Seit dem 1. September 2026 kostet jedes Kleidungsstück von Shein oder Temu in Frankreich extra: bis zu 12 Euro Malus pro Teil, gedeckelt auf die Hälfte des Verkaufspreises. Der Aufschlag zielt nicht auf den Preis, sondern auf das Geschäftsmodell der 6.000 neuen Artikel pro Tag. Deutschland hat bislang keinen solchen Malus, Brüssel arbeitet aber an ähnlichen Regeln.

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Frankreichs neuer Malus gegen Ultra-Fast-Fashion macht die Rechnung greifbar: Ein Wintermantel für 23,49 Euro bei Shein verteuert sich um 11,75 Euro auf 35,24 Euro. Ausgenommen bleiben heimische Ketten wie Kiabi und Decathlon.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankreich erhebt seit dem 1. September 2026 einen Malus von 0,50 bis 12 Euro pro Ultra-Fast-Fashion-Teil, höchstens die Hälfte des Verkaufspreises.
  • Der Aufschlag trifft gezielt Shein, Temu und AliExpress. Heimische Ketten wie Kiabi und Decathlon bleiben außen vor.
  • Maßstab ist das Geschäftsmodell: massive Stückzahlen (Shein listet täglich über 6.000 neue Artikel) und ein fehlender Reparaturanreiz.
  • Bis 2030 steigt der Höchstsatz auf 19,50 Euro. Ab dem 1. Januar 2027 verbietet Frankreich zusätzlich jede Werbung für Ultra-Fast-Fashion, auch über Influencer.

Was genau hat Frankreich beschlossen?

Dunkelblauer Mantel mit Preisschild, auf dem 149 steht, 89 ist durchgestrichen; Sticker MALUS
Textilabgabe nach französischem Gesetz vom Juli 2026: Socken 0,50 Euro, Jeans 9 Euro, Mäntel 12 Euro ab September

Grundlage ist das Gesetz gegen den ökologischen Fußabdruck der Textilindustrie vom 8. Juli 2026.[1] Der zugehörige Arrêté erschien am 28. August 2026 im Journal officiel und setzt den Malus zum 1. September in Kraft.[2] Die Staffel reicht 2026 von 0,50 Euro für Socken und Unterwäsche über 9 Euro für eine Jeans bis 12 Euro für Mäntel und Jacken.

Gedeckelt ist der Aufschlag bei der Hälfte des Nettopreises. Ein 5-Euro-T-Shirt verteuert sich also um 2 Euro, ein sehr billiger Mantel nicht um die vollen 12 Euro, sondern um höchstens 50 Prozent. Bis 2030 klettert der Höchstsatz schrittweise auf 19,50 Euro je Teil.[2]

Warum trifft der Malus das Geschäftsmodell, nicht den Preis?

Der Malus ist kein Zoll, sondern ein Strafzuschlag im System der erweiterten Herstellerverantwortung. Zahlen muss ihn die Plattform, die die Ware auf den französischen Markt bringt. Entscheidend sind zwei Kriterien: die schiere Menge neuer Modelle und der fehlende Anreiz zur Reparatur. Shein listet nach Angaben der Regierung täglich über 6.000 neue Artikel und passt damit genau auf die Definition.

Genau hier liegt der Hebel. Bei einem Stückpreis von wenigen Euro wirkt ein Zwei-Euro-Malus wie ein Aufschlag von 40 Prozent, während eine Jeans für 80 Euro die 9 Euro kaum spürt. Der Malus verteuert also das Hochfrequenz-Geschäft mit Wegwerfware, nicht das einzelne hochwertige Stück.

Der Aufschlag reiht sich in eine breitere Front ein. Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU eine Pauschale von 3 Euro auf Kleinsendungen unter 150 Euro, und dieselbe Zollfreigrenze hat schon Sheins Börsenbewertung halbiert. Parallel greift Brüssel bei Temu zum Subventionsgesetz, und im AliExpress-Umfeld zeigt sich, dass die EU-Zollreform das Billigmodell schrumpfen lässt.

Frankreich besteuert nicht das billige T-Shirt, sondern die Fließbandlogik dahinter. Der Malus verteuert das Modell genau an seiner Schwachstelle, der schieren Menge neuer Teile.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Malus für Händler und Käufer in der DACH-Region?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz fehlt bislang ein vergleichbarer Malus. Zugleich zählen deutsche Verbraucher zu den aktivsten Kunden der Plattformen, und die Debatte, ob Temu und Shein den heimischen Handel aushöhlen, läuft längst. Frankreich liefert nun die konkrete Vorlage, an der sich Brüssel und Berlin orientieren können.

Für Händler in der DACH-Region verschiebt sich damit der Wettbewerb. Fallen die Preisvorteile der Plattformen durch Malus, Zollpauschale und das nahende Ende der 150-Euro-Freigrenze weg, rückt die Marge heimischer Shops näher an die der Billiganbieter. Händler mit Lieferung nach Frankreich planen die Abgabe ab sofort in Kalkulation und Meldepflichten ein.

Frankreichs Ökomalus gegen Ultra-Fast-Fashion
Was seit dem 1. September 2026 auf Shein, Temu und AliExpress zukommt
bis 12 €
Malus je Mantel oder Jacke im Jahr 2026, gedeckelt auf die Hälfte des Verkaufspreises
50 %
Höchstanteil, den der Malus vom Nettopreis eines Teils ausmachen darf
6.000+
neue Artikel, die Shein laut französischer Regierung täglich listet, der Maßstab fürs Ultra-Fast-Fashion-Modell
19,50 €
Höchstmalus je Teil ab dem Jahr 2030

Quellen

[1] Ministère de la Transition écologique: „Réduire l’impact environnemental de l’industrie textile : loi du 8 juillet 2026“

[2] Ministère de la Transition écologique: „Publication au Journal officiel de l’arrêté définissant le malus ciblant la mode ultra éphémère“

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