Der Autozulieferer Julius Schüle Druckguss aus Schwäbisch Gmünd saniert sich seit dem 18. September im Schutzschirmverfahren. Unter den Schirm fällt allein die deutsche Gesellschaft mit 152 Beschäftigten, die Werke in Polen und der Slowakei produzieren außerhalb des Verfahrens weiter.

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Schüle Druckguss stellte den Antrag beim Amtsgericht Aalen, das Gericht gab ihm noch am selben Tag statt und bestellte Arndt Geiwitz von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz zum vorläufigen Sachwalter.[1] Der Familienbetrieb gießt seit 1951 Aluminiumteile, vor allem für die Autoindustrie, daneben für Heizungs- und Medizintechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Amtsgericht Aalen ordnete am 18. September 2026 das Schutzschirmverfahren für die Julius Schüle Druckguss GmbH an, die Geschäftsführung bleibt im Amt.
  • Am Stammsitz Schwäbisch Gmünd arbeiten 152 der rund 680 Beschäftigten der Gruppe, ihre Löhne sichert das Insolvenzgeld bis einschließlich November.
  • Die Töchter in Poprad (Slowakei) und Świebodzice (Polen) sind nicht Teil des Verfahrens.
  • Schüle setzte 2025 rund 110,9 Millionen Euro um und sucht einen Investor.

Warum rutscht Schüle Druckguss in die Sanierung?

Getriebegehäuse unter orangem Regenschirm mit Etikett „§ 270d“
Jahresverlust verdoppelt sich von 4,8 auf 9,6 Millionen Euro durch Niedriglohnkonkurrenz und sinkende Automargen

Wachsende Verluste. Als Ursachen nennt das Unternehmen den Wettbewerb aus Niedriglohnländern, Überkapazitäten sowie sinkende Stückzahlen und Margen im Autogeschäft.[2] Laut Wetterauer Zeitung wuchs der Jahresverlust von 4,8 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 9,6 Millionen Euro im Jahr 2024. Geschäftsführer Michael Eidecker bedauert den Schritt, zeigt sich aber zuversichtlich, die bereits begonnene Restrukturierung erfolgreich abzuschließen.[1]

Drei Viertel im Ausland. Von den rund 680 Beschäftigten der Gruppe arbeiten rund 530 in Polen und der Slowakei.[2] Schüle produziert damit bereits überwiegend in Ländern mit niedrigeren Löhnen, die Marge reicht trotzdem nicht. Druckgießereien schmelzen Aluminium bei rund 700 Grad und zahlen deshalb zweimal für Energie: für den eigenen Schmelzofen und über den Preis des Metalls, dessen Herstellung am Strompreis hängt.

Was bedeutet das Schutzschirmverfahren für die Beschäftigten?

Drei Monate Frist. Das Schutzschirmverfahren nach § 270d der Insolvenzordnung steht nur Firmen offen, denen Zahlungsunfähigkeit droht oder die überschuldet, aber noch zahlungsfähig sind. Ein in Insolvenzsachen erfahrener Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Anwalt muss diese Lage bescheinigen. Ab der Anordnung bleiben der Geschäftsführung höchstens drei Monate für einen Insolvenzplan.[5] Einen Stellenabbau hat Schüle nicht angekündigt: Die Zahl 152 beschreibt die Belegschaft unter dem Schirm, keinen Abbaubeschluss. Das Verfahren steht damit auf der ersten Stufe, Insolvenzplan und Investorensuche folgen.[2]

Branchenwelle. Die Beratung FalkenSteg zählte 2025 bundesweit 59 Insolvenzen von Autozulieferern mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz. Erstmals führten die Metallwarenhersteller das Ranking an, mit 65 Fällen.[3]

Schüle Druckguss unter dem Schutzschirm
Nur die deutsche Gesellschaft ist im Verfahren, der Großteil der Belegschaft arbeitet in Osteuropa
152
Beschäftigte in Schwäbisch Gmünd stehen unter dem Schutzschirm
rund 530
Beschäftigte arbeiten in Polen und der Slowakei, außerhalb des Verfahrens
9,6 Mio. €
Verlust im Jahr 2024, doppelt so viel wie 2023
3 Monate
bleiben höchstens für den Insolvenzplan, Insolvenzgeld läuft bis Ende November

Obwohl drei Viertel der Schüle-Belegschaft bereits in Polen und der Slowakei arbeiten, reicht die Marge nicht. Über das Stammwerk in Schwäbisch Gmünd entscheiden deshalb Stückzahlen und Strompreis.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt die Insolvenz für die Ostalb und die Kunden?

Doppelter Umbau. In Schwäbisch Gmünd schrumpft bereits die Lenkungssparte von Bosch: Von rund 3.600 Beschäftigten im Herbst 2024 sollen bis 2030 etwa 1.700 bleiben.[4] Bundesweit wächst der Druck: Beim Aktionstag der IG Metall protestierten nach Gewerkschaftsangaben 175.000 Beschäftigte, in derselben Woche kündigte Mubea den Abbau von 200 Stellen an.

Lieferketten prüfen. Der Betrieb in Schwäbisch Gmünd läuft weiter.[2] Einkäufer bei Schüle-Kunden sollten dennoch klären, welche Teile allein aus dem Stammwerk kommen, wem die Gießformen gehören und welcher Ersatzlieferant einspringen könnte. Für Gießereien der Region öffnet die Investorensuche den Zugang zu Anlagen und Fachkräften.

Quellen

[1] Wetterauer Zeitung: Autozulieferer Schüle Druckguss ist insolvent: 152 Jobs in Gefahr (24.09.2026)

[2] Julius Schüle Druckguss GmbH, Mitteilung via INDat: Julius Schüle Druckguss GmbH stellt Antrag auf Anordnung eines Schutzschirmverfahrens (September 2026)

[3] FalkenSteg: Insolvenzen 2025: Fieberzustand im deutschen Mittelstand (08.01.2026)

[4] Automobil Produktion: Bosch streicht weniger Stellen in Schwäbisch Gmünd (25.06.2025)

[5] Bundesministerium der Justiz: § 270d Insolvenzordnung, Vorbereitung einer Sanierung; Verordnungsermächtigung

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