Ein chinesischer Autokonzern sichert sich einen Platz in einem der größten Werke Europas. Geely übernimmt für 221 Millionen Euro 34 Prozent von Fords Fabrik im spanischen Valencia. Ab 2028 sollen dort chinesische Elektro-SUV vom Band laufen, gebaut in der EU und damit vorbei am Ausgleichszoll auf Importe aus China.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenChinas Autokonzern Geely steigt bei Fords Fabrik im spanischen Valencia ein, wo zuletzt der Stellenabbau drohte. Rund 1.622 Jobs wollte Ford dort streichen; künftig bringt Geely eigene Elektromodelle und lastet die Bänder wieder aus. Seit dem 7. September liegt der Einstieg zur Freigabe bei Pekings Kartellbehörde.
Das Wichtigste in Kürze
- Geely übernimmt 34 Prozent an Fords Werk Valencia für 221 Millionen Euro, Ford behält 66 Prozent.
- Die Fabrik zählt mit rund 500.000 Fahrzeugen Jahreskapazität zu den größten Europas und sichert etwa 4.200 Stellen.
- Produktion in der EU spart Geely den Ausgleichszoll von 18,8 Prozent auf in China gebaute Elektroautos.
- Start der Fertigung: 2028, zunächst zwei Elektro-SUV von Geely und drei Ford-Modelle.
Warum gibt Ford ein Drittel seines Werks an Geely ab?

Leere Bänder kosten Geld. Fords Europageschäft schrumpft seit Jahren, und Valencia verlor den Zuschlag für neue Elektromodelle an andere Standorte. Ohne frische Aufträge drohte der Fabrik der Leerlauf. Geely bringt genau diese Aufträge mit und füllt die Hallen wieder.[1]
Die beiden Konzerne kennen sich seit Langem. 2010 kaufte Geely den schwedischen Hersteller Volvo, damals eine Ford-Tochter, und führte die Marke zurück in die Gewinnzone. Ein zweiter Anlauf folgt nun in Spanien, diesmal ohne komplette Übernahme. Statt Milliarden in eine neue Fabrik zu stecken, mietet sich Geely in eine bestehende ein.
Wie chinesische Hersteller die EU-Zölle umfahren
In der EU gefertigt, gilt ein Auto als europäische Ware und bleibt vom Zoll verschont. Seit dem 30. Oktober 2024 erhebt Brüssel einen Ausgleichszoll auf in China gebaute Elektroautos, zusätzlich zum üblichen Einfuhrzoll von 10 Prozent. Für Geely-Modelle beträgt der Aufschlag 18,8 Prozent, für BYD 17 Prozent, für SAIC 35,3 Prozent.[2] Ein Wagen aus Valencia entgeht diesem Aufschlag.
Geely steht damit nicht allein. XPeng übernahm sein Großbritannien-Geschäft selbst, um am Zoll vorbeizukommen. BYD baut Werke in Ungarn und der Türkei, Chery fertigt bei Barcelona in einer früheren Nissan-Halle. Lokale Produktion ist die gemeinsame Antwort auf die Brüsseler Zölle. Peking flankiert den Kurs und reguliert inzwischen sogar die Auslandspreise seiner Autobauer, um den Preiskrieg zu dämpfen.
Der Ausgleichszoll sollte chinesische Elektroautos ausbremsen. Stattdessen holt er die Hersteller mitten in die europäischen Werkshallen, samt Kapital und Modellen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Deal für die deutsche Autoindustrie bedeutet
Neue Nachbarn rücken heran. Chinesische Hersteller kommen mit der Fertigung in Spanien näher an den deutschen Markt und an die deutschen Zulieferer. Ein Produzent in Valencia bewirbt sich um dieselben Batterie-, Elektronik- und Sitzlieferanten wie Volkswagen, BMW und Mercedes. Der Wettbewerb um Aufträge findet künftig auf europäischem Boden statt.
Spanien wird zum Brückenkopf. Volkswagen bündelt seine spanische Doppelmarke gerade auf Cupra, nun zieht mit Geely ein neuer Anbieter ins Land. Für die deutschen Werke wächst der Kostendruck ohnehin: Mercedes fertigt in Ungarn zu rund 70 Prozent niedrigeren Löhnen und verlagert Volumen aus Deutschland.
Für die Zulieferindustrie lohnt der Blick nach Valencia. Zulieferer, die heute Aufträge von Volkswagen oder Ford suchen, gewinnen ab 2028 mit Geely einen weiteren Abnehmer vor der Haustür. Frühe Kontakte zu den neuen Werken zahlen sich aus, bevor die Lieferketten vergeben sind.
Quellen
[1] Geely Auto: „Geely Auto and Ford Establish Joint Venture in Spain for Localized Production in Ford’s Valencia Plant“
[2] Europäische Kommission: „EU Commission imposes countervailing duties on imports of battery electric vehicles (BEVs) from China“
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