Beim Rechnen großer Sprachmodelle wird der Speicher zum Nadelöhr, nicht der Prozessor. Samsung setzt deshalb kleine Recheneinheiten direkt in seinen LPDDR5X-Chip und meldet für Metas Llama 3.1 8B gut die dreifache Token-Rate. Der eigentliche Gegner heißt HBM, das teuerste Bauteil in jedem KI-Beschleuniger.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Auf der Hot-Chips-Konferenz in Stanford stellte Samsung Ende August 2026 einen Arbeitsspeicher vor, der selbst rechnet: LPDDR5X-PIM. Bei Metas Llama 3.1 8B liefert der Baustein 81,3 statt 27 Token pro Sekunde. Hinter dieser Zahl steckt eine jahrzehntealte Wette der Chipbranche, die durch den KI-Boom plötzlich aufgeht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Samsung integriert Recheneinheiten direkt in LPDDR5X-DRAM (Processing-in-Memory) und umgeht so den Flaschenhals zwischen Speicher und Prozessor.
  • Intern erreicht der Chip 614 GB/s, achtmal so viel wie die 76,8 GB/s der herkömmlichen Schnittstelle; die Token-Rate steigt bei Llama 3.1 8B um das Dreifache.
  • Der Baustein nutzt dasselbe 561-Ball-Gehäuse wie Standard-LPDDR5X und lässt sich ohne Systemumbau tauschen.
  • Zielmarkt ist die günstige Edge-Inferenz als Gegenentwurf zum teuren HBM-Speicher, der inzwischen 63 % der KI-Chip-Kosten ausmacht.

Warum bremst der Speicher und nicht der Prozessor?

Ein RAM-Riegel mit einem bunten Abakus darauf und dem Text „rechnet selbst.“ auf weißem Grund
Sprachmodelle bei der Textgenerierung: Die Speicherbandbreite ist der Engpass, nicht die Rechenleistung. Processing-in-Memory löst das durch Multiplizierer neben dem DRAM

Bei der Textausgabe eines Sprachmodells liest der Chip für jedes neue Token die kompletten Gewichte aus dem Speicher, während die Recheneinheit überwiegend wartet. Nicht die Rechenleistung limitiert die Inferenz, sondern die Speicherbandbreite. Genau an diesem Von-Neumann-Flaschenhals setzt Processing-in-Memory an.

PIM verlegt einfache Multiplizierer direkt neben die DRAM-Bänke. So müssen die Daten nicht mehr über den schmalen externen Bus zum Prozessor wandern. Intern erreicht Samsungs Baustein 614 GB/s, achtmal so viel wie die 76,8 GB/s der herkömmlichen Speicherschnittstelle.[1]

Was leistet LPDDR5X-PIM konkret?

Der 16-Gigabyte-Chip steckt im gleichen 561-Ball-Gehäuse wie Standard-LPDDR5X und lässt sich ohne Systemumbau tauschen. In Samsungs Test mit Llama 3.1 8B lief die Inferenz 2,28-mal schneller, die Token-Rate stieg um das 3,01-Fache. Pro Baustein nennt Samsung rund 1,2 TFLOPs in FP8 und bis zu 2,4 TOPS bei SINT4-Gewichten.

Kaufen lässt sich der Chip noch nicht. Samsung stellt Simulator, Datenblatt und ein Software-Kit auf Anfrage bereit und treibt parallel die JEDEC-Norm für ein LPDDR6-PIM voran. Der nächste Speicherstandard LPDDR6 ist ohnehin in Bewegung, seit CXMT als erster Hersteller einen LPDDR6-Chip ausliefert.

LPDDR5X-PIM in Zahlen
Samsungs rechnender Arbeitsspeicher gegen die teure HBM-Wand
mehr Bandbreite im Chip: 614 GB/s statt 76,8 GB/s an der Schnittstelle
3,01×
Token-Rate: 81,3 statt 27 Token pro Sekunde bei Llama 3.1 8B
63 %
Speicheranteil an den Kosten eines KI-Beschleunigers, Ende 2025 (2024: 52 %)
16 GB
Kapazität im Standard-561-Ball-Gehäuse, tauschbar ohne Systemumbau

Was heißt das für Anbieter im DACH-Raum?

Für europäische Unternehmen zählt vor allem der Preis: Speicher macht inzwischen 63 % der Kosten eines KI-Beschleunigers aus, gegenüber 52 % Anfang 2024.[1] Die Speicherknappheit treibt auch die Preise für Nvidias KI-Server nach oben. Ein günstigerer Weg zur Inferenz senkt die Rechnung für lokale KI unmittelbar.

Die Idee ist nicht neu. Forscher verfolgen Processing-in-Memory seit den 1990er-Jahren, und Samsung zeigte schon 2021 eine HBM-Variante. Neu ist der wirtschaftliche Druck: Weil HBM den Löwenanteil der KI-Kosten verschlingt und nur drei Hersteller HBM fertigen, lohnt sich plötzlich das Rechnen im billigen Mobilspeicher. Denselben Effizienzdruck zeigt der Inferenz-Chip Jalapeño von OpenAI, der mehr Token je Kilowatt herausholt.

Der teuerste Teil eines KI-Beschleunigers ist längst der Speicher, nicht der Rechenkern. Samsung senkt genau diese Rechnung und macht lokale Inferenz für den Mittelstand damit erst bezahlbar.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

In der Praxis bleibt PIM vorerst ein Nischenwerkzeug. Der Chip beschleunigt die speicherlastige Textausgabe, nicht das Training, und verlangt angepasste Software. Betreiber lokaler KI, etwa auf einem Mac mini mit M6-Chip, sollten die kommende LPDDR6-PIM-Norm im Blick behalten, weil sie datensparsame Inferenz näher an den Arbeitsplatz bringt.

Für lokale Inferenz benennen Sie am besten zuerst die datensensiblen und latenzkritischen Anwendungen, bei denen die Cloud ohnehin ausscheidet, und beobachten die kommende LPDDR6-PIM-Norm. Die Verlagerung des Rechnens in den Speicher ist einer der stilleren, aber folgenreichen Trends der KI-Hardware.

Quelle

[1] Samsung Semiconductor: „LPDDR5X“ (Herstellerangaben; LPDDR5X-PIM vorgestellt auf der Hot-Chips-Konferenz 2026).

Mehr Newshunger?

4,2 18 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?