ArcelorMittal stellt in Duisburg-Ruhrort die Stahlerzeugung ein und beendet damit eine Roheisen-Belieferung, die Thyssenkrupp Steel seit 1997 garantierte. Steigende CO2-Kosten und billige Importe machen den eigenen Elektrostahl unrentabel; ein grüner Umbau lohnt sich nicht. Der Bruch zeigt, wie die integrierte Stahlkette im Ruhrgebiet zerfällt.

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Die Stahlerzeugung von ArcelorMittal in Duisburg-Ruhrort läuft im September 2027 aus. Auslöser ist ein gekündigter Liefervertrag: Thyssenkrupp Steel liefert dem Nachbarwerk kein Roheisen mehr. Was nach einem lokalen Werksende aussieht, ist ein Warnsignal für die deutsche Stahlindustrie.

Das Wichtigste in Kürze

  • ArcelorMittal beendet im September 2027 die Stahlerzeugung im Werk Duisburg-Ruhrort und schließt Stahlwerk, Stranggießanlage und Knüppelwalzwerk.
  • Auslöser ist die gekündigte Roheisen-Lieferung von Thyssenkrupp Steel, die seit 1997 rund 750.000 Tonnen im Jahr umfasste.
  • Nach Angaben der IG Metall fallen rund 550 der etwa 800 Stellen weg; das Drahtwalzwerk läuft mit zugekauften Knüppeln weiter.
  • Erheblich gestiegene Kosten, hohe Energiepreise und billige Importe machen einen eigenen grünen Umbau unrentabel.

Warum endet die Lieferung nach drei Jahrzehnten?

Gebrochene Metallkette mit einem orangefarbenen Anhänger und der Aufschrift „zu teuer“
ArcelorMittal kündigt Liefervertrag mit Thyssenkrupp Steel. Ab September 2027 entfallen 750.000 Tonnen Roheisen jährlich. Ersatz nicht gefunden

Den Anfang machte eine Kündigung: Bereits im Dezember 2024 stieg ArcelorMittal aus dem Liefervertrag aus, weil Thyssenkrupp Steel die Konditionen für eine Verlängerung deutlich anhob.[1] Zum September 2027 endet damit eine Belieferung, die das Werk seit 1997 mit rund 750.000 Tonnen Roheisen im Jahr versorgte. Einen wirtschaftlich tragfähigen Ersatz fand der Konzern nicht.

Das Duisburger Werk vergießt das gelieferte Roheisen zu Knüppeln und walzt daraus Draht. Der naheliegende Ausweg, ein eigener Elektrolichtbogenofen für Schrott, ist laut Unternehmen wegen hoher CO2- und Energiekosten sowie billiger Importe nicht darstellbar. Statt selbst grün zu investieren, kauft ArcelorMittal die Knüppel künftig zu, unter anderem aus dem eigenen Werk in Hamburg, und hält nur das Drahtwalzwerk am Laufen.

Was bedeutet das für die 800 Beschäftigten?

Der Kahlschlag trifft vor allem die Stahlerzeugung. Stahlwerk, Stranggießanlage und Knüppelwalzwerk werden stillgelegt, das Drahtwalzwerk bleibt. Nach Angaben der IG Metall stehen rund 550 der etwa 800 Arbeitsplätze am Standort auf der Kippe. Aufsichtsrat und Belegschaft kommen am 7. September zusammen, die Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen im September 2026.

ArcelorMittal räumt die Härte ein. „Wir sind uns bewusst, dass dies für unsere Mitarbeitenden bei ArcelorMittal Duisburg eine schwierige Nachricht ist“, erklärt Sanjay Samaddar, Europachef für Langprodukte.[1] Die Kundenbelieferung will der Konzern über 2027 hinaus sichern, künftig aber aus anderen Werken.

Der günstige Vorstoff vom Nachbarn wird zu teuer und reißt ein ganzes Stahlwerk mit sich. Nicht ArcelorMittal ist das Problem, sondern die Kostenbasis des Standorts Deutschland.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Zerfällt der Stahlverbund im Ruhrgebiet?

Das Aus in Ruhrort ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Kettenreaktion. Thyssenkrupp Steel kämpft mit dem eigenen Konzernumbau, während der indische Jindal-Konzern nach der Mehrheit greift. Salzgitter wiederum setzt konsequent auf grünen Stahl und trennt sich von Randgeschäften. Der über Jahrzehnte gewachsene Verbund aus Hochöfen und ihren Abnehmern im Revier löst sich auf.

Für Entscheider zählt die Kostenlogik dahinter. Solange CO2-Preise, Energiekosten und Importdruck die integrierte Erzeugung verteuern, wandert Wertschöpfung ins Ausland und Draht- wie Knüppelabnehmer werden importabhängiger. Einkäufer von deutschem Stahl sollten ihre Bezugsquellen jetzt breiter aufstellen und die Debatte um Strompreis und Grenzausgleich (CBAM) verfolgen.

ArcelorMittal beendet die Stahlerzeugung in Duisburg
Stand: Mitteilung der ArcelorMittal Duisburg vom 1. September 2026. Das Aus greift im September 2027.
750.000 t
Roheisen im Jahr, von Thyssenkrupp seit 1997
≈ 550
von rund 800 Stellen fallen weg (laut IG Metall)
2027
Ende der Stahlerzeugung in Duisburg-Ruhrort
Was in Ruhrort schließt
Stahlwerk, Stranggießanlage und Knüppelwalzwerk werden stillgelegt. Das Drahtwalzwerk läuft mit zugekauften Knüppeln weiter, unter anderem aus dem ArcelorMittal-Werk Hamburg.

Quelle

[1] ArcelorMittal Duisburg: „ArcelorMittal Duisburg gibt Pläne für den Standort nach Ende der Roheisenlieferungen bekannt“ (1. September 2026)

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