Valeo baut am Standort Ebern in Unterfranken 139 Stellen ab, betriebsbedingte Kündigungen soll es dabei nicht geben. Den Ergänzungstarifvertrag dazu haben IG Metall und Valeo ausgehandelt: Die Belegschaft verzichtet auf Teile der Sonderzahlungen und arbeitet ab 2027 zwei Stunden länger pro Woche, dafür gilt bis Ende 2030 eine Beschäftigungssicherung.

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Der Stellenabbau bei Valeo in Ebern ist bereits die vierte Runde am früheren Hauptsitz von FTE automotive. Von 1.650 Beschäftigten im Jahr 2016 waren zu Jahresbeginn noch 763 übrig.[2] Interessenausgleich und Sozialplan stehen seit Mai, nun folgt mit dem Ergänzungstarifvertrag der Preis für die Jobgarantie.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • In Ebern fallen 139 Stellen weg, rund zwei Drittel davon in Forschung und Entwicklung; 39 Beschäftigte wechseln nach Erlangen.
  • Valeo verlangte von der Belegschaft einen Beitrag von 25 Millionen Euro bis 2030, der Ergänzungstarifvertrag halbiert die Summe nahezu.
  • Der Beitrag besteht aus gekürzten Jahressonderzahlungen und zwei zusätzlichen Wochenstunden ab 2027.
  • Bis Ende 2030 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, mit Nachlauf bis 2032; dazu kommt ein neues Produkt für das Werk.

Warum trifft der Abbau vor allem die Entwicklung?

Alte Stempeluhr mit analoger Uhr, rechts eine Stechkarte mit orangefarbenem Aufkleber
Valeo konzentriert Antriebsentwicklung in Erlangen, Bad Rodach und Czechowice. Ebern verliert zwei Drittel seiner 139 Stellen in Forschung und Entwicklung

Entwicklung zieht um. Valeo bündelt die Entwicklung seiner Antriebssparte Power in Erlangen, Bad Rodach und im polnischen Czechowice, so die IG Metall Bamberg im Januar.[2] In Ebern bleibt damit vor allem die Fertigung. Von den 139 Stellen entfallen rund zwei Drittel auf Forschung und Entwicklung.[1] Betriebsratschefin Sonja Meister warnte schon im Januar, Einsparungen bei der Entwicklung gefährdeten die Zukunft des Standorts.

Kupplung ohne Zukunft. Valeo übernahm FTE automotive 2017. Der Spezialist für hydraulische Kupplungs- und Getriebeaktuatoren beschäftigte damals mehr als 3.800 Menschen in acht Ländern.[3] Die Gewerkschaft beschreibt Ebern als strukturell abhängig vom Verbrennungsmotor.[2] Ein Elektroauto braucht keine Kupplung, und mit jedem verkauften Stromer schrumpft der Markt für das Kerngeschäft des Werks.

Was zahlt die Belegschaft für die Jobgarantie?

Knapp halbiert. Valeo forderte von den verbleibenden Beschäftigten bis 2030 einen Beitrag von 25 Millionen Euro. Nach der Einigung ist die Summe laut IG Metall nahezu halbiert, rechnerisch bleiben also gut 12,5 Millionen Euro.[1] Umgelegt auf gut 620 verbleibende Arbeitsplätze in Ebern sind das rund 20.000 Euro je Kopf bis 2030. Der Beitrag setzt sich aus Abstrichen bei den Jahressonderzahlungen und zwei zusätzlichen Wochenstunden ab 2027 zusammen.

Gegenleistung mit Frist. Bis Ende 2030 schließt der Vertrag betriebsbedingte Kündigungen aus. Valeo platziert in Ebern die Montage eines Gear-Box-Actuators, sagt Investitionen zu und stellt weitere Produkte ab 2030 in Aussicht, die Ausbildung bleibt. Ein paritätisch besetzter Zukunftsbeirat überwacht die Zusagen.[1]

Valeo Ebern: Stellenabbau gegen Jobgarantie
Was der Ergänzungstarifvertrag für den Standort in Unterfranken regelt
1.650 → 763
Beschäftigte in Ebern 2016 und zu Jahresbeginn 2026, vor der vierten Abbaurunde
139
Stellen fallen jetzt weg, etwa zwei Drittel in Forschung und Entwicklung
−50 %
Beschäftigtenbeitrag bis 2030: Valeo forderte 25 Millionen Euro, der Vertrag halbiert die Summe nahezu
+2 Std.
mehr Wochenarbeitszeit ab 2027, dazu gekürzte Jahressonderzahlungen
2030
Ende der Beschäftigungssicherung, mit Nachlauf bis 2032

Die Beschäftigten in Ebern tauschen Arbeitszeit und Sonderzahlungen gegen vier Jahre Sicherheit. Ob das Werk danach eine Zukunft hat, hängt an den Produkten, die Valeo ab 2030 nach Unterfranken holt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wird der Tausch zum Muster der Zulieferbranche?

Längere Wochen. Der Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie sieht 35 Wochenstunden vor. Seit dem Pforzheimer Abkommen von 2004 dürfen Betriebe per Ergänzungstarifvertrag davon abweichen, sofern Arbeitsplätze gesichert werden. In Ebern gehen Valeo und IG Metall genau diesen Weg, andere Arbeitgeber verlangen mehr: Aumovio fordert die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, auch der Aufsichtsratschef von Stihl wirbt dafür. Gegen Stellenabbau und längere Arbeitswochen gingen beim Aktionstag der IG Metall am 21. September rund 175.000 Beschäftigte auf die Straße.

Kein Einzelfall. Auch Mubea im Westerwald und Schüle Druckguss meldeten in den vergangenen Tagen neue Einschnitte. Ralf Dirschl, Tarifchef der IG Metall Bayern, nannte den Umgang von Valeo „keine gute Ausgangssituation für die Tarifverhandlungen“.[1] Personalverantwortliche anderer Zulieferer in der Region sollten den Ebener Vertrag lesen: Ähnliche Forderungen dürften auch bei ihnen ankommen, und am Zukunftsbeirat lässt sich ablesen, welche Kontrollrechte die Gewerkschaft dafür verlangt.

Quellen

[1] IG Metall Bamberg, Mitteilung via Wiesentbote: Kehrt jetzt Ruhe am Valeo-Standort in Ebern ein? (17.09.2026)

[2] IG Metall Bamberg: 2026: Stellenabbau Valeo Ebern (20.01.2026)

[3] Valeo: Valeo closes the acquisition of FTE (31.10.2017)

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