Ein Pumpspeicher speichert Strom, indem er Wasser bergauf pumpt und es bei Bedarf wieder nach unten durch eine Turbine leitet. Genau dieses Prinzip rüstet die EnBW im Nordschwarzwald in ein 100 Jahre altes Wasserkraftwerk nach, statt einen völlig neuen Standort zu erschließen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach erzeugt seit 1918 Strom aus der Wasserkraft der Murg. Für rund 280 Millionen Euro baut der Karlsruher Energiekonzern es zu einem modernen Pumpspeicher aus, der bis Herbst 2027 ans Netz gehen soll.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Die EnBW investiert rund 280 Millionen Euro in den Umbau des Rudolf-Fettweis-Werks bei Forbach im Nordschwarzwald.
- Eine neue Pumpturbine mit 57 Megawatt Pumpleistung macht aus dem alten Laufwasser- und Speicherkraftwerk einen Pumpspeicher.
- Die Anlage speichert je Tageszyklus rund 456 Megawattstunden und liefert daraus etwa acht Stunden lang Strom.
- Der Umbau soll bis Herbst 2027 abgeschlossen sein; die bestehende Schwarzenbachtalsperre dient als oberes Becken.
Wie wird aus dem alten Wasserkraftwerk ein Pumpspeicher?

Ein Kreislauf zwischen zwei Becken. Herzstück des Umbaus ist ein neuer Druckschacht, der 357 Meter senkrecht in den Fels führt. Über ihn stürzt Wasser aus der hoch gelegenen Schwarzenbachtalsperre in eine unterirdische Maschinenhalle, in der eine umkehrbare Pumpturbine sitzt.
Bei hoher Nachfrage treibt das herabstürzende Wasser den Generator an und erzeugt Strom. Liegt im Netz Überschuss aus Wind und Sonne, läuft die Maschine rückwärts und pumpt das Wasser wieder nach oben. Damit an der tief im Berg sitzenden Turbine keine zerstörerischen Dampfblasen entstehen, liegt sie bewusst weit unter dem unteren Wasserspiegel.
Den Schacht treiben die Bautrupps im Raisebohr-Verfahren nach oben auf: Zuerst geht eine schmale Pilotbohrung nach unten, dann weitet ein tonnenschwerer Bohrkopf den Schacht beim Aufstieg auf die volle Breite. Rund eine Million Tonnen Fels fallen an und wandern per Lastwagen zu einem Steinbruch in der Nähe.
Der Ausbau von Wind und Sonne bringt Strom im Überfluss oder gar nicht. Erst Speicher wie Forbach machen aus diesem Zufall eine planbare Versorgung, und genau daran hängt der Erfolg der Energiewende.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum baut Deutschland kaum neue Pumpspeicher?
Genehmigung und Akzeptanz. Neue Pumpspeicher auf der grünen Wiese scheitern in Deutschland seit Jahren an langen Verfahren, Umweltauflagen und Widerstand vor Ort. Ein bestehender Standort mit Talsperre, Wasserfassung und Netzanschluss umgeht viele dieser Hürden, weil die Landschaft dort längst geprägt ist.
Zugleich boomt das Batteriegeschäft. Konzerne wie RWE bauen im Tagebau Hambach Großspeicher mit 470 Megawattstunden, und die EnBW mietet lieber Italiens größte Batterie, statt selbst in Deutschland zu bauen. Batterien puffern jedoch nur Minuten bis wenige Stunden. Für die tägliche Verschiebung großer Strommengen über acht Stunden bleibt der Pumpspeicher die günstigste ausgereifte Technik.
Für Baden-Württemberg zählt das doppelt. Nach dem Atomausstieg und mit dem Rückbau alter Kohleblöcke fehlt dem Südwesten gesicherte Leistung, während die neue Netzentgelt-Systematik Speicher stärker in die Pflicht nimmt. Ein Pumpspeicher im eigenen Netzgebiet stützt die Frequenz und verdient sein Geld mit der Spanne zwischen billigem und teurem Strom, derselben Rechnung, die auch Gewerbespeicher tragfähig macht.
So arbeitet der Speicher
Alt schlägt neu. Der Umbau in Forbach zeigt, dass die schnellste neue Speicherkapazität oft in bestehenden Anlagen steckt statt im teuren Neubau. Für Planer und Betriebe in Baden-Württemberg lohnt der Blick auf solche Ertüchtigungen, bevor der nächste kalte, windstille Winterabend die Lücke im Netz sichtbar macht.
Quelle
[1] EnBW: „Pressemappe: Ausbau Pumpspeicherkraftwerk Forbach“ (EnBW, 2026)
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