Die Kölner RheinEnergie übernimmt das gesamte Energiedienstleistungsgeschäft der EnBW: rund 200 Anlagen und 150 Beschäftigte wechseln vom Karlsruher Konzern an den Rhein. Für EnBW ist der Verkauf binnen weniger Wochen der zweite Ausstieg aus einem kompletten Geschäftsfeld. Hinter dem nüchternen Deal steht die Frage, wer die Wärmewende im Gewerbe künftig betreibt.

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Beide Versorger bestätigten den Verkauf in einer gemeinsamen Mitteilung. Das Geschäft umfasst Beratung, Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb von Wärmepumpen, Photovoltaik, Gaskesseln und Blockheizkraftwerken für Firmenkunden, also das klassische Energie-Contracting.

Das Wichtigste in Kürze

  • RheinEnergie übernimmt EnBWs Energiedienstleistung mit rund 200 Anlagen und 150 Beschäftigten.
  • Kern ist das Contracting: RheinEnergie baut und betreibt Wärmepumpen, Photovoltaik, Gaskessel und Blockheizkraftwerke für Firmen.
  • Der Kölner Versorger wächst damit auf rund 800 Anlagen und 1.100 Megawatt Leistung.
  • Für EnBW folgt der Schritt kurz nach dem Verkauf des skandinavischen Ökostromgeschäfts.

Was RheinEnergie an sich zieht

Graues Außengerät mit Aufklebern (Karlsruhe/Köln), rechts kleines Kölner-Dom-Modell
RheinEnergie übernimmt 800 Anlagen und wächst damit zu einem der größten regionalen Energiedienstleister Deutschlands mit 1.100 MW installierter Leistung

800 Anlagen. Mit der Übernahme steigt RheinEnergie nach eigener Darstellung zu einem der größten regionalen Energiedienstleister Deutschlands auf. Der Bestand wächst auf rund 800 Anlagen und 1.100 Megawatt installierte Leistung, ein Sprung von gut einem Drittel. Zum Kaufpreis schweigen beide Seiten; Branchenberichten zufolge liegt er im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.[1]

Wärme als Dienstleistung. Statt eine Heizzentrale selbst zu kaufen, mietet der Kunde beim Contracting die fertige Wärme. Der Anbieter plant, finanziert und betreibt die Anlage, ganz ähnlich wie es Viessmann mit vernetzten Wärmepumpen am Strommarkt vormacht. Für RheinEnergie passt das Modell zum eigenen Stadtwerke-Kern rund um Köln.

Warum EnBW ein Feld nach dem anderen räumt

Serieller Rückzug. Erst verkaufte EnBW das Ökostromgeschäft in Dänemark und Schweden, dann stoppte der Konzern das Neukundengeschäft des Heimspeicher-Anbieters Senec, nun folgt das Contracting. EnBW konzentriert sich auf die eigene Infrastruktur, auf Netze, Kraftwerke und das Schnellladen, wo der Konzern Marktführer ist.

Zu klein, zu personalintensiv. Contracting ist ein zersplittertes Projektgeschäft mit langen Laufzeiten und viel Personal je Anlage. Einem DAX-Konzern bringt es wenig Skalierung, einem regional verankerten Stadtwerk dagegen genau die Nähe, die das Geschäft trägt.

EnBW trennt sich nicht von einem Verlustbringer, sondern von einem Geschäft, das bei einem Stadtwerk besser aufgehoben ist. Solche Schnitte sind kein Rückzug, sondern Fokus.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
RheinEnergie kauft EnBWs Contracting
Ein ganzes Geschäftsfeld wechselt den Betreiber
200
Anlagen wechseln von der EnBW an RheinEnergie
150
Beschäftigte gehen mit an den Rhein
800
Anlagen betreibt RheinEnergie danach
1.100 MW
installierte Leistung nach der Übernahme

Zweiter Ausstieg in Wochen

Nach dem Verkauf des skandinavischen Ökostromgeschäfts trennt sich die EnBW erneut von einem kompletten Geschäftsfeld und schärft ihr Portfolio auf Netze, Erzeugung und Schnellladen.

Kaufpreis unter Verschluss

Offiziell nennt keine Seite eine Zahl. Branchenberichten zufolge zahlt RheinEnergie einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.

Was der Wechsel für die Wärmewende bedeutet

Contracting im Aufwind. Die kommunale Wärmeplanung und das Gebäudeenergiegesetz zwingen Städte und Betriebe zum Heizungstausch, oft ohne das nötige Eigenkapital. Genau hier setzt Contracting an, wie es auch E.ON mit Leadec für Fabriken vormacht: Dekarbonisierung ohne eigene Investition.

Für Kunden ändert sich der Absender. Bestehende EnBW-Contracting-Verträge laufen künftig über RheinEnergie. Betroffene Firmen prüfen jetzt Laufzeiten und Preisgleitklauseln ihrer Verträge. Betriebe, die ohne Eigenkapital dekarbonisieren müssen, finden im Contracting weiter den kapitalschonendsten Weg zur Gesetzeskonformität.

FAQ: EnBW verkauft sein Contracting-Geschäft

Was ist Energie-Contracting?

Beim Energie-Contracting kauft der Kunde nicht die Anlage, sondern die fertige Energie. Der Contractor plant, finanziert, baut und betreibt die Heiz- oder Kraftwerkstechnik und verkauft Wärme oder Strom als Dienstleistung. So gelingt die Modernisierung ohne eigene Investition.

Wer betreibt die EnBW-Contracting-Anlagen künftig?

Künftig betreibt die Kölner RheinEnergie die rund 200 Anlagen. Sie übernimmt das gesamte Energiedienstleistungsgeschäft samt etwa 150 Beschäftigten von der EnBW. Bestehende Verträge laufen damit über RheinEnergie weiter.

Wie groß ist RheinEnergie nach der Übernahme?

Nach der Übernahme betreibt RheinEnergie rund 800 Anlagen mit etwa 1.100 Megawatt installierter Leistung. Der Versorger zählt damit nach eigener Darstellung zu den größten regionalen Energiedienstleistern Deutschlands.

Was kostet die Übernahme des Energiedienstleistungsgeschäfts?

Beide Unternehmen nennen offiziell keinen Kaufpreis. Branchenberichten zufolge zahlt RheinEnergie einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Eine bestätigte Zahl liegt bisher nicht vor.

Was ist die kommunale Wärmeplanung?

Die kommunale Wärmeplanung verpflichtet Städte und Gemeinden, den Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung festzulegen. Sie treibt den Umstieg auf Wärmepumpen und Fernwärme und macht Contracting-Modelle für Kommunen und Betriebe attraktiver.

Quelle

[1] EnBW: Pressemitteilungen im EnBW-Newsroom

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