Wacker Chemie meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Gewinn von 365 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahr. Den größten Teil dieses Sprungs trägt aber nicht das Tagesgeschäft, sondern der Verkauf von Anteilen am Waferhersteller Siltronic. Der bereinigte Blick zeigt eine Chemie im Aufwind und eine Polysilicium-Sparte, die weiter schrumpft.

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Wacker Chemie steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 nur leicht auf 2,9 Milliarden Euro und hob das operative Ergebnis deutlich an.[1] Hinter der Schlagzeile vom Rekordgewinn stecken zwei Geschichten, die Entscheider auseinanderhalten sollten: ein Kostenprogramm, das greift, und ein Einmalerlös, der die Bilanz kurzfristig schmückt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Halbjahresgewinn springt auf 364,9 Millionen Euro, nach einem Verlust von 22,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
  • Rund 243 Millionen Euro davon stammen aus dem Verkauf von Siltronic-Anteilen, weitere 36,7 Millionen aus einem Pensions-Sondereffekt.
  • Das operative EBITDA im zweiten Quartal lag bei 175 Millionen Euro, das berichtete bei 211,3 Millionen.
  • Wacker hebt die EBITDA-Prognose für 2026 auf 625 bis 750 Millionen Euro an, senkt aber die Umsatzerwartung.

Woher kommt der Sprung im Halbjahresgewinn?

Goldfarbene 1-Euro-Münze auf Waagschale, Klebezettel
Nettoergebnis dreht in die schwarzen Zahlen: 364,9 Mio. Euro im Halbjahr, hauptsächlich durch Siltronic-Verkauf mit 243 Mio. Euro Ertrag

Das Nettoergebnis drehte im Halbjahr von minus 22,6 auf plus 364,9 Millionen Euro.[1] Der Löwenanteil ist nicht operativ verdient. Rund 243 Millionen Euro entfielen auf den Siltronic-Verkauf, den Ausstieg aus dem einstigen Wafertochter-Unternehmen, das Wacker vor Jahren an die Börse gebracht hatte; der Mittelzufluss allein lag bei 185,4 Millionen Euro. Der Waferhersteller selbst kämpft derzeit mit einem Verlust in seiner Fabrik in Singapur. Ein weiterer nicht-operativer Ertrag von 36,7 Millionen Euro stammt aus der Anpassung von Pensionsrückstellungen.

Rechnet man diese Sondereffekte heraus, bleibt ein operatives EBITDA von 175 Millionen Euro im zweiten Quartal, statt der berichteten 211,3 Millionen. Diese Verbesserung ist real und stammt aus dem Kostenprogramm PACE, das über 300 Millionen Euro im Jahr einsparen soll. Vorstandschef Christian Hartel ordnet den Stand so ein: „Die Umsetzung der PACE-Maßnahmen kommt weltweit voran, wir liegen genau im Plan.“

Zwei Geschwindigkeiten im Polysilicium?

Das eigentliche Sorgenkind bleibt die Polysilicium-Sparte. Ihr EBITDA fiel im zweiten Quartal auf 11 Millionen Euro, nach 34 Millionen ein Jahr zuvor.[1] Der Grund liegt in einer Spaltung des Marktes. Die Nachfrage nach hochreinem Polysilicium für Halbleiter wuchs zweistellig, während die Solarqualität unter dem Preisverfall durch chinesische Überkapazitäten leidet. Dasselbe Molekül bedient zwei gegenläufige Märkte.

Getragen haben das Quartal die drei Chemiesegmente. Silicones kam auf 757 Millionen Euro Umsatz und 123 Millionen EBITDA, Polymers auf 406 Millionen Umsatz und ein um 74 Prozent höheres EBITDA von 69 Millionen. Der Ausstieg bei Siltronic passt in dieses Bild, denn Wacker senkt so seine Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Wafergeschäft, das zuletzt schon andere deutsche Chipwerte belastete. Reinstchemie für die Chipfertigung bleibt dagegen gefragt, wie auch Evonik mit seiner Reinstchemie in China zeigt.

Der Verkauf der Siltronic-Anteile schmückt die Bilanz für ein Quartal. Profitabel bleibt Wacker nur, wenn das Kostenprogramm hält, nicht der Kassensturz.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wacker Chemie: das Halbjahr 2026 in Zahlen
Ein Rekordgewinn, den ein Verkauf trägt, und eine Sparte, die weiter schrumpft.
2,9 Mrd. €
Halbjahresumsatz, ein Plus von 1,1 Prozent zum Vorjahr
365 Mio. €
Halbjahresgewinn, nach 23 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor
243 Mio. €
Ergebnisbeitrag aus dem Verkauf der Siltronic-Anteile
11 Mio. €
EBITDA der Polysilicium-Sparte im zweiten Quartal, nach 34 Millionen ein Jahr zuvor

Die angehobene Prognose

550 bis 700 Mio. €bisherige EBITDA-Erwartung für 2026
625 bis 750 Mio. €angehobene EBITDA-Erwartung für 2026

Was heißt das für die deutsche Chemie?

Wackers Halbjahr steht für die Lage der ganzen deutschen Chemieindustrie. Hohe Energiekosten und chinesische Konkurrenz zwingen zu Sparprogrammen, wie schon der Streit um die ETS-Reform im Emissionshandel und der Kampf der Stahlbranche um den Strompreis zeigen. Wackers Antwort heißt PACE, mit über 300 Millionen Euro Einsparung pro Jahr, davon rund 200 Millionen schon 2026.

Für Entscheider zählt die Trennung von Substanz und Sondereffekt. Wacker hob die EBITDA-Prognose für 2026 auf 625 bis 750 Millionen Euro an, senkte aber die Umsatzerwartung auf ein mittleres einstelliges Wachstum.[1] Die Nettofinanzschulden lagen Ende Juni bei 722 Millionen Euro und sollen bis Jahresende auf rund 500 Millionen sinken, auch dank des Siltronic-Erlöses. Den Wert des Konzerns bemisst am Ende nicht der Einmalgewinn dieses Halbjahres, sondern die operative Marge der Folgequartale.

Quelle

[1] WACKER Chemie AG: „WACKER steigert das Quartalsergebnis durch Kosteneinsparungen und einen Sondereffekt“

Häufige Fragen zum Wacker-Halbjahr

Wie hoch war der Gewinn von Wacker Chemie im ersten Halbjahr 2026?

Wacker Chemie meldete im ersten Halbjahr 2026 ein Nettoergebnis von 364,9 Millionen Euro, nach einem Verlust von 22,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Sprung geht wesentlich auf Sondereffekte zurück, vor allem auf den Verkauf von Anteilen an der Siltronic AG.

Warum ist der Halbjahresgewinn von Wacker Chemie so hoch ausgefallen?

Rund 243 Millionen Euro des Nettoergebnisses stammen aus dem Verkauf von Siltronic-Anteilen, der Mittelzufluss allein lag bei 185,4 Millionen Euro. Hinzu kam ein nicht-operativer Ertrag von 36,7 Millionen Euro aus der Anpassung von Pensionsrückstellungen. Operativ lag das EBITDA im zweiten Quartal bei 175 Millionen Euro.

Wie entwickelt sich die Polysilicium-Sparte von Wacker Chemie?

Das EBITDA der Polysilicium-Sparte fiel im zweiten Quartal 2026 auf 11 Millionen Euro, nach 34 Millionen ein Jahr zuvor. Die Nachfrage nach hochreinem Polysilicium für Halbleiter wuchs zweistellig, während die Solarqualität unter dem Preisverfall durch chinesische Überkapazitäten leidet.

Welche Prognose gibt Wacker Chemie für das Jahr 2026?

Wacker Chemie hob die EBITDA-Erwartung für 2026 auf 625 bis 750 Millionen Euro an, zuvor lag sie bei 550 bis 700 Millionen. Zugleich senkte der Konzern die Umsatzerwartung auf ein mittleres einstelliges Wachstum. Die Investitionen sind mit rund 300 Millionen Euro geplant.

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