Australien hat binnen zwölf Monaten 389.137 Heimspeicher ans Netz gebracht. Im selben Zeitraum fiel der Großhandelspreis für Strom um 47 Prozent auf umgerechnet rund 45 Euro je Megawattstunde. Deutsche Haushalte betreiben sechsmal so viele Batterien, der Börsenpreis steigt hier trotzdem.

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Heimspeicher gelten als Werkzeug des Eigenverbrauchs, in Australien bewegen die Batterien inzwischen den Preis für alle. Der Marktbetreiber AEMO nennt für das zweite Quartal 2026 mehrere Ursachen des Preissturzes, und eine davon steht in Hunderttausenden Kellern.[1] Den Ausschlag gibt nicht die Zahl der Anlagen, sondern die Stunde, in der die Speicher entladen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im australischen Verbundnetz gingen binnen zwölf Monaten 389.137 geförderte Heimspeicher mit 11,3 Gigawattstunden ans Netz.
  • Der Großhandelspreis sank um 47 Prozent auf umgerechnet rund 45 Euro je Megawattstunde, so tief wie zuletzt 2020.
  • Gaskraftwerke liefen so wenig wie zuletzt 2003, weil Speicher und Windstrom die Abendspitze abtrugen.
  • In Deutschland stehen 2,35 Millionen Heimspeicher, doch der Smart-Meter-Rollout stockt.

Woher kommt der Preissturz in Australien?

Wanduhr mit orange markiertem Abendzeitraum (18-21 Uhr), daneben grauer Koffer mit Zettel
Mit staatlichem Zuschuss von 30 Prozent wurden 11.321 Megawattstunden Speicherkapazität ins Verbundnetz integriert. Tagsüber laden die Batterien, abends speisen sie Haushaltsverbrauch ein

Der Verbrauch wandert in den Tag. Unter dem staatlichen Zuschuss von rund 30 Prozent kamen im Verbundnetz 11.321 Megawattstunden Speicherkapazität hinzu. Tagsüber stieg die Netzlast durch das Laden dieser Batterien, abends nach Sonnenuntergang deckten die Speicher einen Teil des Haushaltsverbrauchs.[1] Genau in dieser Abendstunde entscheidet sich der Preis.

Fehlt Nachfrage zur teuersten Stunde, fällt das teuerste Kraftwerk aus der Preisbildung im Stromnetz. Die Gasverstromung sank um 30 Prozent auf durchschnittlich 1.050 Megawatt, den niedrigsten Wert für ein zweites Quartal seit 2003. Batterien setzten mit Laden und Entladen in 36 Prozent aller Preisintervalle den Preis, ein Jahr zuvor waren 17 Prozent.[1] Ein Teil des Rückgangs geht allerdings auf Windstrom mit 20 Prozent mehr Erzeugung. Denselben Ausbau treiben amerikanische Netzbetreiber mit Großbatterien voran.

Warum wirkt der deutsche Speicherbestand nicht genauso?

Der Bestand ist da, der Marktzugang fehlt. Ende 2025 standen in Deutschland 2,35 Millionen solare Heimspeicher mit 19,8 Gigawattstunden Kapazität.[2] Der volumengewichtete Börsenpreis stieg trotzdem von 86,64 Euro je Megawattstunde im ersten Halbjahr 2025 auf 93,70 Euro im ersten Halbjahr 2026.[3] Die meisten dieser Batterien optimieren allein den Eigenverbrauch, und die Stromspeicher-Inspektion 2026 rechnet vor, was das noch einbringt.

Am Zähler hängt der Unterschied. Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Lieferant einen dynamischen Tarif nach Paragraf 41a des Energiewirtschaftsgesetzes anbieten, allerdings nur für Haushalte mit intelligentem Messsystem. Beim Einbau dieser Geräte stockt der Fortschritt: Die Bundesnetzagentur eröffnete am 27. März 2026 gegen 77 Unternehmen ein Verfahren, weil diese den Rollout noch gar nicht begonnen hatten.[4] „Der Einbau von Smart Metern spielt eine zentrale Rolle für die Digitalisierung unseres Stromsystems“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.[4] Solange das Preissignal im Keller nicht ankommt, bleibt die Entlastung eine Frage des Gaspreises, wie schon die Debatte um die EEG-Reform gezeigt hat.

Australien zahlt rund 30 Prozent Zuschuss und bekommt dafür einen Preiseffekt, weil die Batterien am Markt teilnehmen. In deutschen Kellern stehen 2,35 Millionen Speicher ohne Zugang zu diesem Preissignal.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Heimspeicher in Australien: der Preis fällt nach Sonnenuntergang

Zahlen zum zweiten Quartal 2026 im australischen Verbundnetz und der deutsche Vergleichswert. Beträge umgerechnet in Euro.

389.137
Heimspeicher gingen von Juli 2025 bis Juni 2026 ans Netz, zusammen 11,3 Gigawattstunden
45 Euro
je Megawattstunde im Großhandel, 47 Prozent weniger als ein Jahr zuvor
36 %
der Preisintervalle bestimmten Batterien, ein Jahr zuvor 17 Prozent
77
Verfahren führt die Bundesnetzagentur gegen Firmen ohne begonnenen Smart-Meter-Rollout

Bestand schlägt nicht Marktzugang

In Deutschland summieren sich die Heimspeicher auf 19,8 Gigawattstunden, fast das Doppelte des australischen Zubaus. Der Preiseffekt entsteht trotzdem dort, wo Batterien am Abend auf ein Marktsignal reagieren.

Was können Betreiber im DACH-Raum jetzt tun?

Aus einem stillen Speicher wird erst mit dem passenden Zähler ein handelnder. Fordern Sie beim Messstellenbetreiber gerne ein intelligentes Messsystem an und lassen Sie sich danach einen dynamischen Tarif durchrechnen. 1Komma5° beziffert die steuerbare Leistung des eigenen Anlagenverbunds auf ein Gigawatt, Viessmann vermarktet Wärmepumpen und Heimspeicher am Strommarkt.

Den Zubau bestimmen in Deutschland inzwischen Großspeicher wie der 470-Megawattstunden-Speicher von RWE im Tagebau Hambach, während der Rekordausbau bei Photovoltaik weiter Mittagsstrom ins Netz drückt. Rechnen Sie Ihre Beschaffung deshalb gegen die Abendstunden, in denen der Preis entsteht, statt gegen den Jahresmittelwert.

Quellen

[1] AEMO: „Quarterly Energy Dynamics Q2 2026“, Juli 2026

[2] Bundesverband Solarwirtschaft: „Statistische Zahlen der deutschen Solarstrombranche (Speicher/Mobilität)“, Januar 2026

[3] Fraunhofer ISE: „Öffentliche Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2026“

[4] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur leitet Verfahren wegen Versäumnissen beim Smart Meter-Rollout ein“, 27. März 2026

Häufige Fragen

Wie senken Heimspeicher den Großhandelspreis für Strom?

Heimspeicher laden tagsüber mit Solarstrom und decken abends den Verbrauch im Haus. Damit fällt Nachfrage genau in der teuersten Stunde weg, und im Großhandel bestimmt dann ein günstigeres Kraftwerk den Preis. In Australien lief die Gasverstromung deshalb so niedrig wie zuletzt 2003.

Wie viele Heimspeicher stehen in Deutschland?

Bis Ende 2025 waren nach Zahlen des Bundesverbands Solarwirtschaft rund 2,35 Millionen solare Heimspeicher mit zusammen 19,8 Gigawattstunden installiert. Allein 2025 kamen 560.000 Anlagen mit durchschnittlich 7,9 Kilowattstunden Kapazität hinzu.

Was ist ein dynamischer Stromtarif nach Paragraf 41a EnWG?

Ein dynamischer Tarif gibt die stündlichen Preise der Strombörse an den Haushalt weiter. Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Lieferant einen solchen Vertrag anbieten, sobald beim Kunden ein intelligentes Messsystem eingebaut ist.

Warum bremst der Smart-Meter-Rollout die Vermarktung von Heimspeichern?

Ohne intelligentes Messsystem fehlt die viertelstündliche Messung, und der Speicher bleibt auf reinen Eigenverbrauch beschränkt. Die Bundesnetzagentur hat am 27. März 2026 deshalb 77 Verfahren gegen Firmen eröffnet, die mit dem Einbau noch nicht begonnen haben.

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