Artikel teilen

Die Belegschaft der Eisengießerei Ueckermünde im Landkreis Vorpommern-Greifswald hat bei einer Betriebsversammlung den ersten Sozialplan-Entwurf der Breyden-Gruppe abgelehnt. Das Unternehmen bot laut einem Bericht auf ad-hoc-news.de insgesamt 3 Millionen Euro für knapp 290 Beschäftigte und verlangte dafür den Verzicht auf Kündigungsschutzklagen, der Betriebsrat fordert mindestens 18 Millionen Euro.[1]

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Wie weit liegen Angebot und Forderung auseinander?
  2. Warum verhandeln beide Seiten so hart?
  3. Was bedeutet das für Beschäftigte und Region?
  4. Mehr Newshunger?

Breyden hatte die Schließung am 2. Oktober für Ende 2026 angekündigt.[3] Neu ist der Streit ums Geld: Ein Interessenausgleich oder ein Sozialplan liegt nicht vor, die Verhandlungen laufen. Stand: Freitag, 6. November.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Belegschaft der Eisengießerei Ueckermünde lehnt den ersten Sozialplan-Entwurf von Breyden ab.
  • Breyden bietet insgesamt 3 Millionen Euro und verlangt den Verzicht auf Kündigungsschutzklagen, der Betriebsrat fordert mindestens 18 Millionen Euro.
  • Betriebsratschef Clemens Schröder sagt laut Bericht, selbst Beschäftigte mit mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit bekämen nach dem Entwurf nur wenige tausend Euro.
  • Laut Unternehmen sind noch keine Kündigungen ausgesprochen, die Schließung ist für Ende 2026 geplant. Für Freitag ist ein weiteres Krisentreffen angesetzt.

Wie weit liegen Angebot und Forderung auseinander?

Alte Balkenwaage, links eine Münze, rechts ein Haufen Münzen, Etikett „3 zu 18“ in der Mitte
Breyden bietet 3 Millionen Euro Entschädigung, Betriebsrat fordert 18 Millionen Euro für etwa 290 Beschäftigte

Breyden bietet 3 Millionen Euro für alle Betroffenen, der Betriebsrat verlangt mindestens 18 Millionen Euro.[1] Auf die knapp 290 Beschäftigten umgelegt, die der Bericht nennt, sind das rechnerisch rund 10.300 Euro gegenüber rund 62.000 Euro je Kopf. Das ist eine Durchschnittsrechnung: Wer lange im Betrieb ist, bekommt in der Regel mehr, wer kurz dabei ist, weniger. Schröder sagt, nach dem Entwurf erhielte selbst ein Beschäftigter mit mehr als 30 Jahren im Betrieb nur wenige tausend Euro.[1]

Die Zahl der Betroffenen schwankt je nach Quelle. Breyden sprach im Oktober von rund 320 Beschäftigten, davon 260 mit Festvertrag, der NDR von 290.[3] Der Bericht legt die 290 zugrunde, die Gegenüberstellung gilt deshalb nur für diese Zahl. Der Betriebsrat hat laut IG Metall ein eigenes Eckpunktepapier als Gegenentwurf erarbeitet, damit beginnt die erste Verhandlungsrunde.[2]

Sozialplan Ueckermünde in Zahlen
Angebot und Forderung für knapp 290 Beschäftigte
3 Mio. €
bietet die Breyden-Gruppe insgesamt, rechnerisch rund 10.300 Euro je Beschäftigtem
18 Mio. €
verlangt der Betriebsrat mindestens, das Sechsfache, rechnerisch rund 62.000 Euro je Beschäftigtem
knapp 290
Beschäftigte hat die Gießerei laut Bericht, das Unternehmen sprach im Oktober von 320 inklusive Befristeter und Leiharbeitern
Wie der Konflikt verläuft
2. Oktober 2026
Breyden kündigt die Schließung der Eisengießerei zum Jahresende an
Anfang November 2026
Der Betriebsrat legt einen Gegenentwurf vor, die erste Verhandlungsrunde beginnt
Diese Woche
Eine Betriebsversammlung lehnt den ersten Sozialplan-Entwurf ab
Freitag, 6. November 2026
Ein weiteres Krisentreffen ist angesetzt

Warum verhandeln beide Seiten so hart?

Für Breyden ist der Standort ein Verlustbringer: Die Geschäftsführung nannte im Oktober Strompreise von 20 bis 25 Cent je Kilowattstunde in Deutschland, Wettbewerber in China und Indien zahlten 6 bis 8 Cent. Das Werk verarbeitete früher 50.000 Tonnen Eisen im Jahr, zuletzt 35.000 Tonnen, und braucht laut Breyden schon jetzt erhebliche Finanzhilfen aus der Gruppe.[3] Die Branche insgesamt schrumpft: Die deutsche Gussproduktion sank 2025 laut Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie um rund 4 Prozent auf 3,3 Millionen Tonnen, die Beschäftigung um 6 Prozent.[3]

Für die Beschäftigten geht es um die Abfindung, weil Alternativen in der Region knapp sind. Wie ein Sozialplan bei einer Gießerei ausfallen kann, zeigt der Standort Lollar mit 243 Beschäftigten, wo nach früheren Angaben Abfindungen bis 115.000 Euro und zwölf Monate Transfergesellschaft vereinbart wurden.[3] Die Vergleichbarkeit ist begrenzt: Dort gab es eine Transfergesellschaft, in Ueckermünde ist davon bisher nichts bekannt. Auch andere Gießereien stehen unter Druck, etwa die Walzengießerei Coswig, die Ende November schließt, oder die Leipziger Gießerei SHB, die mit 180 von 230 Stellen aus der Insolvenz kommt.

Was bedeutet das für Beschäftigte und Region?

Der Konflikt hat die Region erreicht. Wie der Nordkurier berichtet, halten Beschäftigte und ihre Familien montags um 18 Uhr eine Mahnwache, zuletzt die sechste.[2] Der frühere Geschäftsführer Ulrich Stark, der dort zum Krisenstab gehört, bezweifelt, dass die Schließung zum Jahresende zu halten ist, weil die Sozialplanverhandlungen erst beginnen. Er nennt Aequita nach eigener Darstellung einen Konzern mit mehr als 2,5 Milliarden Euro Umsatz und rund 500 Millionen Euro Gewinn, belegt ist das im Bericht nicht.[2] IG-Metall-Sekretär Denis Rogge sagt: „Unser Kampf ist nicht vorbei.“[2]

Der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hatte laut Bericht Bundeshilfen angeboten, den Streit haben sie bisher nicht gelöst.[1] Die Geschäftsführung bestätigt laufende Verhandlungen, nennt aber keine Details. Für Betroffene heißt das: Aufhebungsverträge und das Angebot zum Klageverzicht erst unterschreiben, wenn ein Sozialplan mit dem Betriebsrat steht und die Kündigungen zugegangen sind. Eine Kündigungsschutzklage ist in der Regel nur innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung möglich (§ 4 KSchG).

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. ad-hoc-news.deUeckermünde: Betriebsrat fordert für knapp 290 Beschäftigte 18 Millionen Euro (November 2026, ohne genannte Originalquelle, Angaben zu Breyden-Angebot und Forderung nur dort)
  2. NordkurierBericht zur sechsten Mahnwache an der Gießerei05.11.2026
  3. Dr. WebBreyden will die Eisengießerei in Ueckermünde schließen: 320 Stellen fallen weg (5. Oktober 2026), dort ausgewertet: Nordkurier, Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie, IG Metall, Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern

Mehr Newshunger?

4,2 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.