Die deutschen Autozulieferer streichen Tausende Stellen und verlangen zugleich längere Arbeitswochen. Bei Aumovio, ZF und Bosch läuft der Umbau in beide Richtungen gleichzeitig. Hinter dem Widerspruch steckt eine Verschiebung, die mehr Arbeitszeit allein nicht aufhält.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIn der Autozulieferer-Krise standen am 21. September in über 200 Betrieben die Bänder für eine verlängerte Mittagspause still. Dem Aufruf der IG Metall folgten bundesweit mehr als 175.000 Beschäftigte, viele davon bei Zulieferern wie Aumovio, dem im September 2025 abgespaltenen Automotive-Geschäft von Continental. Der Protest zielt auf zwei Punkte zugleich, den Stellenabbau und die Forderung nach längeren Wochen ohne mehr Lohn.
Das Wichtigste in Kürze
- 175.000 Beschäftigte demonstrierten am 21. September in über 200 Betrieben gegen den Kurs der Autozulieferer.
- Aumovio streicht bis Ende 2026 bis zu 4.000 weitere Stellen und will zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich zurück.
- ZF baut bis zu 14.000 Stellen in Deutschland ab, Bosch trennt sich von mehreren Zehntausend.
- Der E-Antrieb braucht weit weniger Bauteile als ein Verbrenner und drückt so den Umsatz je Fahrzeug.
Warum streichen die Zulieferer und fordern zugleich längere Wochen?

Beide Schritte senken die Kosten pro Fahrzeug. Ein Elektroantrieb kommt mit einem Bruchteil der Bauteile eines Verbrenners aus, weil Getriebe, Einspritzung und Abgastechnik entfallen. Der Umsatz je verkauftem Auto sinkt, und die Zulieferer sitzen auf Werken und Entwicklungsteams, die für die alte Teilevielfalt gebaut sind. Längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verteilt die Fixkosten auf mehr Stunden, der Stellenabbau senkt sie direkt. Neu ist die Forderung nicht: Schon im Sommer verlangte Aumovios Vorstand die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche, ähnlich wie kurz darauf der Aufsichtsratschef von Stihl.
Aumovio, ZF und Bosch: Einzelfall oder Muster?
Der Abbau zieht sich durch die ganze Branche. Aumovio, im September 2025 von Continental abgespalten, will bis Ende 2026 bis zu 4.000 weitere Stellen streichen, vor allem in Forschung und Entwicklung, nachdem dort bereits 3.000 Stellen weggefallen sind. Von einst über 100.000 Beschäftigten bei Continental Automotive sind noch rund 86.000 übrig. ZF kürzt bis zu 14.000 Stellen in Deutschland und schichtet Wachstum in die Rüstung um, Bosch trennt sich von mehreren Zehntausend. Auch die Hersteller schwächeln, Volkswagen schrieb wegen Porsche sechs Milliarden Euro ab.
Die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich drückt die Stückkosten, füllt aber keine leeren Auftragsbücher. Aumovio, ZF und Bosch stemmen sich gegen einen Nachfrageeinbruch, den längere Arbeitszeit nicht ausgleicht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Aktionstag für den Standort Deutschland?
Der Streit über die Arbeitszeit erreicht die Fläche. Die IG Metall verteidigt die 35-Stunden-Woche und fordert Investitionen in die Standorte statt Ausschüttungen an die Aktionäre.[1] Vorstände entdecken die Wochenarbeitszeit dagegen als Stellschraube für den Standort Deutschland. Für Zulieferbetriebe bleibt der Kostendruck auch nach dem Aktionstag, und die Verhandlungen über Arbeitszeit und Standortgarantien laufen weiter. Betriebe, die noch Aufträge aus der Verbrennerwelt kalkulieren, sollten mit weiter sinkenden Volumina planen.
Rechtzeitig umsteuern zählt jetzt mehr als eine gute Verhandlungsposition. Zulieferer, die den Wandel überstehen wollen, verlagern ihr Geschäft früh auf E-Komponenten, Software und angrenzende Märkte, statt allein an der Arbeitszeit zu drehen.
FAQ: Autozulieferer-Krise
Was ist Aumovio?
Aumovio ist das im September 2025 von Continental abgespaltene Automotive-Geschäft mit rund 86.000 Beschäftigten. Das Unternehmen liefert Fahrzeugelektronik, Bremssysteme und Software und ist seit der Abspaltung eigenständig börsennotiert.
Warum baut die Autoindustrie so viele Stellen ab?
Der Umstieg vom Verbrenner zum Elektroauto senkt die Zahl der benötigten Bauteile stark, weil Getriebe, Einspritzung und Abgastechnik entfallen. Zugleich wächst die E-Auto-Nachfrage langsamer als geplant, und chinesische Hersteller drücken die Preise.
Was fordert die IG Metall am Aktionstag?
Die IG Metall verlangt Investitionen in die deutschen Standorte, den Erhalt der Arbeitsplätze und eine faire Lastenverteilung. Sie verteidigt die 35-Stunden-Woche und wendet sich gegen eine unbezahlte Verlängerung der Wochenarbeitszeit.
Bedeutet die 40-Stunden-Woche mehr Lohn?
Nein. Die von Aumovio geforderte Rückkehr zur 40-Stunden-Woche sieht fünf zusätzliche Wochenstunden ohne Lohnausgleich vor. Die Beschäftigten arbeiten länger für dasselbe Geld, was die Kosten pro Stück senkt.
Quelle
[1] IG Metall: „Aktionstag am 21. September in über 50 bayerischen Betrieben der Auto- und Zulieferindustrie“
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