Mangan verlässt Gabun ab dem 1. Januar 2029 nicht mehr als Rohware. Am 20. Juli 2026 legten die Regierung in Libreville und der französische Konzern Eramet in Paris fest, wie das gelingen soll: bis zu 700.000 Tonnen Erz jährlich im Land selbst verhütten, spätestens Ende 2031. Ein Viertel der Weltförderung nimmt damit einen anderen Weg zum europäischen Stahlwerk.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDeutsche Stahlwerke kaufen kaum Manganerz, sondern fertige Ferrolegierungen aus Norwegen, der Ukraine und Indien. Genau diese Zwischenstufe wandert gerade nach Afrika und Asien ab. Damit verschiebt sich eine Abhängigkeit, die in keiner deutschen Rohstoffdebatte auftaucht.
Das Wichtigste in Kürze
- 20 Millionen Tonnen Metallinhalt förderte die Welt 2025 nach Zahlen des US Geological Survey. Südafrika, Gabun und Ghana stellten davon zusammen 73 Prozent.
- Über 93 Prozent der Förderung gehen laut Deutscher Rohstoffagentur in Stahl und Edelstahl. Für Batterien bleiben zwei Prozent übrig.
- 96 Prozent des hochreinen Mangansulfats für Lithium-Ionen-Akkus entstanden 2024 in China. Der Konzentrationsindex erreicht dort 9.138 von maximal 10.000 Punkten.
- Rund zehn Kilogramm Metallinhalt stecken rechnerisch in jeder Tonne Rohstahl. Einen gleichwertigen Ersatz für die Hauptanwendungen kennt der US Geological Survey nicht.
Bluff oder Wissen? Der Mangan-Check
1 Welcher Anteil der Weltförderung landet in Stahl und Edelstahl? Aufklappen ↓
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2 Welches Land förderte 2025 das meiste Manganerz? Aufklappen ↓
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3 Wie viel des hochreinen Mangansulfats für Akkus kam 2024 aus China? Aufklappen ↓
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4 Wer machte 1856 den Bessemer-Stahl mit Spiegeleisen brauchbar? Aufklappen ↓
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5 Ab wann verbietet Gabun die Ausfuhr von Rohmangan? Aufklappen ↓
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Was ist Mangan und wie entstand das Erz im Kalahari-Becken?
Mangan ist ein silbrig-graues Übergangsmetall, das in der Natur nie gediegen auftritt, sondern als Oxid oder Karbonat. Die größte Lagerstätte der Welt entstand vor rund 2,2 Milliarden Jahren im heutigen Südafrika, als freier Sauerstoff der frühen Atmosphäre das im Meerwasser gelöste Metall ausfällte.
Das Kalahari-Manganfeld in der südafrikanischen Provinz Northern Cape misst mindestens 1.100 Quadratkilometer und liegt in der Hotazel-Formation der Transvaal-Supergruppe. Nach der Bewertung der Internationalen Union der Geowissenschaften stecken dort mehr als 77 Prozent der bekannten Landreserven weltweit. Braunit-Lutit sedimentärer Herkunft stellt 97 Prozent der abbaubaren Erzreserve des Feldes.
Handelsware entsteht daraus in zwei Grundtypen. Oxidische Erze wie Pyrolusit und Braunit gehen direkt in den Ofen, karbonatische Erze brauchen einen zusätzlichen Röstschritt und bringen weniger Metall pro Tonne. Gerechnet wird deshalb nicht in Tonnen Erz, sondern in metric ton units: Eine mtu entspricht einer Tonne Erz mit einem Prozent Mangangehalt und damit zehn Kilogramm Metall.
Der US Geological Survey beziffert die weltweiten Reserven für 2025 auf 1,8 Milliarden Tonnen Metallinhalt. Bei einer Jahresförderung von 20 Millionen Tonnen reichen die wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte rechnerisch rund 90 Jahre. Von Knappheit im geologischen Sinn kann also niemand sprechen, die Reserven haben sich seit 2001 sogar fast vervierfacht.
| Land | Reserven 2025 (Mio. t Metallinhalt) | Förderung 2025 (Mio. t Metallinhalt) | Reichweite (Jahre) |
|---|---|---|---|
| Australien | 580 | 1,60 | 363 |
| Südafrika | 550 | 7,60 | 72 |
| Brasilien | 300 | 0,80 | 375 |
| China | 260 | 0,70 | 371 |
| Gabun | 61 | 5,00 | 12 |
| Indien | 34 | 0,79 | 43 |
| Ghana | 13 | 2,00 | 7 |
Die letzte Spalte erklärt, warum Gabun und Ghana Tempo machen. Beide Länder fördern weit über ihrem Reservenanteil, während Australien und Brasilien auf Vorräten für Jahrhunderte sitzen. Reservenzahlen sind allerdings eine kaufmännische Größe: Steigt der Preis, werden aus Ressourcen Reserven. Die Reichweite verlängert sich dann ohne einen einzigen neuen Fund.
Die Förderkosten trennen die Anbieter deutlicher als die Geologie. Eramet nennt für den gabunischen Tagebau Moanda eine Bandbreite von 2,4 bis 2,6 Dollar je Tonne trockener mtu, umgerechnet 2,06 bis 2,24 Euro. In Südafrika verschlingt allein der Transport nach Branchenanalysen etwa ein Drittel der gesamten Produktionskosten, weil die Gruben rund 800 Kilometer vom nächsten Exporthafen entfernt liegen.
- 2,2 Milliarden Jahre: So alt ist die Hotazel-Formation, aus der Südafrika heute 38 Prozent der Weltförderung holt.
- 1,8 Milliarden Tonnen Reserven reichen bei heutigem Verbrauch rund 90 Jahre. Ein Mengenproblem hat dieser Rohstoff nicht.
- Gabun und Ghana fördern weit über ihrem Reservenanteil, Australien und Brasilien halten sich zurück.
Wer entdeckte Mangan und wie begann der Stahlrausch?

Braunstein diente schon in der Steinzeit als schwarzes Pigment und in der Antike als Entfärber für Glas. Als Element erkannte Carl Wilhelm Scheele das Metall 1774, im selben Jahr stellte sein Landsmann Johan Gottlieb Gahn den Stoff erstmals rein dar.
Für die Industrie blieb der Stoff danach acht Jahrzehnte lang eine Randnotiz. Glashütten nutzten Pyrolusit als Glasmacherseife, Färbereien und Ziegeleien als Farbgeber. Erst der Bessemer-Konverter machte aus dem Pigment einen Schlüsselrohstoff der Schwerindustrie.
Henry Bessemer stellte sein Windfrischverfahren im August 1856 auf der Tagung der British Association in Cheltenham vor. Das Ergebnis war zunächst unbrauchbar: Der durchgeblasene Sauerstoff blieb im Eisen und machte den Stahl beim Schmieden brüchig. Der Metallurge Robert Forester Mushet fand die Lösung noch im selben Jahr und setzte der Schmelze manganreiches Spiegeleisen zu.
Mangan besitzt eine höhere Sauerstoffaffinität als Eisen, bindet den Rest-Sauerstoff und wandert als Oxid in die Schlacke. Nebenbei fängt das Metall den Schwefel ab, der Stahl sonst rotbrüchig macht. Mushet ließ sein Patent verfallen. Ab 1859 durfte Bessemer den Kniff kostenlos in sein Verfahren übernehmen, ohne dem Erfinder einen Anteil zu zahlen.
Ein Vierteljahrhundert später drehte Robert Hadfield in Sheffield die Dosis hoch. 1882 entdeckte er, dass Stahl mit etwa zwölf Prozent Mangan und gut einem Prozent Kohlenstoff unter Schlag nicht bricht, sondern an der Oberfläche härter wird. Das britische Patent Nummer 200 von 1883 schützte einen Werkstoff, der bis heute in Weichenherzstücken, Brecherbacken und Panzerungen steckt.
Die deutsche Spur in dieser Geschichte steckt im Wort selbst. Spiegeleisen heißt im englischen Fachvokabular bis heute Spiegeleisen, ohne Übersetzung, weil die frühen Lieferungen dieses manganreichen Roheisens aus dem deutschsprachigen Raum kamen. Deutsche Hütten lieferten damals das Vorprodukt, das die britische Stahlrevolution überhaupt erst lauffähig machte.
- 1774: Scheele erkennt das Element, Gahn stellt das Metall rein dar. Industriell interessant wird beides erst 1856.
- Mushet statt Bessemer: Erst der Zusatz von Spiegeleisen macht den Bessemer-Stahl schmiedbar. Das Patent verfällt, Bessemer nutzt den Kniff gratis.
- Zwölf Prozent Mangan ergeben seit 1882 den Hartstahl, der unter Schlag härter wird statt zu brechen.
Wie hat Mangan die Weltkarte verändert?

Kein Krieg begann je allein wegen dieses Metalls, und trotzdem entschieden Manganvorkommen über Frontverläufe und Sanktionslisten. Die Wehrmacht hielt 1943 einen aussichtslosen Brückenkopf, weil dahinter die Gruben von Nikopol lagen. Die Apartheid-Sanktionen der 1980er Jahre trieben den Preis zusätzlich in die Höhe.
Die Erklärung liegt in der Verteilung. Die drei größten Förderländer decken 73 Prozent der Weltförderung ab, Südafrika allein 38 Prozent. Ein Stahlwerk ohne eigenen Zugriff auf diese Lagerstätten muss kaufen. Verkäufer mit Marktmacht setzen die Bedingungen.
Warum die Wehrmacht den Brückenkopf von Nikopol hielt
Das Manganrevier um Nikopol am Dnjepr zählte im Zweiten Weltkrieg zu den größten der Welt. Nach dem sowjetischen Vorstoß an den Fluss Ende 1943 befahl Hitler, den Brückenkopf am linken Ufer um jeden Preis zu halten, obwohl die Stellung militärisch kaum zu verteidigen war. Die 6. Armee blieb, weil ohne Manganerz keine Panzerung und kein Geschützrohr entstanden wäre.
Die Rechnung ging nicht auf. Die Hermann-Göring-Werke bauten Förder- und Aufbereitungstechnik ab und schafften sie nach Westen, sodass die Produktion praktisch zum Erliegen kam. Zwischen dem 30. Januar und dem 29. Februar 1944 räumte die Nikopol-Kriwoi-Rog-Operation der Roten Armee den Brückenkopf, und der Rohstoff war für das Reich verloren.
Die Ukraine blieb auch danach ein Schwergewicht. Mit dem russischen Angriff im Februar 2022 fiel das Land kurzfristig als Lieferant von Erz und Ferrolegierungen aus, worauf die Preise für Manganerz auf 7,5 Dollar je mtu und für Ferromangan über 2.200 Dollar je Tonne sprangen. Bis heute stammen 19 Prozent des deutschen Silikomangans aus der Ukraine.
Wie die Sanktionen gegen Südafrika den Preis trieben
Von Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre kletterten die Notierungen deutlich. Die Deutsche Rohstoffagentur führt das vor allem auf die westlichen Sanktionen gegen das Apartheid-Regime zurück. Südafrika und die Sowjetunion waren damals die beiden größten Produzenten. Ein politischer Boykott traf also nicht einen Anbieter unter vielen, sondern die halbe Weltversorgung.
| Stufe der Kette | Wer kontrolliert | Anteil | Was das bedeutet |
|---|---|---|---|
| Bergwerksförderung | Südafrika, Gabun, Ghana | 73 Prozent der Welt | Konzentrationsindex 2.440, mittlerer kritischer Bereich |
| Ferrolegierungen | China, Indien, Südafrika, Norwegen | Mehrheit der Weltproduktion | Deutschland stellt keine eigenen her und importiert vollständig |
| Hochreines Mangansulfat | China | 96 Prozent (2024) | Konzentrationsindex 9.138 von 10.000, kritischer Bereich |
| Endverbrauch Stahl | China | 961 Mio. t Rohstahl 2025 | Mehr als die Hälfte der Weltproduktion |
Der Zerfall der UdSSR wenige Jahre später verschärfte den Effekt zusätzlich. Erst der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ab den frühen 2000er Jahren verschob die Achse endgültig: Nicht mehr die Förderländer bestimmten den Takt, sondern der chinesische Stahlhunger auf der Nachfrageseite.
Die neue Arbeitsteilung zwischen Peking und Westafrika
Die interessanteste Bewegung läuft derzeit in Ghana. Die Ghana Manganese Company gehört zu 90 Prozent dem chinesischen Konzern Tianyuan Manganese Industry, der Rest liegt beim Staat. Das gesamte Erz aus der Grube Nsuta ging 2024 nach China. Die Förderung sprang binnen eines Jahres von 1,28 auf 2,0 Millionen Tonnen Metallinhalt.
Peking sichert sich seinen Nachschub damit nicht im eigenen Land, sondern in Westafrika. Ghana wiederum kontert mit einer Wertschöpfungsauflage und verlangt eine heimische Raffinerie, für die der chinesische Eigentümer 450 Millionen Dollar veranschlagt, umgerechnet 387 Millionen Euro. Gabun geht denselben Weg mit dem Exportverbot ab 2029. Südafrika plant seit Jahren ein eigenes Exportterminal in Ngqura.
Der Kreislauf wiederholt sich damit in neuer Besetzung. Abhängigkeit schafft politischen Druck, politischer Druck schafft Auflagen, und Auflagen schaffen die nächste Abhängigkeit, diesmal von den wenigen Anlagen, die künftig in Afrika legieren dürfen. Für Europa entsteht daraus ein Risiko, das keine Krisenliste bislang abbildet.
Bergwerksförderung 2025, Metallinhalt in Millionen Tonnen
Reserven 2025, Metallinhalt in Millionen Tonnen
Drei Kennzahlen zur Machtverteilung
Warum entscheidet Mangan über die Weltwirtschaft?

Über 93 Prozent der Förderung gehen in Stahl und Edelstahl. Rechnerisch stecken rund zehn Kilogramm Metallinhalt in jeder Tonne Rohstahl, die Welt erzeugte davon 2025 rund 1,85 Milliarden Tonnen. Ohne diesen Zusatz entstünde kein schmiedbarer Massenstahl.
Die Deutsche Rohstoffagentur schlüsselt die Verwendung für 2024 klar auf: über 93 Prozent Stahl und Edelstahl, drei Prozent Nichteisenlegierungen wie Aluminium-Mangan, zwei Prozent Batterien. Der kleine Rest verteilt sich auf Pigmente, Düngemittel und medizinische Anwendungen. Die vieldiskutierte Batterienachfrage spielt mengenmäßig also bis heute kaum eine Rolle.
Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar. Von den 19,7 Millionen Tonnen Metallinhalt, die 2024 weltweit gefördert wurden, gingen gut 18,3 Millionen Tonnen in die Stahlerzeugung. Verteilt auf die 1.848,9 Millionen Tonnen Rohstahl, die der Weltstahlverband für 2025 meldet, ergeben sich knapp zehn Kilogramm je Tonne.
Gehandelt wird dieser Milliardenmarkt ohne Börse. Weder die London Metal Exchange noch eine andere große Rohstoffbörse notiert Mangan, sämtliche Geschäfte laufen bilateral über den Freiverkehr. Preisdienste wie Fastmarkets oder Asian Metal erheben ihre Notierungen per Umfrage. Die Deutsche Rohstoffagentur nennt die fehlende Preistransparenz ausdrücklich als Strukturmerkmal dieses Marktes.
Der Preis selbst gibt derzeit nach. Am 26. August 2026 notierte Manganerz bei 28,75 Yuan je mtu, drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Der US Geological Survey hatte schon für Oktober 2025 einen Jahresdurchschnitt gemeldet, der 22 Prozent unter dem Mittel von 2024 lag, nachdem der Ausfall der australischen Grube GEMCO 2024 Panikkäufe ausgelöst hatte.
Für Deutschland fällt der Befund unangenehm aus. Die Rohstahlerzeugung sackte 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen und damit neun Prozent unter das ohnehin schwache Vorjahr, das vierte Krisenjahr in Folge. Warum dabei vor allem der Strompreis über Europas Stahl entscheidet, hat Dr. Web an anderer Stelle vorgerechnet. Beim Legierungsmittel kommt eine zweite, kaum beachtete Abhängigkeit hinzu.
| Warengruppe (Import 2024) | Menge | Wert | Wichtigste Herkunft |
|---|---|---|---|
| Silikomangan | 169.000 t | 172,7 Mio. Euro | Norwegen 29 %, Ukraine 19 %, Indien 16 % |
| Ferromangan, hoher Kohlenstoffgehalt | 98.000 t | 93,5 Mio. Euro | Frankreich 22 %, Niederlande 18 %, Norwegen 16 % |
| Ferromangan, niedriger Kohlenstoffgehalt | 44.800 t | 56,5 Mio. Euro | Südafrika 30 %, Norwegen 27 % |
| Mangandioxid | 13.400 t | 27,5 Mio. Euro | Konzentration im kritischen Bereich |
| Manganerz und -konzentrat | 14.973 t | 8,8 Mio. Euro | Niederlande 33 %, Marokko 21 %, Brasilien 20 % |
- 93 Prozent der Förderung gehen in Stahl. Die Batteriedebatte betrifft zwei Prozent des Marktes.
- Keine Börse: Mangan wird bilateral gehandelt, Notierungen entstehen per Umfrage. Preistransparenz existiert nicht.
- 500 Millionen Euro gab Deutschland 2024 für Manganprodukte aus, davon keine 9 Millionen für Erz.
In welchen Produkten steckt Mangan und was fällt ohne das Metall weg?

Kaum ein Verbraucher hat den Rohstoff je gesehen, und trotzdem umgibt ihn das Metall den ganzen Tag. Bewehrungsstahl im Keller, die Weiche unter dem Regionalzug, der Körper der Getränkedose und die Alkalibatterie in der Fernbedienung enthalten Mangan.
Am unauffälligsten wirkt der Beitrag im Baustahl. Mangan bindet dort den Schwefel, der den Stahl sonst beim Warmumformen reißen ließe. Gleichzeitig erhöht der Zusatz Festigkeit und Zähigkeit. Ein Bewehrungsstab der gängigen Sorte B500B enthält bis zu einem Prozent des Metalls, ohne dass irgendwo auf der Baustelle das Wort Legierungselement fällt.
Sichtbarer wird die Wirkung bei der Bahn. Herzstücke von Weichen und Kreuzungen bestehen aus Manganhartstahl nach Hadfield, weil dieser Werkstoff unter jedem Radschlag an der Oberfläche härter wird statt zu ermüden. Dieselbe Eigenschaft schätzen Betreiber von Brechern, Baggern und Panzerfahrzeugen. Einen ernsthaften Konkurrenten hat der Werkstoff seit 1883 nicht gefunden.
Im Haushalt taucht das Metall gleich zweifach auf. Der Körper einer Aluminium-Getränkedose besteht aus der Legierung AA3004, in der Mangan das wichtigste Legierungselement stellt. Jede Alkali-Mangan-Batterie nutzt zudem Braunstein als positive Elektrode. Auch austenitischer Edelstahl, wie er in Spülen und Töpfen steckt, braucht Mangan als Stabilisator, während Chrom für die Rostbeständigkeit sorgt.
| Produkt | Funktion des Metalls | Typischer Anteil | Ersatz vorhanden? |
|---|---|---|---|
| Betonstahl B500B | Schwefelbindung, Festigkeit | bis 1 Prozent | Nein |
| Weichenherzstück | Kaltverfestigung unter Schlag | rund 12 Prozent | Nein |
| Aluminium-Getränkedose | Hauptlegierungselement in AA3004 | rund 1 Prozent | Nur mit anderer Dosenkonstruktion |
| Alkali-Mangan-Batterie | Positive Elektrode als Braunstein | Kernbestandteil | Andere Zellchemie, andere Leistung |
| Austenitischer Edelstahl | Stabilisator, teilweise Nickelersatz | bis 2 Prozent, in Sondersorten mehr | Nickel, deutlich teurer |
| LMFP-Akkuzelle | Kathodenmaterial aus Mangansulfat | je nach Chemie | LFP ohne Mangan, geringere Energiedichte |
Damit zur unangenehmen Hälfte der Frage. Der US Geological Survey formuliert in seinem Jahresbericht einen einzigen, dürren Satz zur Substitution: Für die Hauptanwendungen existiert kein befriedigender Ersatz. Bei Kupfer, Nickel oder Kobalt lassen sich Materialforscher etwas einfallen, beim Massenstahl bislang niemand.
Angenommen, die Ferrolegierungen blieben ein Quartal lang aus: Dann stünde nicht die Elektromobilität still, sondern der Rohbau. Bewehrungsstahl, Schienen, Grobblech und Karosserieblech kämen als Erstes zum Erliegen, weil ohne Entschwefelung schlicht kein walzfähiger Stahl entsteht. Die Akkuzelle hätte mit der manganfreien LFP-Chemie wenigstens einen technischen Rückweg, der Bewehrungsstab hat keinen.
Wo das Metall längst steckt
Die Kipp-Logik in drei Zahlen
Wie setzt sich der Preis einer Tonne Betonstahl zusammen?

Betonstahl notierte in Deutschland Anfang 2026 bei rund 605 Euro je Tonne. Der Manganinhalt dieser Tonne kostet je nach Bewertungsstufe zwischen 5 und 23 Euro, also 0,9 bis 3,7 Prozent des Verkaufspreises. Ohne diesen Anteil entsteht die Tonne trotzdem nicht.
Den Löwenanteil verschlingt der Einsatzstoff. Ein Elektrostahlwerk setzt für eine Tonne Fertigprodukt grob 1,1 Tonnen Schrott ein. Schwerer Stahlaltschrott der Sorte 2/8 kostete im August 2026 bundesweit 292,50 Euro je Tonne. Damit stehen rund 322 Euro auf der Rechnung, bevor der Ofen überhaupt angefahren wird.
Der zweite große Block ist Energie. Ein Lichtbogenofen zieht für eine Tonne Rohstahl grob 500 Kilowattstunden. Der seit dem 1. Januar 2026 geltende Industriestrompreis liegt bei etwa fünf Cent je Kilowattstunde. Rechnerisch bleiben also rund 25 Euro Stromkosten je Tonne. Vor der staatlichen Entlastung lag dieser Posten ohne Weiteres beim Doppelten.
Nun zum eigentlichen Thema. Der Shanghai Metals Market notierte am 3. August 2026 elektrolytisches Manganmetall bei 2.599,51 Dollar je Tonne und australisches Stückerz mit 46 Prozent Gehalt bei 6,02 Dollar je mtu. Zum EZB-Referenzkurs vom 26. August 2026 entspricht das 2.228 Euro je Tonne Metall und 5,16 Euro je mtu.
Zehn Kilogramm Metallinhalt kosten damit 5,16 Euro als Erz und 22,28 Euro als fertiges Metall. Der Rest der Tonne, also 236 Euro oder 39 Prozent, deckt Elektroden, Feuerfestmaterial, Personal, Walzwerk, Fracht und Marge ab. Wie stark die Ferrolegierung tatsächlich zu Buche schlägt, hängt am gewählten Zusatz, an der Ausbringung und am Tagespreis.
Ein Währungseffekt kommt obendrauf. Sämtliche Notierungen laufen in Dollar, während deutsche Werke in Euro verkaufen, sodass ein starker Euro die Legierungskosten drückt und ein schwacher Euro dieselben Kosten anhebt. Beim Schrott läuft der Mechanismus umgekehrt, weil europäischer Schrott bei schwachem Euro nach Übersee abfließt und den Inlandsmarkt verknappt.
Rechenbeispiel: 605 Euro je Tonne, aufgeteilt nach Kostenblöcken
Derselbe Inhalt, drei Bewertungsstufen
Wer verdient an Mangan und wer zahlt drauf?

Am Erz verdienen vor allem drei Adressen: der südafrikanische Bergbau, der französische Eramet-Konzern in Gabun und chinesische Verarbeiter, die Erz billig einkaufen und veredelt weiterverkaufen. Draufzahlen die Förderländer, weil der Wertzuwachs erst hinter ihrer Grenze entsteht.
Südafrika liefert die Mengenbasis. 2025 gingen 26,2 Millionen Tonnen Manganerz über die Häfen des Landes, ein Rekord nach 22,3 Millionen Tonnen im Jahr zuvor. Der Engpass sitzt nicht in der Grube, sondern auf der Schiene: Der staatliche Logistikkonzern Transnet verliert seit Jahren Kapazität. Der Transport frisst nach Branchenanalysen rund ein Drittel der gesamten Produktionskosten.
Gabun zeigt das Lehrbuchbild des Ressourcenfluchs. Rohöl bringt 66,6 Prozent der Exporterlöse, Manganerz weitere 19,8 Prozent. Gemessen an der Kaufkraft liegt das Pro-Kopf-Einkommen mit rund 21.900 Dollar über dem Weltdurchschnitt. Beim nominalen Wert von 6.619 Dollar je Kopf im Jahr 2024 bleibt davon wenig übrig, und breite Bevölkerungsschichten spüren vom Rohstoffreichtum kaum etwas.
Der Mechanismus dahinter heißt holländische Krankheit. Hohe Rohstoffexporte stärken die Währung, verteuern damit alle anderen Ausfuhren und lassen Landwirtschaft und verarbeitendes Gewerbe verkümmern. Der Staat lebt von Förderabgaben statt von Steuern auf Wertschöpfung, was den politischen Druck zu Reformen dämpft und Regierungen anfällig für Umstürze macht, wie im August 2023 in Libreville geschehen.
Ghana bekommt gerade eine Variante desselben Musters vorgeführt. Vom Erlös der Grube Nsuta bleiben dem Staat der Zehn-Prozent-Anteil an der Fördergesellschaft und die Abgaben, die Marge der Veredelung entsteht in China. Accra antwortet mit einer Wertschöpfungsauflage, doch die geplante Raffinerie soll ausgerechnet der chinesische Mehrheitseigner bauen.
Beim Betreiber sieht die Bilanz freundlicher aus. Eramet meldete für das erste Halbjahr 2026 ein bereinigtes EBITDA von 276 Millionen Euro, ein Plus von 45 Prozent, obwohl die Fördermenge in Moanda wegen fehlender Gerätschaft um elf Prozent auf 3,2 Millionen Tonnen sank. Mehr transportierte Tonnen und ein besserer Produktmix glichen den Rückgang aus, während die Verkaufspreise in den Vereinigten Staaten um 15 Prozent nachgaben.
| Akteur | Position in der Kette | Was hängen bleibt |
|---|---|---|
| Südafrika | 38 Prozent der Weltförderung, Rekordexport 26,2 Mio. t | Förderabgaben und Löhne, ein Drittel der Kosten frisst der Transport |
| Gabun | 25 Prozent der Weltförderung | 19,8 Prozent der Exporterlöse, kaum Weiterverarbeitung im Land |
| Ghana | 10 Prozent der Weltförderung | Zehn Prozent Staatsanteil an der Fördergesellschaft, Erz geht vollständig nach China |
| China | 96 Prozent der Sulfatveredelung, 961 Mio. t Rohstahl | Die gesamte Marge der Verarbeitungsstufe |
| Europäische Stahlwerke | Käufer der Ferrolegierungen | Preisrisiko ohne Börsenabsicherung, kein Zugriff auf die Vorstufe |
Gabun verkauft künftig Legierung statt Erz, und Europa merkt den Unterschied erst im Stahlwerk. Wir führen eine Rohstoffdebatte, in der Mangan nie vorkam, weil das Metall billig war und die Ferrolegierung immer irgendwo herkam.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
- 26,2 Millionen Tonnen exportierte Südafrika 2025, so viel wie nie. Ein Drittel der Kosten entsteht auf dem Weg zum Hafen.
- 19,8 Prozent der gabunischen Exporterlöse stammen aus Manganerz, die Veredelung findet bislang außerhalb statt.
- 276 Millionen Euro bereinigtes EBITDA meldete Eramet für das erste Halbjahr 2026, ein Plus von 45 Prozent.
Wie mächtig ist die Mangan-Lobby?

Eine eigene Mangan-Lobby mit politischem Gewicht existiert in Europa nicht. Die Interessen laufen über die Stahlverbände, und die verhandeln über Strompreise, Zölle und Zertifikate, praktisch nie über das Legierungsmittel selbst.
Die Branche hat zwar einen Weltverband. Das International Manganese Institute mit Sitz in Paris vertritt seit 1975 mehr als 100 Mitgliedsunternehmen aus 30 Ländern und führt Lobbyarbeit ausdrücklich in seinem Aufgabenkatalog, neben Marktforschung, Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Mit sechs Fachleuten in Europa, Indien und China bleibt der Apparat allerdings klein.
Ungleich schwerer wiegt der europäische Stahlverband. EUROFER meldet dem EU-Transparenzregister für 2025 ein Lobbybudget zwischen 800.000 und 899.999 Euro, beschäftigt acht akkreditierte Interessenvertreter mit zusammen 2,05 Vollzeitäquivalenten und kommt auf 250 dokumentierte Treffen mit ranghohen Vertretern der EU-Kommission. Zwei Vollzeitstellen und 250 Termine ergeben ein bemerkenswertes Verhältnis.
Der größte Posten steht ohnehin nicht im Register. Seit dem Start des Emissionshandels 2013 verteilten die EU-Mitgliedstaaten kostenlose CO2-Zertifikate im Wert von nahezu 100 Milliarden Euro an die Industrie. Bis 2030 kommen weitere 80 Millionen Gratis-Zertifikate im Wert von rund sechs Milliarden Euro hinzu, diesmal an Investitionsnachweise geknüpft.
In Deutschland lief 2025 und 2026 die nächste Runde. Nach dem Stahlgipfel im Kanzleramt am 6. November 2025 sagte die Bundesregierung Handelsschutz, eine Bevorzugung heimischen Stahls bei öffentlichen Aufträgen und den vergünstigten Industriestrompreis ab dem 1. Januar 2026 zu. Die Strompreiskompensation, von der derzeit 350 Unternehmen profitieren, soll über 2030 hinaus verlängert werden.
| Instrument | Volumen | Empfänger | Stand |
|---|---|---|---|
| Kostenlose CO2-Zertifikate | knapp 100 Mrd. Euro seit 2013 | Energieintensive Industrie in der EU | Laufend, Auslauf mit CBAM geplant |
| Zusätzliche Gratis-Zertifikate | 80 Mio. Stück, rund 6 Mrd. Euro | Industrie mit Dekarbonisierungsnachweis | Bis 2030 |
| Industriestrompreis | rund fünf Cent je Kilowattstunde | Energieintensive Unternehmen | Seit 1. Januar 2026 |
| Strompreiskompensation | Fortführung über 2030 hinaus | 350 Unternehmen in Deutschland | Politisch zugesagt |
| Beihilfe für thyssenkrupp Steel | rund 2 Mrd. Euro | Wasserstoff-Direktreduktion in Duisburg | Von der EU-Kommission 2023 genehmigt |
Kein einziger dieser Posten adressiert die Legierungskette. Debattiert werden Strom, Schrott, Zölle und Zertifikate, während das Vormaterial, ohne das kein walzfähiger Stahl entsteht, unter Sonstiges läuft. Bekäme das Legierungsmittel dieselbe politische Aufmerksamkeit, sofern eine Tonne davon so viel kostete wie Kobalt? Der Verdacht liegt nahe, dass allein der niedrige Preis diesen Rohstoff aus jedem Krisenpapier heraushält.
- Kein eigener Verband mit politischem Gewicht: Die Interessen der Manganwirtschaft laufen in Europa über die Stahllobby.
- 250 Kommissionstreffen stehen für EUROFER im Register, bei 2,05 Vollzeitäquivalenten und knapp 900.000 Euro Budget.
- Rund 100 Milliarden Euro an Gratis-Zertifikaten seit 2013 stehen keiner einzigen Maßnahme zur Legierungskette gegenüber.
Wie kommt Europa von chinesischem Mangansulfat los?

Beim Erz besteht kein Problem: Australien, Brasilien und Südafrika liefern reichlich. Der Engpass sitzt eine Stufe weiter, beim hochreinen Mangansulfat für Akkus, das 2024 zu 96 Prozent aus chinesischen Anlagen kam. Genau dort setzen die europäischen Projekte an.
Das am weitesten fortgeschrittene Vorhaben steht in Tschechien. Euro Manganese legte am 14. Mai 2026 eine positive vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie für Chvaletice vor: 150.000 Tonnen hochreines Mangansulfat im Jahr über 26 Jahre, ein Kapitalwert vor Steuern von 740 Millionen Dollar und eine Betriebsmarge von 48 Prozent. Der Rohstoff kommt aus Altbergbau-Rückständen, also aus Halden eines längst stillgelegten Betriebs.
Andere Anlagen entstehen ebenfalls, bloß langsamer. Außerhalb Chinas produzieren bislang nur Japan, Belgien und seit Ende 2023 Kasachstan, in Minnesota plant Electric Metals USA eine Anlage für 50.000 Tonnen. Die Deutsche Rohstoffagentur summiert alle bis 2035 angekündigten Projekte auf theoretisch über 800.000 Tonnen Metallinhalt und hält die Marktdeckung in beiden Szenarien für gegeben, mit einer möglichen Lücke ab 2034.
Die Kreislaufwirtschaft hilft dabei wenig. Für Europa weist die Rohstoffagentur eine End-of-Life-Recyclingrate von 40 Prozent für 2016 aus, die Inputrate aus Altmaterial lag 2020 aber bei neun Prozent. Der Grund steckt in der Metallurgie: Im Konverter oxidiert ein erheblicher Teil des Mangans und wandert in die Schlacke, die europaweit im Straßen- und Deponiebau landet statt im Hochofen.
| Pfad | Reifegrad | Realistischer Beitrag |
|---|---|---|
| Neue Sulfatanlagen in Europa | Chvaletice mit Studie vom Mai 2026, Genehmigung läuft | 150.000 t pro Jahr, frühestens Ende des Jahrzehnts |
| Recycling aus Stahlschlacke | Technisch möglich, wirtschaftlich unattraktiv | Inputrate in Europa bei neun Prozent |
| Batterierecycling | Kapazitäten im Aufbau | Erst relevant, wenn große Flotten das Lebensende erreichen |
| Tiefseeknollen | Antrag bei der US-Behörde NOAA, Genehmigung Anfang 2027 erwartet | Rechtlich umstritten, Umweltfolgen ungeklärt |
| Substitution im Stahl | Kein befriedigender Ersatz laut US Geological Survey | Null |
Ein Pfad führt auf den Meeresboden. In der Clarion-Clipperton-Zone des Pazifiks liegen Manganknollen. The Metals Company hat den Antragsbereich der Tochter TMC USA von rund 25.000 auf etwa 65.000 Quadratkilometer erweitert. Die US-Behörde NOAA erklärte den Antrag für regelkonform, die vollständige Genehmigung wird für Anfang 2027 erwartet, während die zuständige Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen noch keine Abbauregeln verabschiedet hat.
Bei der Batterie entscheidet die Chemie über den Bedarf. Manganfreie LFP-Zellen gewannen in China Marktanteile und drückten 2023 die Sulfatnachfrage, die manganhaltige LMFP-Variante dreht den Trend gerade wieder. Ähnlich wie beim Akku-Rohstoff Kobalt mit seinem Kongo-Dilemma hängt die Nachfrage weniger am Fahrzeugabsatz als an der Kathodenwahl der Zellhersteller.
Und diese Wahl ist inzwischen politisch. Seit Juli 2025 verlangt China für den Transfer von Technologie zur Herstellung von LFP- und LMFP-Kathodenmaterial eine Ausfuhrlizenz. Wer außerhalb Chinas eine Fabrik für manganhaltige Kathoden baut, braucht damit die Zustimmung Pekings für das Verfahren, nicht nur eine Lieferquelle für den Stoff.
- Chvaletice soll 150.000 Tonnen Sulfat im Jahr aus alten Bergbauhalden gewinnen, Studie seit Mai 2026, Genehmigung offen.
- Neun Prozent beträgt Europas Recycling-Inputrate. Das Metall verschwindet in der Schlacke und damit im Straßenbau.
- Exportlizenz seit Juli 2025: China kontrolliert nicht nur den Stoff, sondern auch die Technologie für manganhaltige Kathoden.
Was bedeutet Gabuns Exportverbot für Deutschland?

Deutschland importiert praktisch kein Manganerz, dafür 169.000 Tonnen Silikomangan und 143.000 Tonnen Ferromangan im Jahr. Verlagert Gabun die Verhüttung ins eigene Land, verschiebt sich genau die Handelsstufe, an der deutsche Stahlwerke hängen.
Die Absichtserklärung vom 20. Juli 2026 benennt drei Bausteine. Eine Manganoxid-Anlage im Raum Libreville soll mit 10.000 Jahrestonnen starten, der wiederbelebte Metallurgiekomplex Moanda ab 2029 bis zu 70.000 Tonnen Legierungen aus 150.000 Tonnen Erz erzeugen, und ein neues Küstenwerk ab 2031 weitere 265.000 Tonnen aus 530.000 Tonnen Erz. Alle drei Projekte brauchen noch eine endgültige Investitionsentscheidung.
Für deutsche Einkäufer verschiebt sich damit die Risikolandkarte. Beim Erz war die Abhängigkeit nie das Thema, weil die Einfuhr 2024 gerade 14.973 Tonnen im Wert von 8,8 Millionen Euro betrug. Beim Silikomangan stammen dagegen 19 Prozent aus der Ukraine, beim niedriggekohlten Ferromangan 30 Prozent aus Südafrika. Beides sind Lieferwege mit erkennbarem Ausfallrisiko.
Die Regulierung zieht in dieselbe Richtung. Der CO2-Grenzausgleich CBAM erfasst Ferromangan mit hohem wie mit niedrigem Kohlenstoffgehalt, Silikomangan und Manganmetall stehen nach Stand September 2025 noch nicht auf der Liste, doch die Kommission prüft die Ausweitung auf alle Ferrolegierungen. Auf elektrolytisches Mangandioxid aus China erhebt die EU seit Oktober 2023 Antidumpingzölle.
Politisch steht Mangan besser da, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. Die Verordnung über kritische Rohstoffe führt das Metall in Anhang I als strategischen Rohstoff, womit die Zielmarken bis 2030 gelten: zehn Prozent Eigengewinnung, 40 Prozent Verarbeitung in der EU, 25 Prozent Recycling und höchstens 65 Prozent Bezug aus einem einzigen Drittland. Beim Sulfat liegt der chinesische Anteil bei 96 Prozent und damit weit über dieser Obergrenze.
- Optimistisch: Chvaletice und die Anlagen in Kasachstan und Belgien gehen ans Netz, Gabun liefert ab 2031 Legierungen statt Erz, und Europa kauft Vormaterial aus mehreren Quellen statt aus einer einzigen
- Realistisch: Der Erzmarkt bleibt bis 2035 gedeckt, beim Sulfat entsteht ab 2034 eine Lücke, und die Legierungspreise steigen mit jeder neuen Verarbeitungsauflage in den Förderländern
- Pessimistisch: Die gabunischen Projekte scheitern an der Investitionsentscheidung, das Exportverbot greift trotzdem, und ein Viertel der Weltförderung steht 2029 ohne Abnehmerweg da
Konkret heißt das für Einkäufer zweierlei. Legierungsmittel gehören in dieselbe Lieferantenbewertung wie Schrott und Strom, mit Mehrjahresverträgen, benannten Herkunftsländern und einem Sicherheitsbestand, der über die üblichen Wochen hinausgeht. Und jedes Unternehmen mit Batterieplänen sollte klären, welche Kathodenchemie im eigenen Produkt steckt, weil LFP und LMFP völlig unterschiedliche Abhängigkeiten mitbringen.
- Ab 1. Januar 2029 darf Gabun kein Rohmangan mehr ausführen. Bis Ende 2031 sollen 700.000 Tonnen im Land verarbeitet werden.
- 169.000 Tonnen Silikomangan kauft Deutschland jährlich zu, 19 Prozent davon aus der Ukraine.
- 65 Prozent Höchstanteil je Drittland schreibt die EU bis 2030 vor. Beim Mangansulfat liegt China bei 96 Prozent.
Glossar: 17 wichtige Fachbegriffe rund um Mangan

Braunit
Braunit ist ein Mangansilikat-Oxid und das mengenmäßig wichtigste Erzmineral im südafrikanischen Kalahari-Manganfeld. Der sedimentäre Braunit-Lutit stellt dort 97 Prozent der abbaubaren Reserve. Benannt ist das Mineral nach dem Gothaer Kammerrat Kaspar Braun.
Braunstein
Braunstein ist die traditionelle Bezeichnung für Mangandioxid. Glashütten setzten den Stoff seit der Antike als Entfärber ein, weil er die Grünfärbung durch Eisenverbindungen aufhebt. Heute bildet Braunstein die positive Elektrode jeder Alkali-Mangan-Batterie.
CBAM
CBAM steht für Carbon Border Adjustment Mechanism, den CO2-Grenzausgleich der EU. Importe bestimmter emissionsintensiver Güter sollen denselben CO2-Preis tragen wie Ware aus der EU. Ferromangan fällt bereits darunter, Silikomangan und Manganmetall nach Stand September 2025 noch nicht.
Elektrolytisches Manganmetall
Elektrolytisches Manganmetall, kurz EMM, entsteht durch elektrolytische Abscheidung aus einer Sulfatlösung und erreicht Reinheiten von über 99,7 Prozent. Edelstahlwerke und Hersteller von Nichteisenlegierungen setzen den Stoff dort ein, wo Ferrolegierungen zu viel Eisen einbringen würden.
Ferromangan
Ferromangan ist eine Eisen-Mangan-Legierung mit einem Mangananteil von etwa 65 bis 80 Prozent. Der Handel unterscheidet nach Kohlenstoffgehalt, weil niedriggekohlte Sorten für hochwertige Stähle deutlich teurer sind. Deutschland führte 2024 rund 143.000 Tonnen ein.
Hadfield-Stahl
Hadfield-Stahl oder Manganhartstahl enthält rund zwölf Prozent Mangan und etwa ein Prozent Kohlenstoff. Unter Schlagbelastung verfestigt sich die Oberfläche, statt zu brechen. Robert Hadfield ließ den Werkstoff 1883 patentieren, heute stecken darin Weichenherzstücke, Brecherbacken und Baggerzähne.
Herfindahl-Hirschman-Index
Der Herfindahl-Hirschman-Index misst die Marktkonzentration auf einer Skala bis 10.000 Punkte. Werte über 2.500 gelten als kritisch. Die Bergwerksförderung von Mangan lag 2024 bei 2.440 Punkten, die Produktion von hochreinem Mangansulfat dagegen bei 9.138 Punkten.
Hochreines Mangansulfat
Hochreines Mangansulfat, im Handel HPMSM, dient als Ausgangsstoff für manganhaltige Kathoden in Lithium-Ionen-Batterien. Die Anforderungen an Fremdmetalle liegen weit über denen von Düngemittelsulfat. 2024 entstanden 96 Prozent der Weltproduktion in China.
Hotazel-Formation
Die Hotazel-Formation ist die rund 2,2 Milliarden Jahre alte Gesteinsabfolge der Transvaal-Supergruppe, in der das Kalahari-Manganfeld liegt. Bändererze und Braunit-Lutite wechseln sich darin ab. Die Entstehung fällt in die Phase, in der freier Sauerstoff die Ozeane erreichte.
Kalahari-Manganfeld
Das Kalahari-Manganfeld in der südafrikanischen Provinz Northern Cape ist die größte Landlagerstätte der Welt und umfasst mindestens 1.100 Quadratkilometer. Nach Einschätzung der Internationalen Union der Geowissenschaften liegen dort über 77 Prozent der bekannten Landreserven.
LMFP-Kathode
Die LMFP-Kathode aus Lithium-Mangan-Eisenphosphat erweitert die manganfreie LFP-Chemie um Mangan und erreicht damit eine höhere Zellspannung. Der Mehrbedarf an Mangansulfat hängt direkt daran, welchen Marktanteil diese Variante gegenüber reinem LFP gewinnt.
Manganknolle
Manganknollen sind kartoffelgroße Konkretionen auf dem Tiefseeboden, die neben Mangan auch Nickel, Kupfer und Kobalt enthalten. Das größte bekannte Vorkommen liegt in der Clarion-Clipperton-Zone des Pazifiks. Ein kommerzieller Abbau findet bislang nicht statt.
Metric ton unit
Die metric ton unit, abgekürzt mtu, ist die Handelseinheit für Manganerz. Eine mtu entspricht einer Tonne Erz mit einem Prozent Mangangehalt und enthält damit zehn Kilogramm Metall. Notierungen wie 6,02 Dollar je mtu beziehen sich immer auf trockene Ware.
Pyrolusit
Pyrolusit ist das häufigste Manganmineral und besteht aus Mangandioxid. Oxidische Erze mit hohem Pyrolusit-Anteil gehen ohne Röstschritt in den Ofen und erzielen deshalb bessere Preise als karbonatische Erze. Der Name geht auf den griechischen Ausdruck für Feuerwäscher zurück.
Silikomangan
Silikomangan ist die mengenmäßig wichtigste Ferrolegierung mit rund 65 Prozent Mangan und einem hohen Siliziumanteil. Stahlwerke nutzen den Zusatz zur Desoxidation und Entschwefelung in einem Schritt. Deutschland importierte 2024 etwa 169.000 Tonnen im Wert von 172,7 Millionen Euro.
Spiegeleisen
Spiegeleisen bezeichnet manganreiches weißes Roheisen mit fünf bis 30 Prozent Mangan, dessen Bruchfläche spiegelnd glänzt. Robert Forester Mushet machte damit 1856 den Bessemer-Stahl brauchbar. Der deutsche Begriff hat sich im englischen Fachvokabular unübersetzt gehalten.
Strategischer Rohstoff
Ein strategischer Rohstoff nach Anhang I der EU-Verordnung 2024/1252 unterliegt den Zielmarken für 2030: zehn Prozent Eigengewinnung, 40 Prozent Verarbeitung in der EU, 25 Prozent Recycling und höchstens 65 Prozent Bezug aus einem Drittland. Mangan steht auf dieser Liste.
FAQ: Mangan kostet wenig und entscheidet über jede Tonne Stahl

Ist Mangan gesundheitsschädlich?
Als Spurenelement ist Mangan lebensnotwendig, in hoher Dosis über die Atemluft aber neurotoxisch. Bergleute und Schweißer können bei jahrelanger Belastung durch Manganstaub oder Schweißrauch eine Bewegungsstörung entwickeln, den sogenannten Manganismus. Über die Nahrung aufgenommene Mengen gelten dagegen als unbedenklich, weil der Körper überschüssiges Mangan über die Galle ausscheidet.
Wie viel Mangan braucht der menschliche Körper?
Die D-A-CH-Referenzwerte nennen für Erwachsene einen Schätzwert von zwei bis fünf Milligramm je Tag. Diese Menge deckt eine normale Mischkost mühelos ab, weil Vollkorngetreide, Nüsse, Hülsenfrüchte und schwarzer Tee besonders viel enthalten. Ein Mangel kommt bei gesunden Menschen in Mitteleuropa praktisch nicht vor, weshalb Nahrungsergänzung selten nötig ist.
Warum wird Mangan aus dem Trinkwasser entfernt?
Die deutsche Trinkwasserverordnung setzt den Grenzwert bei 0,05 Milligramm je Liter, die Weltgesundheitsorganisation bei 0,4 Milligramm. Der niedrige deutsche Wert schützt nicht vor Vergiftung, sondern vor Braunfärbung, Ablagerungen in Leitungen und Flecken auf Wäsche. Wasserwerke oxidieren das gelöste Metall und filtern die entstehenden Flocken ab.
Ist Mangan ein seltenes Metall?
Nein, Mangan ist das zwölfthäufigste Element der Erdkruste mit einem Massenanteil von rund einem Zehntel Prozent. Nach Eisen ist Mangan damit das häufigste Schwermetall überhaupt. Die weltweiten Reserven von 1,8 Milliarden Tonnen Metallinhalt reichen beim heutigen Verbrauch rechnerisch rund 90 Jahre. Kritisch ist nicht die Menge, sondern die Verteilung von Förderung und Veredelung.
Was kostet ein Kilogramm Mangan?
Elektrolytisches Manganmetall notierte am 3. August 2026 bei 2.599,51 Dollar je Tonne, umgerechnet rund 2,23 Euro je Kilogramm. Als Erz gerechnet kostet ein Kilogramm Metallinhalt nur etwa 52 Cent. Der Unterschied erklärt sich vollständig aus den Verarbeitungsstufen zwischen Grube und Reinmetall, die überwiegend in China stattfinden.
Ist Mangan magnetisch?
Reines Mangan ist bei Raumtemperatur paramagnetisch und haftet deshalb nicht an einem Magneten, obwohl das Metall im Periodensystem direkt neben Eisen steht. Auch Hadfield-Stahl mit zwölf Prozent Mangan bleibt austenitisch und damit weitgehend unmagnetisch. Diese Eigenschaft nutzen Konstrukteure überall dort, wo Bauteile magnetisch neutral bleiben müssen.
Quellen
US Geological Survey | Mineral Commodity Summaries 2026, Kapitel Manganese, Weltförderung, Reserven, Preise und Substitute | https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-manganese.pdf | besucht am 27.08.2026
Deutsche Rohstoffagentur in der BGR | DERA Rohstoffinformationen 64, Rohstoffrisikobewertung Mangan, Datenstand Oktober 2025 | https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DERA/SharedDocs/Downloads/Rohstoffinformationen/rohstoffinformationen-64.pdf | besucht am 27.08.2026
Eramet | Absichtserklärung mit der Republik Gabun zur Weiterverarbeitung von Manganerz, 20. Juli 2026 | https://www.globenewswire.com/news-release/2026/07/20/3330016/0/en/eramet-and-the-gabonese-republic-sign-a-structured-memorandum-of-understanding-to-sustainably-transform-the-manganese-value-chain-in-gabon.html | besucht am 27.08.2026
Eramet | Halbjahresbericht 2026, Ergebnis- und Mengenangaben zum Mangangeschäft, 29. Juli 2026 | https://www.eramet.com/wp-content/uploads/2026/07/2026-07-29-Eramet-PR-H1-2026-EN.pdf | besucht am 27.08.2026
World Steel Association | Rohstahlproduktion 2025 nach Ländern, Weltproduktion 1.848,9 Millionen Tonnen | https://worldsteel.org/data/annual-production-steel-data/ | besucht am 27.08.2026
Wirtschaftsvereinigung Stahl | Jahresbilanz der Stahlproduktion 2025, deutsche Rohstahlerzeugung 34,1 Millionen Tonnen | https://www.wvstahl.de/pressemitteilungen/jahresbilanz-der-stahlproduktion-2025-viertes-krisenjahr-in-folge/ | besucht am 27.08.2026
Trading Economics | Notierung Manganerz, 28,75 Yuan je mtu am 26. August 2026 | https://tradingeconomics.com/commodity/manganese | besucht am 27.08.2026
Shanghai Metals Market | Notierungen elektrolytisches Manganmetall, batteriefähiges Mangansulfat und australisches Stückerz vom 3. August 2026 | https://critical-minerals-news.com/manganese-price/ | besucht am 27.08.2026
Europäische Zentralbank | Referenzkurs US-Dollar zu Euro, 26. August 2026, 1 Euro = 1,1669 Dollar | https://data-api.ecb.europa.eu/service/data/EXR/D.USD.EUR.SP00.A | besucht am 27.08.2026
Amtsblatt der Europäischen Union | Verordnung (EU) 2024/1252 über kritische Rohstoffe, Anhang I strategische Rohstoffe | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32024R1252 | besucht am 27.08.2026
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International Manganese Institute | Selbstdarstellung, Mitgliederzahl, Gründungsjahr und Aufgabenkatalog | https://www.manganese.org/en | besucht am 27.08.2026
Internationale Union der Geowissenschaften | Geoheritage-Datenblatt zum Kalahari-Manganfeld | https://iugs-geoheritage.org/geoheritage_sites/the-kalahari-manganese-field/ | besucht am 27.08.2026
Grace’s Guide to British Industrial History | Robert Forester Mushet, Zusatz von Spiegeleisen zum Bessemer-Verfahren 1856 | https://www.gracesguide.co.uk/Robert_Forester_Mushet | besucht am 27.08.2026
Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift, Jahrgang 119 (1953) | Im Brückenkopf von Nikopol 1943/1944, Probleme in der Verteidigungsstellung | https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=asm-004:1953:119::729 | besucht am 27.08.2026
Germany Trade and Invest | Gabun verbietet Export von Rohmangan ab 2029 | https://www.gtai.de/de/trade/gabun/specials/gabun-verbietet-export-von-rohmangan-ab-2029–1906864 | besucht am 27.08.2026
Mundolatas, Fachportal für Metallverpackungen | Aluminium-Spezifikationen für Getränkedosen und Deckel, Legierung AA3004 | https://mundolatas.com/de/aluminium-spezifikationen-fuer-getraenkedosen-und-deckel/ | besucht am 27.08.2026
Bundesregierung | Ergebnisse des Stahlgipfels im Kanzleramt vom 6. November 2025 | https://www.cdu.de/aktuelles/wirtschaft/stahlgipfel-merz-sichert-schluesselindustrie-ab/ | besucht am 27.08.2026
Bundesinstitut für Risikobewertung | Höchstmengenvorschläge für Mangan in Lebensmitteln, Referenzwerte zur Zufuhr | https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaege-fuer-mangan-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln.pdf | besucht am 27.08.2026