Die Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen stellt ihren Geschäftsbetrieb zum Jahresende ein, weil sich seit März kein Investor gefunden hat. Laut MDR verlieren 96 Beschäftigte ihre Arbeit. Den Ausschlag gaben Gaskosten von zuletzt bis zu 180.000 Euro im Monat, die der Verkauf von Tellern und Tassen nicht mehr deckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Kahla Porzellan sieht Insolvenzverwalter Rolf Rombach keine Möglichkeit mehr, den Betrieb über den Jahreswechsel hinaus fortzuführen.[1] Zuletzt scheiterten Verhandlungen mit einem türkischen Investor. In der Kleinstadt südlich von Jena endet damit eine Porzellanfertigung, die bis ins Jahr 1844 zurückreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Kahla Porzellan beendet den Geschäftsbetrieb zum Jahresende 2026, laut MDR verlieren 96 Beschäftigte ihre Stelle.
- Seit März suchte Insolvenzverwalter Rolf Rombach einen Käufer, zuletzt verhandelte er mit einem türkischen Interessenten.
- Für Gas zahlte die Manufaktur zuletzt 150.000 bis 180.000 Euro im Monat, höhere Preise ließen sich bei den Kunden kaum durchsetzen.
- Kahla war bereits 2020 insolvent, vor jenem Verfahren arbeiteten rund 250 Menschen im Werk.
Wie läuft das Ende in Kahla ab?

Neue Aufträge nimmt Kahla nicht mehr an, bestehende arbeitet die Belegschaft ab. Laut MDR endet die Produktion Ende Oktober, dekoriert wird noch bis zum Jahresende. Werksverkauf und Onlineshop sollen die Restbestände bis in die ersten Monate 2027 verkaufen.
Das Verfahren hat damit die letzte Stufe vor der Stilllegung erreicht. Kahla stellte im Frühjahr einen Insolvenzantrag. Die Investorensuche blieb ohne Ergebnis, nun steht das Ende des Geschäftsbetriebs fest. Wirtschaftsministerium und Staatskanzlei in Erfurt waren laut Rombach früh eingebunden, auch der Ministerpräsident schaltete sich persönlich ein.[1] Andreas Schmidt, Bezirksleiter der IG BCE in Thüringen, sagte der Zeitung junge Welt, die Schließung „wiegt schwer“. Tarifgebunden war das Werk nicht.
Warum rechnet sich Porzellan aus Kahla nicht mehr?
Porzellan wird im Ofen gebrannt, in Kahla mit Gas. Die monatlichen Gaskosten beziffert Rombach auf zuletzt 150.000 bis 180.000 Euro.[1] Aufs Jahr gerechnet wären das 1,8 bis 2,2 Millionen Euro, bei knapp 100 Beschäftigten also rund 20.000 Euro je Arbeitsplatz.
Die Verkaufspreise zogen nicht mit: Viele Kunden akzeptierten höhere Preise nicht oder nur in geringem Umfang, schreibt der Insolvenzverwalter. Schon beim Insolvenzantrag im Frühjahr hatte das Unternehmen auf eine schwache Auftragslage verwiesen, vor allem in der Gastronomie.
Der Industriestrompreis senkt die Stromkosten energieintensiver Betriebe auf rund 5 Cent je Kilowattstunde, das Geld fließt aber erst 2027. An der Gasrechnung für Kahlas Brennöfen hätte die Entlastung ohnehin nichts geändert.
Welche Betriebe trifft dieselbe Rechnung?
Italiens Keramikhersteller zahlen für Gas über 70 Euro je Megawattstunde, etwa doppelt so viel wie vor der Sperrung der Straße von Hormus. Dr. Web hat die Folgen am Rohstoff Feldspat nachgezeichnet, von den Gruben der Westtürkei bis in die Brennöfen von Sassuolo.
In Ostdeutschland reiht sich Kahla in eine Serie von Schließungen ein. Breyden will die Eisengießerei in Ueckermünde mit 320 Beschäftigten Ende 2026 schließen, im Saalekreis fährt die insolvente Leuna Polyamid ihr Werk herunter.
Kyocera dagegen hat seit 2023 rund 70 Millionen Euro in seine Werke in Selb, Mannheim und Waiblingen gesteckt und presst im oberfränkischen Selb große Bauteile für Maschinen der Chipindustrie. Kahla verkaufte Tafelgeschirr an Handel und Gastronomie, also an Kunden, die Preiserhöhungen meiden.
Hotels und Restaurants mit Kahla-Serien kaufen fehlende Teile am besten jetzt nach, solange Werksverkauf und Onlineshop Ware haben. Lieferanten mit offenen Rechnungen melden ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter zur Tabelle an.
Quelle
[1] Rolf Rombach, Insolvenzverwalter der Kahla Porzellan GmbH, veröffentlicht bei INDat: „Kahla Porzellan muss Geschäftsbetrieb zum Jahresende einstellen“ (Mitteilung vom 30.09.2026, veröffentlicht am 08.10.2026)
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