Westlake schließt sein PVC-Werk in Köln-Merkenich im ersten Quartal 2027. Der US-Chemiekonzern verweist auf die schwache Nachfrage in Europa und den Importdruck aus Asien. Die Kunden beliefert Westlake künftig aus seinen übrigen deutschen Werken, darunter Wilhelmshaven, das der Konzern erst im Juni aus einer Insolvenz übernommen hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas PVC-Werk von Westlake in Köln-Merkenich ist auf rund 165.000 Tonnen im Jahr ausgelegt. Am 29. September kündigte die Westlake Corporation aus Houston an, die Produktion in Merkenich stillzulegen.[1] Eine Stellenzahl nennt der Konzern nicht. Laut Standortporträt des Chemieparks Köln-Merkenich arbeiten dort rund 150 Menschen in der PVC-Herstellung.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Westlake stellt die PVC-Produktion in Köln-Merkenich im ersten Quartal 2027 ein, das Werk hat eine Kapazität von rund 165.000 Tonnen im Jahr.
- Die Schließung kostet vor Steuern rund 205 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 178 Millionen Euro.
- Im Juni hatte Westlake das insolvente Vynova-Werk in Wilhelmshaven mit 380.000 Tonnen Kapazität und rund 350 Beschäftigten übernommen.
Was plant Westlake in Köln-Merkenich?

Stilllegung beschlossen. Die Kosten der Schließung verteilt der Konzern auf 2026 und 2027: Von rund 205 Millionen US-Dollar entfallen etwa 100 Millionen auf Barmittel, der Rest auf nicht zahlungswirksame Posten.[1] Zum Umrechnungskurs von 0,87 Euro je Dollar (Stand 30.09.2026) entspricht die Gesamtsumme rund 178 Millionen Euro.
Sozialplan offen. Jean-Marc Gilson, Präsident und CEO von Westlake, spricht von einer „schwierigen Entscheidung“. Der Konzern wolle alle Betroffenen „mit Respekt behandeln und durch diesen Übergang begleiten“.[1] Wie viele Beschäftigte gehen und welche Abfindungen gelten, lässt die Mitteilung offen. Eine Stellungnahme von Betriebsrat oder IG BCE lag bis Mittwochvormittag nicht vor. Die Stilllegung ist damit beschlossen, die Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan stehen noch aus.
Warum schließt Westlake Köln und kauft zugleich in Wilhelmshaven?
Klein und teuer. Westlake begründet den Schritt mit dem Werk selbst: Köln sei kleiner und logistisch aufwendiger als die übrigen europäischen PVC-Standorte und produziere deshalb teurer.[1] PVC besteht zu 57 Prozent aus Chlor, gewonnen in der Chlor-Alkali-Elektrolyse, einem der stromintensivsten Verfahren der Chemie. Der Strompreis fließt deshalb in jede Tonne PVC ein. Wie eng die rheinischen Werke verflochten sind, zeigte sich im Mai: Eine Störung bei der Herstellung des Vorprodukts Vinylchlorid stoppte die PVC-Lieferungen aus Köln und Hürth-Knapsack gleichzeitig.[3]
Zukauf an der Küste. Mitte Juni übernahm Westlake Vinnolit das Werk der insolventen Vynova in Wilhelmshaven.[4] Mit dem Kauf blieben dort alle rund 350 Arbeitsplätze erhalten.[5] Die Anlage stellt neben PVC auch Vinylchlorid her, ist auf 380.000 Tonnen PVC im Jahr ausgelegt und liegt an einem Tiefwasserhafen, über den Rohstoffe per Schiff ankommen. Westlake tauscht damit ein kleines Binnenwerk gegen einen mehr als doppelt so großen Küstenstandort. Deutschland verliert den Konzern also nicht, Westlake verlagert die Produktion innerhalb des Landes.
Was bedeutet die Schließung für Köln und die PVC-Kunden?
Chemie unter Druck. Merkenich reiht sich in eine Serie von Einschnitten der deutschen Chemie ein. Evonik schließt Bitterfeld und Hamburg und streicht bis 2029 weitere 3.200 Stellen. BASF fiel in Ludwigshafen erstmals seit 1954 unter 30.000 Beschäftigte, Wacker Chemie baut in Burghausen 1.300 Stellen ab. Auch im Kunststoffgeschäft ordnen die Konzerne ihr Geschäft neu: Mutares kaufte die verlustreiche Thermoplast-Sparte von SABIC.
Westlake sortiert seine deutschen Werke nach Stromkosten und Hafenanschluss. Köln verliert gegen ein Werk, das der Konzern erst im Juni aus einer Insolvenz gekauft hat.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Lieferwerk klären. PVC-Verarbeiter, etwa Hersteller von Fensterprofilen oder Bodenbelägen, sollten mit Westlake jetzt klären, aus welchem Werk ihre Ware ab 2027 kommt. Ein Werkswechsel kann bei geprüften Anwendungen eine neue Materialfreigabe nötig machen, und der längere Weg von der Nordsee verteuert die Fracht. Abnehmer von Spezialtypen wie Pasten-PVC fragen am besten früh nach: Vinnolit hatte 2012 einen Ausbau der Kölner Pastenkapazität um 50.000 Tonnen angekündigt.[6]
Quellen
[1] Westlake Corporation: „Westlake will mit der Schließung des PVC-Werks in Köln seine Präsenz im europäischen Chlorvinyl-Geschäft optimieren“ (29.09.2026)
[2] Chemiepark Köln-Merkenich: Westlake Vinnolit (abgerufen am 30.09.2026)
[3] KunststoffWeb: PVC: Vinnolit erklärt Force Majeure auf Lieferungen aus Köln und Knapsack (13.05.2026)
[4] Westlake Corporation: „Westlake Expands Global Chlorovinyls Manufacturing Capacity with Acquisition of PVC and VCM Plants“ (Juni 2026)
[5] Hooksiel Life: Westlake übernimmt PVC-Werk: 350 Arbeitsplätze gesichert (16.06.2026)
[6] K-Online: Vinnolit: Erweiterte PVC-Pastenkapazität am Standort Köln (13.08.2012)
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