Beim Autozulieferer Magna in Dorfprozelten haben sich Unternehmen und Betriebsrat bisher nicht auf einen Interessenausgleich geeinigt. Laut IG Metall erklärte Magna die Verhandlungen überraschend für gescheitert. Für die 216 Beschäftigten des Spiegelwerks im Landkreis Miltenberg bleibt damit offen, zu welchen Bedingungen das Werk Mitte 2027 schließt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenMagna betont gegenüber Radio Primavera, weiter verhandlungsbereit zu sein. Die Gespräche sollen auf einer anderen Ebene fortgesetzt werden, zu einzelnen Positionen äußert sich der Konzern nicht.[1] An diesem Mittwoch berät der Betriebsrat, ob er gemeinsam mit Magna eine Einigungsstelle anruft. Das Main-Echo hatte am Montag über den Abbruch berichtet.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Betriebsrat berät am Mittwoch, ob er gemeinsam mit Magna die Einigungsstelle anruft.
- Laut IG Metall erklärte Magna die Gespräche für gescheitert, Magna will auf anderer Ebene weiterverhandeln.
- Das Spiegelwerk soll Mitte 2027 schließen, 216 Beschäftigte sind betroffen.
- 2023 hatten Magna und IG Metall vereinbart, den Standort bis Ende 2028 weiterzuführen.
Was bedeutet das Scheitern für die Beschäftigten?

Ein Interessenausgleich legt fest, ob, wann und wie ein Unternehmen eine Betriebsänderung umsetzt. Der Sozialplan regelt, wie Nachteile für die Beschäftigten ausgeglichen werden, etwa durch Abfindungen. Kommt keine Einigung zustande, können Unternehmen oder Betriebsrat die Bundesagentur für Arbeit um Vermittlung bitten oder die Einigungsstelle anrufen.[3]
Beim Interessenausgleich kann die Einigungsstelle nur eine Einigung versuchen. Über den Sozialplan entscheidet das Gremium notfalls per Spruch, der die Einigung beider Seiten ersetzt.[3] Überspringen kann Magna den Versuch eines Interessenausgleichs nicht. Setzt ein Unternehmen eine Betriebsänderung um, ohne einen Ausgleich versucht zu haben, können entlassene Beschäftigte vor dem Arbeitsgericht auf Abfindungen klagen.[4]
Warum schließt Magna früher als vereinbart?
Am 13. Juli kündigte Magna die Schließung an. Eine Fortführung sei wegen der anhaltend negativen Geschäfts- und Marktentwicklung „wirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, teilte ein Sprecher mit.[5] Schon 2023 wollte der Konzern das Werk für Außen- und Rückspiegel schließen. Im Juli 2023 einigten sich Magna und IG Metall auf Eckpunkte: Der Standort sollte bis Ende 2028 bestehen bleiben, die Belegschaft von rund 450 auf 250 Beschäftigte schrumpfen.[6]
Die IG Metall wirft Magna vor, die Zusagen nicht eingehalten zu haben. Neue Produkte seien nicht nach Dorfprozelten gekommen. Das neu entwickelte LC-Spiegelglas, die zentrale Zukunftstechnik des Werks, bringe Magna nicht zur Serienreife. „Magna hat vereinbarte Arbeit, Aufträge und Anlagen nicht geliefert“, sagte Percy Scheidler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg.[7]
Nach Darstellung der Gewerkschaft flossen in das neue Spiegelglas auch Fördermittel des Freistaats. Laut bayerischem Wirtschaftsministerium beantragte Magna im September 2023 Geld aus einem Technologieförderprogramm. Bewilligt wurden 2,3 Millionen Euro, bis Ende Juli waren davon 1,2 Millionen Euro ausgezahlt. Nach Angaben der Landtagsabgeordneten Martin Stock (CSU) und Thomas Zöller (Freie Wähler) prüft das Ministerium, ob der Freistaat Geld zurückfordern kann.[5]
Was kommt nach dem Werk im Südspessart?
Dorfprozelten ist nicht das erste fränkische Werk, das Magna aufgibt. Ende 2022 schloss der Konzern den Standort Bad Windsheim mit 340 Beschäftigten.[6] Im Sommer 2026 trennte sich Magna außerdem von seinem europäischen Beleuchtungsgeschäft, das der Sanierer Mutares übernahm. In Franken trifft die Zuliefererkrise mehrere Werke zugleich. Valeo streicht in Ebern 139 Stellen, Bosch plant in Nürnberg den Abbau von 900 Stellen.
Dass sich Konzern und Belegschaft auch bei einem Werksende einigen können, zeigt der Fall TE Connectivity. In Speyer haben sich das Unternehmen und sein Gesamtbetriebsrat auf das Ende der Fertigung bis 2028 verständigt. Für das Gelände in Dorfprozelten stehen laut Main-Echo mindestens zwei Nachnutzungen im Raum, eine davon könnte viele neue Arbeitsplätze bringen.[8] Das Wirtschaftsministerium sagte im Juli zu, „sich mit seinen Möglichkeiten zu engagieren“, nannte aber keine konkreten Schritte.[5]
Quellen
8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Radio PrimaveraMagna Mirrors in Dorfprozelten: IG Metall kritisiert Verhandlungsabbruch
- Main-EchoMagna Mirrors bricht Verhandlungen zum Interessenausgleich ab (19.10.2026, hinter Bezahlschranke)
- Betriebsverfassungsgesetz§ 112 Interessenausgleich über die Betriebsänderung, Sozialplan
- Betriebsverfassungsgesetz§ 113 Nachteilsausgleich
- inFranken.deFördergeld kassiert: Magna schließt Werk in Dorfprozelten früher als geplant
- inFranken.deAutozulieferer Magna in Dorfprozelten: Werk bleibt erhalten, aber massiver Stellenabbau
- Antenne Bayern (dpa)Magna-Werk in Dorfprozelten vor dem Aus
- Main-EchoZukunft des Magna-Geländes in Dorfprozelten: Zwei Möglichkeiten stehen im Raum (16.10.2026, hinter Bezahlschranke)
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