Das Stahl- und Hartgusswerk Bösdorf in Leipzig-Knautnaundorf soll sein Insolvenzverfahren in den nächsten Tagen abschließen. Rund 180 der ursprünglich etwa 230 Arbeitsplätze bleiben erhalten, sagte der Sanierungsbeauftragte Martin Lambrecht dem MDR. Die Schwestergießerei der DIHAG-Gruppe in Coswig stellt dagegen Ende November die Produktion ein.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAus Knautnaundorf kommen Gussteile für die Londoner U-Bahn und für Kohlebagger in China. Vor gut einem Jahr fehlten der Gießerei die Aufträge, gleichzeitig zehrten hohe Stromkosten am Ergebnis.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit September 2025 läuft das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, die Geschäftsführung arbeitet unter Aufsicht eines Sachwalters.
- Rund 50 Stellen fielen in der Sanierung weg, etwa 180 bleiben in Leipzig.
- Die Walzengießerei Coswig fand keinen Investor, rund 170 Beschäftigte haben ihre Kündigung erhalten.
Wie weit ist die Sanierung in Knautnaundorf?

Im Juli 2025 beantragte die SHB Stahl- und Hartgusswerk Bösdorf GmbH ein Insolvenzverfahren, seit dem 1. September 2025 läuft das Verfahren in Eigenverwaltung.
Laut Lambrecht verbesserte die Gießerei im Verfahren ihre Abläufe und verkleinerte die Belegschaft, gut jede fünfte Stelle fiel weg.[1] Die wirtschaftliche Lage habe sich stabilisiert, sagt der Sanierer und lobt motivierte Beschäftigte sowie den guten Ruf der Produkte bei Kunden. Den Abschluss kündigte er für die nächsten Tage an, beendet ist das Verfahren damit noch nicht.
Warum schließt Coswig, während Leipzig bleibt?
Beide Werke gehören zur DIHAG-Gruppe, die acht Gießereien in Deutschland, Polen und Ungarn betreibt. Die Walzengießerei Coswig bei Dresden beantragte Ende November 2025 Insolvenz. Das Sanierungsteam sprach dort rund 140 Investoren an, am Ende sagten alle ab.
Das Coswiger Werk hängt an einer einzigen Abnehmerbranche. Walzen nutzen sich in den Walzwerken der Stahlindustrie ab und müssen ersetzt werden, nur sank die deutsche Stahlnachfrage laut Wirtschaftsvereinigung Stahl von 2017 bis 2025 um rund 30 Prozent.[3] Das Leipziger Werk beliefert mehrere Branchen, vom Schienenverkehr in London bis zum Bergbau in China.
Was heißt die Rettung für die Gießerei-Branche?
Die deutsche Gussproduktion ging 2025 laut Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) um rund 4 Prozent auf etwa 3,3 Millionen Tonnen zurück, der Umsatz fiel um 7 Prozent auf weniger als 12 Milliarden Euro.[2] Die Beschäftigung sank um 6 Prozent, für 2026 erwartet der Verband eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau.
Schon im Januar urteilte der BDG, der Industriestrompreis gehe „in weiten Teilen an der Branche vorbei“. Der Zielpreis von rund 5 Cent je Kilowattstunde gilt nur für die halbe Strommenge und für Branchen, denen laut EU eine Abwanderung ins Ausland droht (Carbon-Leakage-Liste). Im Osten stehen weitere Gießereien vor dem Aus: Breyden will die Eisengießerei in Ueckermünde mit rund 320 Beschäftigten Ende 2026 schließen.
Abnehmer der Coswiger Gussteile haben bis Ende November Zeit, Ersatzlieferanten zu qualifizieren. Einkäufer, die in Leipzig bestellen, lassen sich den Abschluss des Verfahrens schriftlich bestätigen, bevor sie Rahmenverträge über mehrere Jahre abschließen. Ähnlich geht Paul Köster in Medebach vor: Der Sondermaschinenbauer streicht im Verfahren in Eigenverwaltung 90 Stellen und will 212 erhalten.
Quellen
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