelt zudem schlecht. Für Porsche wiegt das schnelle Ende offenbar schwerer als der Erlös.
Sobald ein Autobauer seine IT-Beratung zu einem Fünftel des früheren Werts abstößt, finanziert er die Krise von heute mit der Digitalkompetenz von morgen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Verkauf für die Digitalberatung im DACH-Raum bedeutet
Der Fall steht für ein Muster. Deutsche Industriekonzerne trennen sich von digitalen Randbereichen, um Kapital fürs Kerngeschäft frei zu bekommen. Continental etwa hat seine Autozuliefersparte als Aumovio abgespalten, die sich inzwischen ganz auf Software konzentriert.
Für Tata Consultancy Services ist MHP ein Sprungbrett in den deutschen Markt. Indische IT-Konzerne kaufen sich seit Jahren in europäische Beratungen ein, um an Industriekunden und deren SAP- und Digitalprojekte zu kommen. Dieselbe Konsolidierung zeigt die Übernahme des IT-Dienstleisters Nagarro durch Persistent.
Für den Mittelstand zählt vor allem, wer künftig die eigenen Digitalprojekte betreut. MHP soll eigenständig bleiben und mit Porsche und Tata an KI-Anwendungen arbeiten. Ob mittelständische Kunden von der größeren Konzernmutter profitieren oder im Portfolio eines Weltkonzerns untergehen, entscheidet sich in den kommenden Monaten, sobald die Kartellbehörden zustimmen. Unternehmen, die Beratungsleistung einkaufen, sollten Vertragslaufzeiten und Ansprechpartner jetzt prüfen.
Unternehmenswert von MHP im Vergleich
Quelle
[1] Porsche AG: „Porsche sells MHP to Tata Consultancy Services“
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