Lam Research gibt in den kommenden fünf Jahren mehr als 2,6 Milliarden Euro aus, ohne dafür eine einzige neue Fabrik zu bauen. Das Geld fließt in Forschungslabore, die einen Fertigungsprozess schneller zur Serienreife bringen sollen. Europas einzige Lam-Fabrik steht in Villach.

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Mehr als eine Million Experimente durchlaufen jedes Jahr das Labornetz von Lam Research, und dort entscheidet sich das Tempo der Chipentwicklung. Der Ausrüster aus Fremont baut dieses Netz nun für über drei Milliarden US-Dollar aus, umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 14. August 2026.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Lam Research erweitert sein Labornetz für mehr als 2,6 Milliarden Euro und hebt die Kapazität für Versuche um über 50 Prozent.
  • Den Takt der KI-Chips bestimmt inzwischen die Zeit bis zur Prozessreife, nicht die reine Fabrikkapazität.
  • Die Prozessentwicklung verkürzte sich nach Lams Rechnung um den Faktor 2,5.
  • Europas einzige Lam-Fabrik steht in Villach.

Warum investiert ein Anlagenbauer in Labore statt in Fabriken?

Sanduhr mit Münzen, ein Notizzettel „Versuch 1.000.000“ und eine Figur
KI-Chip-Engpass: Nicht Fabrikkapazität, sondern Prozessreife. Neue Transistor-Architekturen erfordern zusätzliche Ätz- und Beschichtungsschritte in Entwicklung und Qualifizierung

Der Engpass der KI-Chips liegt längst nicht mehr allein in der Fabrikkapazität, sondern in der Zeit bis zur Prozessreife. Jede neue Transistor-Architektur verlangt zusätzliche Ätz- und Beschichtungsschritte, und jeder Schritt muss erst im Labor entwickelt und danach beim Kunden qualifiziert werden. Lam Research trennt dafür die Grundlagenforschung an neuen Materialien von der Prozessentwicklung. Die Technologiezentren stehen direkt neben den Fabriken der Kunden.[1]

Das Netz läuft rund um die Uhr über alle Zeitzonen, sodass jedes Labor sofort auf die Befunde der anderen zugreift. Was früher Wochen dauerte, braucht in den Grundlagenlaboren oft nur Tage. „Unsere Fähigkeit, das Tempo im gesamten Entwicklungsprozess zu erhöhen, ist zu einem entscheidenden Vorteil geworden“, sagt Tim Archer, Vorstandschef von Lam Research.[1] Die Prozessentwicklung verkürzte sich nach dieser Rechnung um den Faktor 2,5.

Warum steigt der Bedarf an Ätz- und Beschichtungsschritten?

Speicher und Logik wachsen inzwischen in die Höhe statt in die Fläche. Gestapelte Speicherzellen und neue Transistorformen erhöhen die Zahl der Schichten pro Wafer. Jede Schicht bringt einen Abscheide- und einen Ätzschritt mit. Der Bedarf stammt aus dem Ausbau der KI-Infrastruktur. „KI-bezogene Investitionen heben die Nachfrage nach Abscheide- und Ätzintensität“, sagt John West, Chefanalyst für Halbleiterausrüstung bei der Yole Group.[1] Den Ausschlag gibt damit die Zahl der Prozessschritte je Wafer.

Der Wettlauf um Laborkapazität läuft nicht nur in Kalifornien. Bei SUSS MicroTec füllt der Chip-Boom den Auftragsbestand auf 473,7 Millionen Euro, und Jenoptik hob die Prognose an, weil die Halbleitersparte zieht. Beide verdienen an genau den Schritten, die Lam schneller marktreif machen will. Wie viel an dieser Annahme hängt, zeigte der Ausverkauf der Halbleiterwerte in Seoul.

Lam bezahlt 2,6 Milliarden Euro für Tempo, nicht für Kapazität. Europa fördert weiter Fabrikhüllen und lässt genau die Labore aus, in denen sich entscheidet, welcher Prozess zuerst läuft.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Lam Research: 2,6 Milliarden Euro für schnellere Chipentwicklung

Wohin das Geld fließt und was der Laborausbau beschleunigen soll. Alle Beträge in Euro.

2,6 Mrd.
Euro für den Ausbau des Labornetzes, verteilt auf fünf Jahre
+50 %
mehr Kapazität für Versuche nach dem Ausbau
1 Mio.
Experimente laufen jährlich durch das bestehende Netz
Faktor 2,5
kürzere Prozessentwicklung in jüngeren Kundenprojekten

Europas Rückstand in einer Zahl

Die EU peilt bis 2030 einen Weltmarktanteil von 20 Prozent in der Chipfertigung an. Der Europäische Rechnungshof erwartet 11,7 Prozent.

Was bedeutet der Laborausbau für Europa?

Lams einzige Fabrik in Europa steht in Villach, wenige Kilometer vom Kärntner Chipcluster um Infineon entfernt. Der Münchner Konzern betreibt zudem eine Fünf-Milliarden-Chipfabrik in Dresden. Auch Lam unterhält in der sächsischen Landeshauptstadt ein Büro. Zwei weitere Adressen liegen in Salzburg, eine auf dem imec-Campus in Leuven.[3] Welchen Anteil davon Europa bekommt, nennt Lam nicht.

Der Europäische Rechnungshof hielt 2025 fest, dass die EU ihr Ziel von 20 Prozent Weltmarktanteil bis 2030 verfehlt und eher bei 11,7 Prozent landet.[2] Fabrikförderung allein schließt die Lücke nicht, solange die Prozessentwicklung in Kalifornien und Ostasien sitzt. Klären Sie bei Lieferverträgen für Spezialchips deshalb, wo der Fertigungsprozess qualifiziert wird, und planen Sie gerne Vorlauf für eine Umqualifizierung ein.

Quellen

[1] Lam Research: „Lam Research Announces Plans to Invest More than $3B to Expand Global Lab Network, Increase Innovation Velocity in the AI Era“

[2] Europäischer Rechnungshof: Sonderbericht 12/2025 zur EU-Strategie für Mikrochips

[3] Lam Research: Standortverzeichnis des Unternehmens

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