Applied Materials hat im dritten Quartal 7,93 Milliarden Euro umgesetzt und damit einen Quartalsrekord aufgestellt. Der Kurs des größten US-Chipausrüsters gab nach Börsenschluss trotzdem rund fünf Prozent ab. Den Ausschlag gibt, woher dieses Wachstum stammt.

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Applied Materials meldete am 13. August 2026 Bestwerte bei Umsatz, Bruttomarge und operativem Cashflow.[1] Der Aktienkurs verlor nachbörslich trotzdem rund fünf Prozent. Den größten Schub lieferte dabei ein einziges Segment.

Das Wichtigste in Kürze

  • Applied Materials setzte im dritten Quartal 7,93 Milliarden Euro um, 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
  • Der DRAM-Umsatz samt HBM-Packaging stieg um 52 Prozent auf einen Rekordwert.
  • Rund 80 Prozent des Marktwachstums entfallen 2026 auf Spitzenlogik, DRAM und Advanced Packaging.
  • China steuert 26 Prozent zum Umsatz aus Anlagen und Service bei.

Woher stammt das Rekordquartal?

Konfetti fällt durch Trichter mit Schild „nur drei Sorten“ in drei Becher auf Sockel
Applied Materials verzeichnet 52 Prozent Umsatzwachstum im DRAM-Bereich durch erhöhte Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory-Packaging und Transistor-Fertigungsanlagen

Der Zuwachs kommt vor allem aus dem Speicher. Der DRAM-Umsatz, in dem Applied Materials auch das Packaging für High-Bandwidth-Memory verbucht, stieg binnen eines Jahres um 52 Prozent auf einen Rekordwert. Das Anlagengeschäft insgesamt legte um 27 Prozent zu, weil die Kunden Kapazität für Gate-all-around- und FinFET-Transistoren aufbauten.[2] Konzernweit standen 7,93 Milliarden Euro in den Büchern, umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 14. August 2026.[1]

Auf Spitzenlogik, DRAM und Advanced Packaging entfallen 2026 rund 80 Prozent des Wachstums bei Fertigungsanlagen, für 2027 rechnet der Konzern mit demselben Bild.[2] „Advanced Packaging gehört zu den wichtigsten Feldern für die Innovation beim KI-Rechnen“, sagt Gary Dickerson, Vorstandschef von Applied Materials.[2] Die Packaging-Erlöse sollen im Kalenderjahr 2026 um mehr als 70 Prozent steigen. Den Antrieb liefert der Ausbau der KI-Infrastruktur, und Wettbewerber Lam Research steckt aus demselben Grund 2,6 Milliarden Euro in neue Labore.

Wie stabil ist das China-Geschäft?

China steuerte 26 Prozent zum Umsatz aus Anlagen und Service bei, und Finanzvorstand Brice Hill erwartet für das laufende Kalenderjahr ein Plus.[2] Dieser Zuwachs hängt allerdings an 28-Nanometer-Logik, also an reifen Fertigungsstufen. Genau dort drängen heimische Anbieter nach. AMEC baut in Wuhan eine weitere Fabrik für Chip-Anlagen, Samsung und SK Hynix prüfen chinesische Werkzeuge bereits seit zwei Jahren.

Der Ausrüster aus Santa Clara antwortet mit einem Kapazitätsplan. Bis 2028 soll sich die Zahl der pro Quartal ausgelieferten Anlagen verdoppeln, allein im vergangenen Quartal kamen mehr als 1.500 Beschäftigte in Fertigung und Kundendienst hinzu.[2] Kunden kündigten im selben Zeitraum über zehn neue Fabrikprojekte an, einzelne Gespräche reichen bis 2030. An dieser Wette auf einen langen KI-Zyklus hängt der Kurs, nicht am Quartalsrekord.

Applied Materials verdoppelt bis 2028 seine Auslieferungen und setzt darauf, dass der KI-Ausbau nicht abreißt. Europa baut derweil Fabriken für genau die Prozessstufen, die am Wachstum kaum noch teilhaben.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Applied Materials: Rekordquartal auf schmaler Basis

Woher der Umsatz stammt und wohin die Prognose zeigt. Alle Beträge in Euro.

7,93 Mrd.
Euro Quartalsumsatz, 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor
+52 %
DRAM-Umsatz samt HBM-Packaging binnen eines Jahres
80 %
des Marktwachstums entfallen 2026 auf drei Felder
8,92 Mrd.
Euro Umsatz plant der Konzern für das vierte Quartal

Woran Europas Ausbau vorbeizielt

Die Packaging-Erlöse von Applied Materials sollen 2026 um mehr als 70 Prozent steigen. Die großen Fabrikprojekte in Europa zielen dagegen überwiegend auf reife und automobilnahe Fertigungsstufen.

Was heißt das für Europa?

Der europäische Ausbau zielt auf die langsamer wachsende Hälfte des Marktes. Die großen Fabrikprojekte unter dem EU Chips Act bedienen überwiegend reife und automobilnahe Fertigungsstufen, darunter Infineons Fünf-Milliarden-Fabrik in Dresden. Für Advanced Packaging, das Feld mit über 70 Prozent Zuwachs, fehlt in Europa weitgehend die Kapazität. Ein deutscher Anbieter verdient direkt daran: SUSS MicroTec meldete zuletzt einen Auftragsbestand von 473,7 Millionen Euro.

Für Einkäufer folgt daraus vor allem eine Preisfrage. Der Ausbau der HBM-Kapazität geht zulasten von Standardspeicher, und die Folgen treffen bereits die Chips in Smartphones. Kalkulieren Sie für Hardware-Beschaffungen im Jahr 2027 gerne höhere Speicherpreise ein und klären Sie Lieferzeiten für speicherintensive Server früh mit Ihren Lieferanten.

Quellen

[1] Applied Materials: „Applied Materials Announces Third Quarter 2026 Results“

[2] Applied Materials: Vorbereitete Ausführungen zur Telefonkonferenz für das dritte Quartal 2026, 13. August 2026

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