Am 1. September 2026 hoben Huawei, Xiaomi und Honor am selben Tag die Preise mehrerer Handys an, einzelne Modelle um bis zu 1000 Yuan. Schuld ist nicht ein neues Feature, sondern der Arbeitsspeicher: Der KI-Boom entzieht der Consumer-Fertigung DRAM und NAND. Dieselbe Rechnung steht Käufern in Europa noch bevor.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Handypreise steigen. Diesmal nennen die Hersteller den Grund offen: Drei der größten chinesischen Marken verteuerten ihre Geräte binnen weniger Stunden, weil der Speicher im Einkauf zum Kostentreiber geworden ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Huawei, Xiaomi und Honor erhöhten am 1. September 2026 die Preise mehrerer Modelle, Spitzenreiter um bis zu 1000 Yuan (rund 128 Euro, Kurs 0,128, Stand 1. September 2026).
- Treiber ist der Arbeitsspeicher: Die Anbieter verlagern Kapazität auf teures HBM für KI-Rechenzentren, für DRAM und NAND in Handys bleibt weniger übrig.
- Xiaomi-Präsident Lu Weibing beziffert die Speicherkosten im ersten Quartal 2026 auf nahezu das Vierfache des Vorjahres.
- Die Knappheit ist strukturell und trifft Käufer in Europa genauso wie in China.
Was haben Huawei, Xiaomi und Honor angekündigt?

Am 1. September 2026 hoben Huawei, Xiaomi und Honor am selben Tag die Preise mehrerer Smartphones an. Bei Honors faltbarem Magic V6 sind es rund 1000 Yuan mehr, umgerechnet etwa 128 Euro (Kurs 0,128, Stand 1. September 2026).
Neu ist die offene Begründung. Statt neuer Kameras oder Displays nennen die Marken die Bauteilkosten, allen voran den Arbeitsspeicher. Auch OPPO und vivo passten einzelne Serien an und bündeln die Einzelfälle zu einem Branchentrend.
Warum treibt der KI-Boom den Speicherpreis?
Hinter der Preisrunde steht eine Umleitung von Produktionskapazität. Die Speicherhersteller verlagern ihre Fertigung auf teures HBM für KI-Rechenzentren, für DRAM und NAND in Consumer-Geräten bleibt weniger übrig. TrendForce zufolge stützt die KI-Server-Nachfrage die Speicherpreise auch im dritten Quartal 2026 und schiebt die DRAM-Vertragspreise um 13 bis 18 Prozent nach oben.[1]
Die Kette reicht bis in den Einkauf der Marken. Xiaomi-Präsident Lu Weibing beziffert die Speicherkosten für das erste Quartal 2026 auf nahezu das Vierfache des Vorjahres. Der Servermarkt kennt den Druck schon länger: Dort wurden Nvidias KI-Server um mehr als 15 Prozent teurer.
Der Engpass ist kein Ausrutscher. Schon im ersten Quartal 2026 trieb die Vertragspreis-Rallye den DRAM-Branchenumsatz um 81 Prozent nach oben.[2] Chinas Hersteller steuern mit eigenem Speicher gegen, etwa mit CXMTs LPDDR6, den Xiaomi zuerst verbaut, oder mit heimischem NAND von YMTC.
Den KI-Boom spürten Verbraucher bisher nur mittelbar, jetzt zahlen sie ihn beim Handykauf direkt mit. Der Speicher ist das erste Bauteil, an dem die Rechnung des Rechenzentrums beim Kunden ankommt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Speichermangel für Käufer in Europa?
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keinen regionalen Rabatt. Speicher ist eine global in Dollar gehandelte Ware, deshalb gibt jede Marke denselben Aufschlag weiter, von Samsung bis Apple. Dieselbe Knappheit treibt auch Samsungs Ausweichlösung LPDDR5X-PIM.
Der Effekt reicht über das Handy hinaus. TrendForce erwartet auch bei Notebooks steigende Endkundenpreise, sobald die teureren Bauteile durch die Lager laufen.[1] Für IT-Budgets in Unternehmen heißt das: Geräte bleiben bis 2027 teurer. Die Ursache liegt in der Chip-Fertigung, nicht im Handel.
Planbar bleibt der Aufschlag trotzdem. Bei einer größeren Beschaffung gehört der Speicheraufpreis fest in die Kalkulation. Eine kleinere Speicherkonfiguration vermeidet oft den Sprung auf die nächste Preisstufe.
Quellen
[1] TrendForce: „AI Server Demand Continues to Support Memory Prices in 3Q26, but Gains Moderate as Consumer Demand Weakens and High Base Effects Take Hold“
[2] TrendForce: „Rapid Contract Price Surge Drives 1Q26 DRAM Industry Up 81% QoQ“
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