Der Autozulieferer Mubea will an seinen Werken in Daaden und Weitefeld im Kreis Altenkirchen bis Ende 2028 rund 200 von 600 Stellen abbauen. Für die beiden Westerwald-Werke folgt damit die zweite Abbaurunde innerhalb von zwei Jahren, während der Konzern im Luftfahrtgeschäft zulegt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Stellenabbau bei Mubea trifft das erste Zweigwerk des Familienunternehmens aus Attendorn: In Daaden fertigt der Federnspezialist seit 1960, im Nachbarort Weitefeld seit 2001. Laut Unternehmen braucht der Doppelstandort Ende 2028 nur noch rund 400 Beschäftigte.[1] Kommunalpolitik und IG Metall zeigten sich nach Angaben der Rhein-Zeitung überrascht.
Das Wichtigste in Kürze
- Mubea will in Daaden und Weitefeld bis Ende 2028 rund 200 Stellen streichen, die Belegschaft schrumpft von 600 auf etwa 400 Beschäftigte.
- Als Gründe nennt der Konzern veränderte Einkaufsentscheidungen der Kunden, internationalen Kostendruck, europäische Regulierung und die US-Zollpolitik.
- Bereits im September 2024 kündigte Mubea den Abbau von 300 Stellen in Deutschland an, auch Daaden und Weitefeld waren betroffen.
- Zur Abfederung bietet Mubea Wechsel an andere Standorte an, vor allem in die wachsende Luftfahrtsparte, dazu Austritts- und Rentenbrückenprogramme.
Warum baut Mubea in Daaden und Weitefeld Stellen ab?

Sinkende Stückzahlen. Mubea nennt vier Treiber: veränderte Einkaufsentscheidungen der Kunden, zunehmenden internationalen Kostendruck, kostensteigernde europäische Regulierung und die Folgen der US-Zollpolitik. Zusammen führten diese Faktoren zu „deutlich reduzierten Produktionsmengen“.[1] Hinter der Formel von den Einkaufsentscheidungen steckt in der Zulieferbranche meist ein Lieferantenwechsel: Autohersteller schreiben Teile neu aus und vergeben sie an günstigere Werke. Seit August 2025 erheben die USA zudem einen Zoll von 15 Prozent auf Autos aus der EU; jedes dort nicht verkaufte Fahrzeug fehlt auch in den Auftragsbüchern der Federnwerke.
Elektro ohne Schutz. In Weitefeld fertigen laut Mubea 191 Beschäftigte Getriebe- und Antriebswellen, dazu Rotorwellen für Elektromotoren.[2] Auch Bauteile für Elektroautos unterliegen demselben Preiswettbewerb wie die Federn für Verbrenner.
Wie groß ist der Abbau im Vergleich?
Jede dritte Stelle. Die 200 Stellen entsprechen einem Drittel der Belegschaft an beiden Standorten. Konzernweit beschäftigte Mubea 2025 nach eigenen Angaben 17.200 Menschen an 70 Standorten, 4.500 davon in Deutschland, und setzte 3,6 Milliarden Euro um.[1] Gemessen an der deutschen Belegschaft fallen damit gut 4 Prozent der Arbeitsplätze weg, konzentriert auf einen Doppelstandort im Westerwald.
Zweite Runde. Im September 2024 kündigte Mubea an, bis Ende 2025 rund 300 Stellen in Deutschland zu streichen, verteilt auf Attendorn, Daaden/Weitefeld und Weißensee in Thüringen.[3] Damals begründete der Konzern den Schritt mit dem Umsatzrückgang der europäischen Autoindustrie. Auf Daaden und Weitefeld entfielen laut AK-Kurier rund 60 Stellen, Betriebsratschefin Gabi Lück setzte vor allem auf einvernehmliche Lösungen mit rentennahen Beschäftigten.[4]
Ein Federnwerk konkurriert heute mit Werken in Osteuropa und Asien um jeden Auftrag, und am Ende entscheidet der Stückpreis. Das Wachstum in der Luftfahrt hilft den Beschäftigten aus Daaden nur, falls sie bereit sind, dafür quer durch die Republik umzuziehen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Abbau für die Region?
Luftfahrt statt Auto. Mubea verweist auf freie Stellen an anderen Standorten, vor allem in der Luftfahrt. Ende 2023 übernahm der Konzern von RUAG die Fertigung von Rumpfsektionen in Oberpfaffenhofen bei München und im ungarischen Eger mit zusammen rund 1.000 Beschäftigten.[5] Oberpfaffenhofen liegt fast 400 Kilometer Luftlinie von Daaden entfernt. Den Abbau will Mubea schrittweise über mehrere Jahre umsetzen und dafür Austritts- und Rentenbrückenprogramme anbieten.
Status offen. Das Vorhaben ist bislang eine Ankündigung: Mubea will mit den Arbeitnehmervertretern sprechen, eine Einigung mit dem Betriebsrat liegt noch nicht vor. Für Daaden stellt das Unternehmen zugleich Investitionen in die Fertigung von Tellerfedern für 2027 und 2028 in Aussicht und will neue Produkte für die Wasserstoffproduktion erschließen.[1] Im Kreis Altenkirchen zählt Mubea zu den größten Arbeitgebern.[4]
Welle der Zulieferer. Daaden reiht sich in eine Serie ein: Erst am 21. September gingen beim Aktionstag der IG Metall Beschäftigte der Zulieferindustrie gegen Stellenabbau auf die Straße, und auch ZF verkleinert sich. Betriebe aus Metallverarbeitung und Maschinenbau im Westerwald und im Siegerland sollten die Austrittsprogramme im Blick behalten, denn mit jedem angenommenen Austrittsangebot sucht bis 2028 eine erfahrene Fachkraft aus Umformung oder Zerspanung eine neue Stelle in der Region.
Quellen
[1] Mubea, Mitteilung via LokalPlus: Mubea baut 200 Stellen an einem seiner deutschen Standorte ab (21.09.2026)
[2] Mubea: Mubea in Weitefeld
[3] Mubea, Mitteilung via LokalPlus: Mubea plant Abbau von 300 Stellen in Deutschland (04.09.2024)
[4] AK-Kurier: Martin Diedenhofen im Dialog mit Mubea-Betriebsrat (15.10.2024)
[5] RUAG International: New horizons: RUAG Aerostructures becomes part of Mubea (03.01.2024)
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