Die Walzengießerei Coswig bei Dresden stellt Ende November die Produktion ein, alle rund 170 Beschäftigten haben ihre Kündigung erhalten. Das Sanierungsteam sprach rund 140 Investoren an, am Ende sagten alle ab. Seit mindestens 2017 schreibt das Werk Verluste, im selben Zeitraum schrumpfte die deutsche Stahlnachfrage um rund 30 Prozent.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Die Kollegen hatten auf Urlaubsgelder, Leistungszulagen und Tariferhöhungen verzichtet“, sagt Steven Kempe, Geschäftsführer der IG Metall Dresden-Riesa, über die Belegschaft der Walzengießerei Coswig.[1] Gerettet hat der Verzicht das Werk im Landkreis Meißen nicht. Nach 134 Jahren endet dort der Guss tonnenschwerer Walzen. Zuerst berichtete die Sächsische Zeitung über das Aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Walzengießerei Coswig beendet Ende November 2026 die Produktion, rund 170 Beschäftigte erhalten die Kündigung.
- Den Insolvenzantrag stellte die Gießerei Ende November 2025, seit Februar 2026 läuft das Verfahren in Eigenverwaltung.
- Von rund 140 angesprochenen Investoren prüften zehn einen Einstieg genauer, zugesagt hat keiner.
- Coswig gehört zur Gießereigruppe DIHAG, deren Leipziger Schwesterwerk SHB schon im September 2025 Insolvenz anmeldete.
Wie endete die Suche nach einem Käufer?

Ende November 2025 beantragte die Walzengießerei Coswig GmbH beim Amtsgericht Dresden ein Insolvenzverfahren. Damals arbeiteten je nach Angabe zwischen 220 und 260 Menschen im Werk. Seit Februar 2026 läuft das Verfahren in Eigenverwaltung: Die Geschäftsführung blieb im Amt, ein Sachwalter überwacht sie. Bis Oktober 2026 sank die Belegschaft auf rund 170 Beschäftigte.
Das Sanierungsteam kontaktierte rund 140 potenzielle Investoren, zehn davon zeigten fortgeschrittenes Interesse. „Im Ergebnis haben aber alle abgesagt“, sagte Sanierungsberater Martin Lambrecht der Bild.[1] Als Grund nannte er Zweifel an der Finanzierung der Fertigung. Noch im Dezember 2025 hatte Lambrecht der Sächsischen Zeitung gesagt, die Gruppe wolle mit Coswig und Leipzig „in die Zukunft gehen“.
Das Verfahren steht damit auf der letzten Stufe vor der Stilllegung: Die Kündigungen sind verschickt, Ende November läuft die Produktion aus. Kempe hält dagegen, die Krise sei „nicht von heute auf morgen entstanden“, und wirft dem Management Fehler vor. Für Ende Oktober plant die IG Metall eine Jobmesse für die Belegschaft.
Warum rechnen sich Walzen aus Coswig nicht mehr?
Das Werk gießt Walzen für Walzwerke der Stahlindustrie, dazu Eisenguss für Windkraftanlagen und den Maschinenbau. Eine Walze nutzt sich im Walzgerüst ab und wird ersetzt. Je weniger Stahl die Walzwerke verarbeiten, desto seltener brauchen sie neue Walzen.
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl beziffert den Rückgang der deutschen Stahlnachfrage von 2017 bis 2025 auf rund 30 Prozent, etwa 12 Millionen Tonnen.[2] Die Rohstahlproduktion fiel 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen, den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise 2009. Als Minimum für eine gesunde Auslastung nennt der Verband 40 Millionen Tonnen.
Seit mindestens 2017 schreibt die Gießerei laut Sächsischer Zeitung Verluste, 2023 standen bei 52 Millionen Euro Umsatz zwei Millionen Euro Minus. Zur sinkenden Auslastung kamen stark gestiegene Kosten für Material und Energie.[1]
Wen trifft die Stahlflaute noch?
Auch die Abnehmer bauen ab: ArcelorMittal beendet im September 2027 die Stahlerzeugung in Duisburg-Ruhrort und schließt dort auch ein Knüppelwalzwerk. Thyssenkrupp Steel meldet 4.000 von 11.000 geplanten Stellen als abgebaut oder ausgelagert.
In Ostdeutschland reiht sich Coswig in eine Serie von Werksschließungen ein. Breyden will die Eisengießerei in Ueckermünde mit rund 320 Beschäftigten Ende 2026 schließen, in Thüringen stellt Kahla Porzellan den Betrieb zum Jahresende ein.
Abnehmer von Coswiger Walzen und Gussteilen qualifizieren am besten jetzt Ersatzlieferanten, bis Ende November bleiben sieben Wochen. Lieferanten mit offenen Rechnungen melden ihre Forderungen beim Sachwalter an. Betriebe in der Region Dresden finden auf der Jobmesse der IG Metall erfahrene Gießerei-Fachkräfte.
Quellen
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