Ford fand für sieben Bereiche seines Kölner Werks keinen Investor, darunter den Werkzeugbau und die Werksgastronomie. Laut WDR, der von der Betriebsversammlung am 22. September 2026 berichtete, verlassen deshalb 500 weitere Beschäftigte das Unternehmen mit einer Abfindung. Welches Modell nach 2030 in Köln vom Band laufen soll, bleibt offen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür die Belegschaft von Ford in Köln entfällt mit der gescheiterten Investorensuche ein Ausweg. Mit einem Verkauf hätten die Beschäftigten aus Werkzeugbau, Druckguss und Schmiede den Arbeitgeber gewechselt, statt das Werk zu verlassen. Nun verschwinden die Stellen ganz.
Das Wichtigste in Kürze
- Ford fand für sieben Kölner Werksbereiche keinen Käufer, laut WDR gehen 500 Beschäftigte aus diesen Bereichen mit Abfindung.
- Die 500 Abgänge gehören zum laufenden Sparprogramm, das bis Ende 2027 in Deutschland 2.900 Stellen streicht, rund ein Viertel der 11.500 Kölner Stellen von Ende 2024.
- Seit Januar 2026 fertigt Köln nur noch in einer Schicht, laut WDR fielen dadurch weitere 750 Stellen weg.
- Fords nächste Elektro-Kleinwagen baut ab 2028 Renault in Frankreich, für Köln fehlt ein Modell nach 2030.
Warum findet Ford für seine Werksbereiche keine Käufer?

Fehlende Stückzahlen. Werkzeugbau, Druckguss und Schmiede sind auf hohe Stückzahlen ausgelegt, die Köln seit dem Produktionsende des Fiesta 2023 nicht mehr erreicht. Ein Käufer hätte die Anlagen mit Fremdaufträgen füllen müssen, doch die Zulieferbranche baut selbst Kapazität ab. Wie tief die Krise reicht, zeigte der Aktionstag der IG Metall am 21. September, als auch vor den Kölner Werkstoren Beschäftigte protestierten.
Fremde Plattform. Die beiden Kölner Elektromodelle Explorer und Capri stehen auf dem MEB-Baukasten von Volkswagen. Zentrale Technik kauft Ford damit zu, statt sie in eigenen Hallen zu fertigen, und für die Kölner Teilefertigung bleibt weniger Arbeit.
Wie groß ist der Abbau am Standort Köln?
Ein Drittel weniger. Im November 2024 kündigte Ford an, bis Ende 2027 in Europa 4.000 Stellen zu streichen, 2.900 davon in Deutschland.[2] Die IG Metall bezifferte die Zahl der Kölner Arbeitsplätze damals auf 11.500. Der Einschichtbetrieb seit Januar 2026 kostete laut WDR weitere 750 Stellen in der Fahrzeugfertigung.[1] Zusammen fallen damit rund 3.650 Stellen weg, fast ein Drittel des Stands von Ende 2024. Die 500 Abgänge aus den Werksbereichen sind nach WDR-Angaben keine neue Runde, sondern Teil dieses Programms, das bereits umgesetzt wird.
Abfindung statt Kündigung. Nachdem der US-Mutterkonzern die Patronatserklärung für die Ford-Werke gekündigt hatte, streikte die Kölner Belegschaft im Mai 2025 zum ersten Mal in der Werksgeschichte. Die anschließende Einigung setzt laut IG Metall auf freiwillige Abgänge mit hohen Abfindungen, sichert die verbleibenden Beschäftigten bis Ende 2032 ab und legt Regeln für Verkäufe an Investoren fest.[3] Diese Regeln greifen nun ins Leere.
Ein Werk, das eine fremde Plattform montiert und nicht einmal seine Teilefertigung verkaufen kann, verliert seine Verhandlungsmacht. Ohne ein eigenes Modell für die Zeit nach 2030 steht Köln die nächste Abbaurunde schon bevor.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet die Lage für den Standort Köln?
Modellfrage offen. Im Dezember 2025 vereinbarte Ford eine Partnerschaft mit Renault: Ab 2028 laufen zwei Elektro-Kleinwagen der Marke Ford im nordfranzösischen Douai vom Band, mit Technik von Renaults Elektrosparte Ampere.[4] Köln geht dabei leer aus. Betriebsratschef Benjamin Gruschka sagte dem WDR: „Wir wollen, dass Köln als Produktionsstandort bleibt, und dafür braucht es die Diskussion mit der Geschäftsführung.“ Einen kleinen Lichtblick meldet der Sender ebenfalls: Die Produktion von Explorer und Capri läuft derzeit besser, weil Ford die neue Elektroprämie zusätzlich aufstockt.
Rückzug mit Muster. In Saarlouis endete im November 2025 nach 55 Jahren die Pkw-Fertigung mit dem letzten Focus, und am spanischen Standort Valencia übernimmt Geely 34 Prozent des Werks. Auch Mercedes stellt gerade zwei deutsche Werke zur Disposition.
Zulieferer im Rheinland hängen damit an zwei Kölner Modellen im Einschichtbetrieb ohne gesicherten Nachfolger. Lieferanten sollten ihren Umsatzanteil am Werk beziffern und die Laufzeit ihrer Verträge mit dem Modellzyklus abgleichen. Wie sehr ein schrumpfendes Werk eine Region trifft, zeigt die Analyse zu den Folgen einer Werksschließung.
Quellen
[1] WDR: Stellenabbau bei Ford (22.09.2026)
[2] Ford of Europe: Ford Announces Measures to Achieve Long-Term Competitiveness in Europe (20.11.2024)
[3] IG Metall: Einigung bei Ford Köln: Abbau über Abfindungen, Sicherheit bis 2032
[4] Ford und Renault Group: Ford and Renault Group Form Strategic Partnership (09.12.2025)
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