Weimobs KI-Geschäft wuchs im ersten Halbjahr 2026 um 89 Prozent, doch von jedem Euro KI-Umsatz bleiben nur knapp 14 Cent als Rohertrag. Der neue Agent WIMO verbrannte allein im internen Test über 30 Milliarden Token. Software-Käufer zahlen künftig pro Token statt pro Nutzer. Weimob liefert dazu die erste ehrliche Rechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWeimob feiert den Start seines KI-Agenten WIMO und meldet kräftig wachsende KI-Erlöse. Der chinesische SaaS-Anbieter verbucht damit einen Achtungserfolg im Agentengeschäft. Die Halbjahresbilanz vom August zeigt zugleich, was dieser Erfolg an Marge kostet.
Das Wichtigste in Kürze
- WIMO, Weimobs KI-Agent für die automatische Videoproduktion, verbrauchte im internen Test über 30 Milliarden Token.
- Der KI-Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 89 Prozent auf rund 17 Millionen Euro und übertraf damit schon das gesamte Vorjahr.
- Die Bruttomarge des KI-Geschäfts liegt bei nur 13,8 Prozent, der operative Mittelabfluss weitete sich auf rund 51 Millionen Euro aus.
- Weimob rechnet Software nicht mehr pro Nutzer ab, sondern pro verbrauchtem Token.
Was verbirgt sich hinter Weimobs KI-Sprung?

Weimob, an der Börse Hongkong notiert, verkauft kleinen und mittleren Händlern seit Jahren Marketing- und Shopsoftware für Chinas Social-Commerce. Mit WIMO liefert der Anbieter nun einen KI-Agenten, der aus einer kurzen Vorgabe komplette Werbevideos erzeugt, vom Skript über das Storyboard bis zum fertigen Clip. Über 30 Milliarden Token verbrauchte das Werkzeug laut dem Finanzdienst Sina Finance schon im internen Test.
WIMO gehört zu einer ganzen Produktfamilie. Neben dem Betriebssystem Xingyuan, das Händler per Sprachbefehl statt per Menü bedienen, baute Weimob mit Xingqi ein eigenes Werkzeug für die generative Suchmaschinen-Optimierung. Genau diese Verschiebung von blauen Links zu KI-Antworten erklärt unser Ratgeber zur generativen Suche.
Warum kostet der KI-Umsatz so viel Marge?
Das Wachstum beeindruckt, die Rentabilität nicht. Der KI-Umsatz kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 89 Prozent auf umgerechnet rund 17 Millionen Euro und übertraf damit schon das ganze Jahr 2025.[1] Die Bruttomarge dieses Geschäfts fiel jedoch von 16,4 auf 13,8 Prozent.
Der Grund steckt im Rechenaufwand. Jeder Token, den ein Agent wie WIMO verarbeitet, kostet Rechenzeit auf teuren KI-Chips. Diese Kosten steigen schneller als der Umsatz. Der operative Mittelabfluss weitete sich binnen eines Jahres von rund 3,6 auf 51 Millionen Euro aus.
Mit diesem Dilemma steht Weimob nicht allein. Auch iFlytek schreibt trotz Produktoffensive tiefrote Zahlen. Ant Group gibt sogar ein Finanzmodell zum Selbstbetrieb frei, um die Rechenkosten auf die Kunden zu verlagern. Selbst der westliche Anbieter GitLab wächst mit KI-Funktionen, ohne dass die Marge mithält.
Die Token-Ökonomie dreht das SaaS-Geschäft um: Der Umsatz wächst mit jeder Nutzung, doch die Rechnung fürs Rechnen wächst mit. Einkäufer von KI-Agenten verhandeln künftig über Cent pro Token statt über Lizenzen pro Kopf.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt die Token-Ökonomie für den Mittelstand?
Für deutschsprachige Entscheider verschiebt sich mit dem Token-Modell die Kostenlogik der Software. Bislang zahlten Unternehmen eine feste Lizenz pro Arbeitsplatz und konnten das Budget planen. Ein Agent rechnet nach Verbrauch ab, und ein Werbevideo mehr bedeutet Tausende Token mehr auf der Rechnung. Auch Salesforce kündigt diesen Wechsel mit dem Agentforce-Modell an.
Für den Einkauf folgt daraus eine klare Linie. Prüfen Sie bei jedem KI-Angebot, ob pro Nutzer oder pro Token abgerechnet wird, und lassen Sie sich eine monatliche Obergrenze zusichern. Günstige Token bedeuten zudem oft ein kleineres Modell, wie der Fall DeepSeek zeigt. Ob der eigene KI-Betrieb sogar ein Rechenzentrum braucht, lohnt eine nüchterne Rechnung.
Quelle
[1] Sina Finance: Weimob-Halbjahresbericht 2026, KI-Applikationsumsatz plus 89,2 Prozent
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