Die Breyden-Gruppe will ihre Eisengießerei in Ueckermünde Ende 2026 schließen, rund 320 Beschäftigte verlieren damit ihre Arbeit. Gut zwei Wochen vor der Ankündigung besuchte Wirtschaftsminister Wolfgang Blank noch das Werk. Ueckermünde kam erst 2025 zur Gruppe, das Werk in Lollar schloss der Eigentümer Aequita schon zum Jahresbeginn 2026.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Für die Beschäftigten ist das ein Schock“, sagt Denis Rogge, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Stralsund/Neubrandenburg, über die geplante Schließung der Eisengießerei Ueckermünde.[1] Das Werk im Landkreis Vorpommern-Greifswald fertigt unter anderem Bremssättel und Bremsgehäuse für die Autoindustrie. Belegschaft und Betriebsrat erfuhren am Freitag, 2. Oktober, von den Plänen.
Das Wichtigste in Kürze
- Betroffen sind 260 Festangestellte sowie befristet Beschäftigte und Leiharbeiter, zusammen rund 320 Menschen.
- Eine Insolvenz plant Breyden nicht, bis Jahresende soll die Produktion weiterlaufen.
- Als Gründe nennt die Geschäftsführung hohe Energie- und Lohnkosten sowie 30 Prozent weniger verarbeitetes Eisen.
Wo steht die Schließung?

Das Vorhaben steht auf der Stufe Ankündigung: Breyden hat den Plan verkündet, die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan beginnen erst.[1]
Die Zahl von rund 320 Betroffenen nennt Geschäftsführer Sebastian Simon, der NDR spricht von 290 Beschäftigten. In jedem Fall trifft der Schritt die gesamte Belegschaft des Standorts.
Betriebsratschef Clemens Schröder sagt, den Beschäftigten sei bisher stets eine gute Auftragslage vermittelt worden. Laut Rogge hatte die Belegschaft zuvor Lohneinbußen akzeptiert, um das Werk zu sichern.[1] Bürgermeister Tino Spiegelberg kündigte einen Krisenstab an.
Warum rechnet sich der Guss aus Ueckermünde nicht mehr?
Laut Simon verarbeitete das Werk vor einigen Jahren 50.000 Tonnen Eisen im Jahr, heute nur noch 35.000 Tonnen. Konkurrenten in China und Indien zahlten 6 bis 8 Cent je Kilowattstunde Strom, in Deutschland zahle das Werk 20 bis 25 Cent.[1]
Weniger Tonnage verteilt die festen Kosten für Öfen, Formanlagen und Personal auf weniger Gussteile. Schon heute braucht die Ueckermünder Gesellschaft erhebliche Finanzhilfen aus der Gruppe, teilte Breyden mit. Auch mit weiteren Investitionen bliebe der Standort zu teuer, schätzt die Geschäftsführung.
Die deutsche Gießerei-Industrie schrumpft insgesamt. 2025 sank die Gussproduktion laut dem Branchenverband BDG um rund 4 Prozent auf 3,3 Millionen Tonnen, die Beschäftigung um 6 Prozent auf noch gut 60.000 Menschen.[2] Der geplante Industriestrompreis gehe „in weiten Teilen an der Branche vorbei“, kritisierte BDG-Hauptgeschäftsführer Martin Theuringer im Januar.
Auch Druckgießereien fehlen die Aufträge: Bohai schließt sein Werk in Harzgerode mit 550 Beschäftigten, und Schüle Druckguss in Schwäbisch Gmünd sucht im Schutzschirmverfahren einen Ausweg.
Ein Werk mit 30 Prozent weniger Tonnage zahlt deutsche Strompreise für schlecht ausgelastete Öfen. Am Einsatz der Belegschaft scheitert Ueckermünde nicht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was zeigt der Fall über Aequita und die Region?
Breyden gehört zur Münchner Industrieholding Aequita. Die Holding übernahm 2024 die Bosch-Gießereien in Lollar und Breidenbach, 2025 Werke der britischen MAT Foundry Group. Für Lollar verkündete Aequita im September 2025 die Schließung zum Jahresende, obwohl nach Darstellung der IG Metall eine Standortgarantie bis Ende 2026 galt.[3] Die 243 Beschäftigten erstritten Abfindungen bis 115.000 Euro und zwölf Monate in einer Transfergesellschaft.
Wirtschaftsminister Blank besuchte das Ueckermünder Werk am 17. September und forderte dabei wettbewerbsfähige Energiepreise für die Gießereien des Landes.[4] Simon hofft, dass viele Beschäftigte in Torgelow unterkommen: Die dortige Gießerei der Silbitz Group, 15 Kilometer entfernt, sucht Fachkräfte.[1]
Einkäufer, die Bremsteile aus Ueckermünde beziehen, sollten die Freigabe von Ersatzlieferanten jetzt anstoßen, denn sicherheitsrelevante Gussteile brauchen eine neue Bemusterung. Der Ueckermünder Betriebsrat findet im Lollarer Sozialplan und in der Einigung bei TE Connectivity in Speyer Maßstäbe für die anstehenden Verhandlungen. Ob niedrigere Strompreise solche Werke halten können, bleibt eine Kernfrage der Standortdebatte.
Quellen
[1] Nordkurier: „Das Aus für 320 Jobs: Eisengießerei soll Ende des Jahres schließen“ (02.10.2026)
[2] BDG, Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie: „BDG: Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau“, Konjunkturprognose 2026 (13.01.2026)
[3] IG Metall: „Achtung Heuschrecke: Wie Aequita Betriebe abwickelt“ (2026)
[4] Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern: „Blank besucht Eisengießereien und fordert bessere Bedingungen für heimische Industrie“, PM Nr. 159/26 (18.09.2026)
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