Siltronic meldet für das erste Halbjahr 2026 volle Auftragsbücher bei den großen 300-Millimeter-Wafern und bestätigt die Jahresprognose. Unter dem Strich steht trotzdem ein Verlust von 130 Millionen Euro. Der Grund liegt nicht im Geschäft, sondern in einer Fabrik.

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628,1 Millionen Euro Umsatz, ein Betriebsergebnis klar im Plus und am Ende ein Minus von 130 Millionen Euro: Die Halbjahreszahlen von Siltronic wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Der Waferhersteller aus München verdient an seinem Kerngeschäft weiterhin gutes Geld. Die Lücke zwischen Betriebsgewinn und Nettoverlust erklärt erst der Blick auf die Bilanz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 liegt bei 628,1 Millionen Euro, 6,9 Prozent unter Vorjahr, die EBITDA-Marge bei 21,4 Prozent.
  • Unterm Strich steht ein Verlust von 130,0 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 18,8 Millionen im Vorjahreszeitraum.
  • Die Nachfrage nach 300-Millimeter-Wafern bleibt robust, die kleineren 200-Millimeter-Scheiben erholen sich erst im zweiten Halbjahr.
  • Die Jahresprognose bleibt bestehen: Umsatz leicht unter Vorjahr, EBITDA-Marge zwischen 20 und 24 Prozent.

Wie passt ein Betriebsgewinn zu 130 Millionen Euro Verlust?

Eine Modellanlage einer Industrieanlage, die auf einer reflektierenden Metallscheibe steht, mit einem Etikett, auf dem „2 Mrd. €“ steht
Siltronic erzielte im Q2 134,5 Mio. Euro EBITDA bei 21,4% Marge, Umsatz stieg auf 321,6 Mio. Euro. Verlust durch Abschreibungen und Finanzierungskosten der neuen Fabrik in Singapur

Das operative Geschäft trägt sich: 134,5 Millionen Euro EBITDA bei 21,4 Prozent Marge. Der Verlust entsteht darunter, durch hohe Abschreibungen und Finanzierungskosten der neuen Fabrik in Singapur.

Im zweiten Quartal hat Siltronic den Umsatz gegenüber den ersten drei Monaten sogar um 4,9 Prozent auf 321,6 Millionen Euro gesteigert, die Marge blieb stabil.[1] Der Sprung ins Minus zeigt sich erst beim Ergebnis je Aktie: minus 3,64 Euro, nach plus 0,46 Euro ein Jahr zuvor. Hinter dem roten Wert steht keine Nachfrageschwäche, sondern das Timing.

Warum drückt ausgerechnet die neuste Fabrik das Ergebnis?

Die 300-Millimeter-Fabrik in Singapur war mit rund zwei Milliarden Euro die größte Investition der Firmengeschichte. Seit dem Hochlauf 2024 laufen Abschreibungen und Zinsen voll, während die Auslastung erst nach oben fährt.

Ein Werk dieser Größe schreibt sich über Jahre ab, unabhängig davon, wie viele Wafer schon durch die Linien laufen. Die Investitionen sind bereits von 250,1 auf 155,8 Millionen Euro gesunken, der Kostengipfel ist also überschritten, doch die Nettofinanzschulden liegen weiter bei 691,9 Millionen Euro. Ein starker Euro, im Schnitt 1,17 Dollar gegenüber 1,09 im Vorjahr, verteuert das Dollar-Geschäft zusätzlich.

Die Fabrik ist auf hohe Auslastung ausgelegt und hat mit Samsung einen langfristigen Großkunden im Rücken. Fährt die Nachfrage aus dem KI-Boom wie erwartet hoch, wird aus genau dieser Kostenlast ein Hebel nach oben. Vorerst aber bezahlt Siltronic eine Fabrik, die vor der Welle fertig sein musste.

Der rote Halbjahresausweis ist kein Nachfrageproblem, sondern die Rechnung für eine Fabrik, die vor dem Boom fertig sein musste. Siltronic zahlt heute die Abschreibungen, um in ein bis zwei Jahren die Wafer für Europas KI-Chips liefern zu können.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Siltronic im ersten Halbjahr 2026
Starkes Kerngeschäft, roter Jahresstart
628,1 Mio €
Umsatz Halbjahr 2026
6,9 Prozent unter Vorjahr
21,4 %
EBITDA-Marge
operativ weiter profitabel
−130,0 Mio €
Nettoergebnis
nach plus 18,8 Mio € im Vorjahr
~2 Mrd €
Investition Fabrik Singapur
größte der Firmengeschichte

Ein Markt, zwei Geschwindigkeiten

300-Millimeter-Wafer

Nachfrage bleibt über das ganze Jahr robust, getragen von Rechenzentren und KI-Chips.

200-Millimeter-Wafer

Schwaches erstes Halbjahr durch Lagerabbau, spürbare Erholung erst im zweiten Halbjahr 2026.

Was bedeutet der geteilte Wafermarkt für deutsche Chippläne?

Ohne Silizium-Wafer läuft keine Chipfabrik. Der Aufbau europäischer Fertigung hängt an einer Handvoll Waferhersteller weltweit, und Siltronic ist einer davon.

Der Markt läuft zweigeteilt. Die großen 300-Millimeter-Scheiben für Logik, Speicher und KI-Beschleuniger sind gefragt, die kleineren 200-Millimeter-Wafer für Leistungshalbleiter und Autoelektronik schwächeln und sollen sich erst im zweiten Halbjahr erholen. Wie nervös die Börse auf diese KI-Wette reagiert, hat zuletzt der Ausverkauf koreanischer Halbleiterwerte gezeigt.

Für deutsche Entscheider ist die Waferversorgung der stille Frühindikator hinter jeder Chip-Ambition. Die Fünf-Milliarden-Fabrik, die Infineon in Dresden eröffnet hat, und Vorstöße wie der des Freiburger Start-ups NexWafe gegen Chinas Wafer-Monopol zeigen, wie eng Europas Souveränität am Nachschub aus wenigen Werken hängt. Für die Planung von Chip-Lieferzeiten lohnt der Blick auf die Auslastung der Waferhersteller, denn sie dreht früher als der Auftragseingang der Chipkonzerne.

Quelle

[1] Siltronic AG: „Wafernachfrage unterstützt Umsatzausblick für 2026″ (Halbjahresmitteilung, 30. Juli 2026)

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